"Germany's Next Topmodel"-Finale Lass gut sein, Heidi

Keine Entwicklung erkennbar, kaum wandlungsfähig, nicht genug an sich gearbeitet - legt man den typischen Jargon von "Germany's Next Topmodel" an die Moderatorin selbst an, bleibt nach dem Ende der siebten Staffel nur eine Erkenntnis: Die Ära von Heidi Klum ist vorbei.

dapd

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Die Botschaft des Abends kam verpackt in einen bizarren Auftritt. Laufsteg-Trainer Jorge durfte aus nicht ersichtlichen Gründen mit auf die Bühne der ausverkauften Lanxess-Arena in Köln. Flankiert von Tänzern und im glitzernden Jumpsuit mit Plateau-Pumps bekleidet, lieferte er einen verwirrenden Kurzauftritt ab, der weder Laufsteg-Training noch Gesangsperformance noch "Choreo" (ProSieben-Sprech für kurze Tanzeinlage) war. Inmitten all dieser Ambivalenz präsentierte Jorge dann auch noch die Fetzen eines Billo-Techno-Songs. Der Refrain hatte es aber in sich: "Don't do it, chicas", lautete er. Lasst es gut sein, Mädels.

Ja, lasst es gut sein, Mädels. Auch wenn Heidi Klum gegen 23 Uhr rief: "Bis zum nächsten Jahr!", hatte man beim Finale von "Germany's Next Topmodel" am Donnerstagabend das dringende Gefühl, dass hier mehr als die siebte Staffel zu Ende ging: eine kleine Fernseh-Ära.

Sowohl in feministischer als auch in professioneller Hinsicht hatte die Sendung noch nie etwas getaugt. Die Körperbilder, die hier propagiert wurden, waren weder Alltags- noch Modelbusiness-tauglich. Doch im Verlauf der aktuellen Staffel kam noch ein anderer Faktor hinzu: Die Sendung fing an, sich von innen heraus zu zersetzen.

"Boah, ist die Heidi alt geworden"

"Ich guck das seit der ersten Staffel." "Seit sechs Jahren warte ich darauf, endlich das Mindestalter erreicht zu haben, um mitmachen zu können." Immer wieder sagten die jüngsten Kandidatinnen Sätze wie diese. Man konnte sie als Beleg für den dauerhaften Erfolg von "GNTM" nehmen - oder als Beweis dafür, dass die Show in die Jahre gekommen ist. Wer einmal morgens im Bus gehört hat, wie junge Mädchen die Sendung vom Vorabend besprechen und dabei Sachen sagen wie "Boah, ist die Heidi alt geworden!", hat erahnen können, welche Deutung die Zielgruppe vorgenommen hat. Das "GNTM"-typische geschäftsmäßige Sprechen über weibliche Körper ist bei den jungen Zuschauerinnen vollends angekommen - jetzt wendet es sich gegen die 39-jährige Klum.

Überhaupt lässt sich der sendungseigene Jargon sehr gut auf die Show selbst übertragen: Keine Entwicklung erkennbar, kaum wandlungsfähig, ja, tatsächlich, "Germany's Next Topmodel" hat nicht genug an sich gearbeitet. Juroren - nie Jurorinnen - kamen und gingen, aber Heidi Klum blieb. Und blieb immer dieselbe. Streng, streng, streng, aber wenn's sein musste, auch mal kurz albern und dosiert ausgelassen. Eine andere Seite sah man von ihr während der gesamten sieben Staffeln nicht.

Gerüchte um Konkurrenz von Bar Refaeli

Da konnte auch die neu eingeführte "Heidi-Cam" nichts dran ändern: Aufnahmen vom Friseurbesuch von Heidi und Mutter Erna lieferten keinen Einblick ins Privatleben - und schon gar keine Erkenntnisse über die Persönlichkeit der Moderatorin. Als sich Fotograf Brian Bowen Smith im Finale einen Scherz erlaubte und in Anspielung auf jüngste Aufnahmen spontan ins Publikum fragte: "Have you seen Heidi Klum naked?", gab der empörte Gesichtsausdruck von Klum mehr preis als alle "Heidi-Cam"-Einstellungen zusammen: Was erlaubt sich Bowen Smith, so aus der Reihe zu tanzen?

Kontrolle ist eben das entscheidende Klum-Prinzip - von Tochter Heidi, aber auch von Vater Günther, der die Modelverträge mit den Kandidatinnen überwacht. Dass Vorjahresgewinnerin Jana nach kurzer Zeit aus ihrem Vertrag mit OneEins ausstieg, weil sie sich zu sehr vom Management gegängelt fühlte, war wahrscheinlich das erste Warnsignal, dass die Kontrolle der Klums über die Sendung an ihre Grenzen stößt.

2012 häufen sich nun die Schreckensmeldungen: Die siebte Staffel hat die schlechtesten Einschaltquoten seit Show-Beginn eingefahren. Die nächste Ausgabe soll von einer neuen Produktionsfirma geführt werden. Supermodel Bar Refaeli arbeitet gerüchteweise an einem Konkurrenz-Model-Casting. Dass Heidi Klum mit einer achten Staffel dagegen halten will, kann man kampfeslustig oder zumindest geschäftstüchtig nennen. Eigentlich hofft man aber, dass sie sich Jorges Rat zu Herzen nimmt: Don't do it, chica. Lass es gut sein, Mädel.

insgesamt 106 Beiträge
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Seite 1
elwu 08.06.2012
1. Frau Klum
trug gestern zudem ein Kleid, das eine sehr ungeschickte Figur machte, oder ist sie wirklich körpermittig so in die Breite gegangen? Die Sendung selbst: wie eh und je, kann man mal kurz reingucken und sich beömmeln, und dann fix den Sender wechseln. So ein Blödfug.
Micromac 08.06.2012
2. optional
Gott sei Dank, wenn dieses Elend endlich sein Ende fände. Und bekanntlich kann man ja über den Geschmack streiten. Was hier für Frauen als schön bezeichnet werden, löst bei mir z.B. absoluten Brechreiz aus.......
Noctim 08.06.2012
3.
Eine oberflächliche, menschenverachtende, die falschen Werte vermittelnde und vollkommen überflüssige Produktion frisst sich selbst auf. Mir gefällt's. Meinetwegen können alle anderen Casting-Shows ebenfalls abdanken. Heute muss man nicht mehr zum alten Eisen gehören, um zu erkennen, dass sich die Botschaften dieser Sendungen negativ auf unsere Jugend und das soziale miteinander auswirken. Seit 10 Jahren geht es nur noch um gutes (perfektes) Aussehen, eine "goldene" Stimme, möglichst viel Ellenbogen, möglichst viel mobbing und immer wieder vor der Kamera posieren, um das eigene Ego aufzupolieren. Das von den Kandidaten heute keiner mehr "normales" hochdeutsch sprechen kann, wirkt bezeichnet. Aber irgendwie muss man dem Prekariat ja Mascara, Rouge, Gesangsunterricht, Pickelcreme und Antifalten-Mousse andrehen.
frubi 08.06.2012
4. .
Zitat von sysopDPAKeine Entwicklung erkennbar, kaum wandlungsfähig, nicht genug an sich gearbeitet: Legt man den typischen Jargon von "Germany's Next Topmodel" an die Moderatorin selbst an, bleibt nach dem Ende der siebten Staffel nur eine Erkenntnis: Die Ära von Heidi Klum ist vorbei. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,837668,00.html
GNTM interessiert mich nicht die Bohne. So einen Dreck könnte man bei mir als Foltertechnik anwenden. Bevor ich auch nur 2 Stunden GNTM sehen müsste, würde ich alles und jeden verraten. Ich freue mich nur auf die Verweigerung von Frau Klum gegenüber dem Alterungsprozess. Spätestens mit 50 wird der Onkel Doktor ihr bester Freund. In Würde altern wie Hellen Mirren wird für Frau Klum nicht schaffbar sein.
Michael0312 08.06.2012
5. ???
Heidi wer? Selbst lief Sie noch nie für einen Top-Designer auf dem Catwalk und will anderen erzählen, was man wie in dem Job zu machen hat. Sie kann sich selbst wohl gut vermarkten, aber auch ihre Zeit ist längst abgelaufen...
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