Eine Kolumne von Silke Burmester
Oh, Stefan Raab!
Du bist der König im Affenstall, der größte Klettermax! Springst ohne Hast von Ast zu Ast, das ist für Rampensäue ein Klacks!
Aber natürlich nicht für jede Rampensau.
Manche bleiben auch träge wie ein Klumpen Teig am Boden haften. Und deshalb gehen diese Zeilen der Heldenverehrung an Dich, lieber Stefan, und ich kann Dir versprechen, so bald wird kein anderer Fernsehfuzzi an dieser Stelle stehen, die ich nun zum Raab-Helden-Sockel erklären möchte.
Ehrlich gesagt, ich habe meine Zweifel, dass Du der Richtige bist, eine politische Sendung zu leiten. Zumindest dann, wenn es um mehr Einsatz als den gehen soll, die Gäste vorzustellen und ab und zu einen Buzzer zu drücken. Aber das ist egal. Ebenso wie es egal ist, dass Dir drei Tage vor der Premiere Deiner neuen Live-Sendung am Sonntag Dein gästetechnisches Schwergewicht Peter Altmaier abgesagt hat. Nicht ohne dass es zuvor ein Heckmeck um Ein- und Ausladung rund um Volker Beck gegeben hat, ähnlich wie auf einem Kindergeburtstag, wo Paula nicht kommen will, wenn auch die doofe Vanessa da ist.
Auf dem Affenberg Fernsehen
Ja, tatsächlich darf man in Anbetracht der Absage sagen: "Who the Fuck is Peter Altmaier?", lässt sich doch, wie die Talksendungen der ARD lehren, jeder ausgefallene Gast durch Arnulf Baring oder Peter Scholl-Latour ersetzen.
Zumal, wie ich Dir unterstelle, Dir Deine Gäste recht egal sein werden. Beziehungsweise es Dir schnuppe sein wird, wer da sitzt, solange Du nur Deine Show machen kannst. Und darum, mein verehrter Stefan, komme ich meiner Begeisterung näher. Denn was mir so gefällt, ist, dass Du Deine Sendungen nie für Andere machst. Du machst sie für Dich. Für Dich und Deine Kumpels. Dir sind Sendeverantwortliche, Medienanstalten und all die sogenannten Wichtigen, die sich von ihren eigenen Ausdünstungen ernähren, egal. Du willst Deinen Spaß. Und im besten Fall gefällt Dein Akt der Selbstbespaßung dem Publikum. Für keinen anderen Fernsehheini gilt so sehr das Motto: Keine Angst, der will nur spielen!
Mit diesem Konzept der Selbstbeglückung bist Du zu einem der größten Unterhalter des deutschen Fernsehens geworden, auf jeden Fall aber zur größten innovativen Kraft.
Dabei benimmst Du Dich tatsächlich wie King Louie aus dem "Dschungelbuch". Wie ein übermütiger Affe turnst Du auf dem Affenberg Fernsehen herum und ziehst den Silberrücken von hinten am verbliebenen Kopfhaar. Drehen sie sich um, sitzt Du schon wieder über ihren Häuptern auf dem Baum und zeigst eine lange Nase.
Ein Anarchist im Fernsehbetrieb
Dein Geheimnis ist, dass Du völlig angstfrei bist. Du fühlst Dich nichts und niemandem verpflichtet, außer der Herausforderung, eine gute Zeit zu haben. Das ist oft genug auf Primatenniveau, aber der Unterhaltungswert ist - zumindest für Jungs - enorm. Wo in großen, unsichtbaren Lettern das Wort "Angst" über der Tür hängt, in den Redaktionsbüros der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, hast Du Staunen verbreitet. Und wie ein Affe wirst Du Dir dafür feixend auf die Brust trommeln.
"Schlag den Raab" ist für Dich mehr als ein Titel einer Sendung, es ist die zentrale Haltung, die Motivation, der Antrieb, mit dem Du Dich provozierend vor den Anführern des deutschen Fernsehens aufbaust und rufst: "Fang mich doch, Du Eierloch!"
Und das, lieber Stefan, ist genau das, was mir so gefällt: Ein Anarchist im Fernsehbetrieb, dem nichts heilig ist, und der aus dieser Haltung heraus die heilige Kuh "Talkshow" herausfordert. Allein, nach dem ganzen Gewese um die Etablierung von fünf Talksendungen in der ARD, die Chuzpe zu haben, als Quatschkopp-Entertainer, der im Wok die Rodelbahn runterrutscht und mit Autos Ballspiele veranstaltet, zu sagen: "Das mache ich auch!", ist schlicht die beste Art, den Blödsinn der Angstaffen vorzuführen.
Nun magst Du es bedauern, dass Tom Hanks bereits wieder abgereist ist und nicht beurteilen kann, ob das, was Du heute Abend machst, Qualitätsfernsehen ist. Vielleicht aber, und das hoffe ich doch sehr, bedeuten Dir auch meine Worte etwas: Stefan, Du bist der Held der Fernsehgegenwart, Du bist der Affe meines Herzens!
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