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Schöner fernsehen

"Götz von Berlichingen" bei RTL "Game of Thrones" statt Goethe

RTL-Mittelalterspektakel: Goethe in Leder Fotos
RTL

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Im Arsch, am Arsch, oder doch nur für'n Arsch? RTL inszeniert Goethes "Götz von Berlichingen" mit interessanten grammatikalischen Fragestellungen und Bädern von Schlamm, Blut und Urin.

Da gibt es schon mal Ärger mit dem Konjunktiv: Beinahe wird einer der Vasallen des Reichsritters von Berlichingen handgreiflich, weil er eine Beleidigung gehört hat, wo keine Beleidigung formuliert wurde. "Dein Herr wäre ein rechter Trottel", sagt ein fliegender Händler einmal. Doch die Möglichkeitsform überfordert den schlichten Schläger, der den Unterschied zwischen wäre und ist nicht recht kennt und das Schwert wütend aus der Scheide zieht.

Auch die Präpositionen bereiten Probleme. Als die Soldaten des Bischofs von Bamberg die Burg von Götz von Berlichingen belagern, lässt der dem kriegsgeilen Kirchenmann über die Zinnen ausrichten: "Er kann mich im Arsch lecken." So hat es ja auch Johann Wolfgang von Goethe vorgegeben. Da wiehern des Reichsritters Männer, dass man ihre fauligen Zähne sieht - um sich im Anschluss beflissen über den Sinn von Verhältniswörtern auszutauschen und plastisch die anatomischen Implikationen zu erörtern: Müsste es nicht "am Arsch" heißen; der auf diese Weise Beleidigte soll ja nicht im Hintern des anderen verschwinden.

Ein paar schöne, deftige sprachliche Kapriolen haben sich die Macher des RTL-Films "Götz von Berlichingen" einfallen lassen, dessen Vorlage aus der Feder Goethes ja vor allem durch das Anal-Fanal des Titelhelden bekannt geworden ist.

Flokati fürs Schäferstündchen

Ansonsten aber gilt für das Zwei-Stunden-Spektakel über den Ritter mit der eisernen Faust: Frack ju Göhte! Die Adaption des Stoffes wird hier zu einer Art Fracking am Goethe-Schauspiel, die für ein bisschen (aber wirklich nur ein bisschen!) Klassiker-Rohstoff auch allerhand unappetitliche Gase und Fäkalien zutage fördert.

Schon die erste Viertelstunde bis zu der Szene, als der immer gut aufgelegte Reichsritter nach einer Gruppensexorgie die Hand abgeschlagen bekommt, hat es in sich: Zehn feindliche Soldaten werden gleich am Anfang filetiert. Einem Bösewicht bohrt man mit einem Schwert die Magengrube auf, um dort einen heruntergeschluckten Schlüssel herauszureißen. Ein Pfaffe lässt sich von Jünglingen massieren, während eine Finsterfrau mit ihm Verschwörungen ausheckt und sich nebenbei über sein erbärmliches Gemächt beschwert. Männer urinieren in Flüsse, Frauen zeigen ihre Brüste, Kleinwüchsige ohne jede weitere dramaturgische Funktion lachen dreckig.

Es ist also nur noch wenig Goethe drin in dem RTL-Mittelalter-Spektakel, das am Donnerstag auf RTL Premiere feiert. Dafür umso mehr "Game of Thrones".

In dem Intrigenspiel um den Kaiserthron von Karl V. (Buch: Christian Schnalke, Regie: Carlo Rola) wird Gier und Niedertracht, Größe und Kampfgeist in körperlichster Form transportiert. Die charakterlichen Abgründe der Fürstin Adelheid von Walldorf (Natalia Wörner), die das Komplott mit einer Reihe ihr zugetaner Männer schmiedet, sind so tief wie ihr Schwindelgefühle verursachendes Dekolleté. Der Wille Götz von Berlichingens (Henning Baum) so eisern wie die Faust-Prothese, die ihm ein Erfinder auf den Armstumpf anbringt. Und die überirdisch widerstandskräftige Heilerin Saleema (Dennenesch Zoudé), die den verbeulten Ritter wieder zusammenflickt, läuft bei kältester Witterung im Leder-BH durch den Wald.

Auch die Kostüme erinnern an den Darkroom-meets-Schafsstall-Dresscode von "Game of Thrones". Viel Leder, viel Haut, für Schäferstündchen gönnt man sich gelegentlich einen Flokati unterm Po. Und die Kerzen in den modernden Burggewölben tropfen mit den Wundstellen ihrer Bewohner um die Wette.


"Götz von Berlichingen", Donnerstag, 20.15 Uhr, RTL

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prince62 03.12.2014
frodosix 03.12.2014
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Koda 03.12.2014
kategorien 03.12.2014
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