Entschuldigung von Oliver Welke "heute show" machte Linken-Politikerin zu AfD-Sympathisantin

Eine Nachwuchspolitikerin der Linken wurde in der Satiresendung "heute show" plötzlich zur AfD-Wählerin. Das ZDF spricht von einem "Recherche-Fehler".

Marlena Schiewer, jugendpolitische Sprecherin der Linken in Görlitz: Entschuldigung von Oliver Welke
Youtube/ ARD

Marlena Schiewer, jugendpolitische Sprecherin der Linken in Görlitz: Entschuldigung von Oliver Welke


Berlin/Görlitz - Es war eine eindrucksvolle Szene, die Oliver Welke am Freitag in der ZDF-Satiresendung "heute show" einspielte. Allgemein ging es um den Erfolg der AfD, als ein Interview mit einer jungen Frau gezeigt wurde.

"Ich möchte nicht mehr die NPD wählen, weil die mir zu rechtsextrem ist, und deswegen wähl ich jetzt die AfD. Ich sage immer, das ist die NPD in freundlich", sagt die junge Frau in die Kamera (in der ZDF-Mediathek ist der Beitrag mittlerweile nicht mehr abrufbar).

Bei der Frau handelt es sich um die jugendpolitische Sprecherin der Partei Die Linke in Görlitz, Marlena Schiewer. Was die "heute show" ebenfalls unterschlug, sind Schiewers einleitende Sätze, die ihre Aussage in völlig anderem Licht erscheinen lassen. "Hier auf dem Dorf gibt's ziemlich viele Leute, die rechter Meinung sind, die einfach sagen: Ich möchte nicht mehr die NPD wählen, weil die mir zu rechtsextrem ist, und deswegen wähl ich jetzt die AfD. Ich sage immer, das ist die NPD in freundlich." So lautet Schiewers ganzer Redebeitrag aus dem Clip, der bereits im September 2014 gesendet wurde. (Hier können Sie beide Beiträge im Vergleich sehen.)

Das ZDF bat nach Bekanntwerden des Fehlers am Samstag um Entschuldigung: Der Redaktion sei ein Recherchefehler unterlaufen. "In der Kommunikation zwischen Mitarbeitern der Sendung, die zahlreiche TV-Ausschnitte sichten, und den Autoren der Sendung ist für einen Filmbeitrag die entscheidende Information verloren gegangen." Man werde das in der kommenden Ausgabe am 13. Februar richtigstellen. Moderator Oliver Welke entschuldigte sich mittlerweile bei Schiewer persönlich.

"Natürlich war und bin ich enttäuscht von der Art und Weise der Darstellung, die meiner innersten Überzeugung so sehr widerspricht", sagte Schiewer. "Gerade im ländlichen Raum und in Hochburgen von AfD, NPD und Pegida sich zu engagieren, Gesicht zu zeigen und solchen Einstellungen zu widersprechen, ist nicht einfach."

Sofern die versprochene Richtigstellung erfolge, sei die Sache für sie erledigt, sagte Schiewer nun. "Die Entschuldigung von Herrn Welke habe ich angenommen."

gam/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
fridagold 08.02.2015
1.
Naja, Fehler passieren. Ist blöd, klar. Aber wenn man umgehend um Entschuldigung bittet und die Sache richtigstellt, ist das doch eigentlich keine wirkliche Nachricht, oder?
charlybird 08.02.2015
2. Das finde ich eine ausgesprochene Sauerei
von Welkes Witzladen, der durchaus ganz gute Satire hinlegt, das Zitat einer Anti-AfDlerin so zu missbrauchen, um sie anschließend mehr oder weniger in eine rechte Ecke zu stellen. Ich nehme den ZDFlern ein Versehen definitiv nicht ab, so etwas geht nicht einer Redaktion VERLOREN. Bei mir hat der Welke aber gewaltig verloren.
ad2000 08.02.2015
3.
Jetzt erkennen die Redakteure, pardon Redakteur(e)Innen, der "heute show" nicht mal mehr ihre eigenen Gesinnungsgenossen. Aber immerhin springt man gleich auf und entschuldigt sich, was bei den verfälschenden Zusammenschnitten der Aussagen poltisch rechter Personen nie der Fall wäre.
Hirn windet sich 08.02.2015
4. Doch, ist es
Der Beitrag hilft bei der Richtigstellung und ist meines Erachtens absolut sinnvoll. Schließlich wurde die Frau, wenn auch nicht absichtlich, denunziert. Ich habe den ZDF- Beitrag gesehen und dachte mir, "was für eine dumme Nuss." Gut, dass ich es nun besser weiß.
langenscheidt 08.02.2015
5. Aua, die
Wenn es eine x-beliebige Frau gewesen wäre, hätt es kein Nachspiel gegeben. Aber eine Linke so zu zerstückeln kommt prompt Reaktion. Inhaltlich hat diese Frau unrecht. Wähler entscheiden bei Wahlen nie ideologisch sondern aus dem Herzen heraus. Alle anderen Bürger gehen gar nicht erst zur Wahl.
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