Von Mathias Zschaler
Uli Hoeneß, die nächste. Diesmal saßen bei Günther Jauch zwei Ex-Finanzminister, ein ehemaliger Staatsanwalt und Richter sowie ein einstmals hoch- und mittlerweile ein kleines bisschen weniger berühmter Entertainer. Und dieses Quartett, das muss man sagen, hat trotz einiger unvermeidlicher Redundanzen infolge von Themenabnutzung durch Wiederholung eine recht unterhaltsame, teilweise sogar witzige Veranstaltung abgeliefert. Interessanterweise lag das noch nicht einmal ausschließlich an der Anwesenheit des Entertainers, obschon es sich um keinen Geringeren als Jauch-Freund Thomas Gottschalk handelte.
Doch zunächst der ernste Teil. Für den war in erster Linie Peer Steinbrück zuständig, der bekundetermaßen nie wieder Finanzminister in einem Kabinett Merkel, sondern unverdrossen selbst Kanzler werden will. Dem SPD-Kandidaten mit eigenen Erfahrungen als Buhmann, an die ihn der Moderator irgendwann mitfühlend erinnerte, hatte ja vergangene Woche bereits deutlich gemacht, dass er den Fall Hoeneß als "Katalysator" für eine breite Debatte über Steuergerechtigkeit und -ehrlichkeit sowie gesellschaftlichen Anstand verstanden wissen möchte. Und entsprechend äußerte er sich auch jetzt wieder, nicht ohne treuherzig zu versichern, dass es hier natürlich um mehr als nur Wahlkampf gehe. Es gebe nun mal eine Gerechtigkeitslücke, die es dringend zu schließen gelte.
Konkret hat das bekanntlich bereits zu der Frage geführt, ob die Selbstanzeige bei Steuerbetrug weiterhin Straffreiheit garantieren soll. Selbst in Horst Seehofers CSU wird darüber laut nachgedacht und in der Gabriel-SPD ohnehin. So ganz vermochte Steinbrück nicht zu verbergen, dass er nach wie vor einiges von dieser Regelung hält, einfach, weil sie beachtliche Geldsummen in die Kassen spült. Aber dass sie in ihrer derzeitigen Form keinen Bestand haben könne, so viel Klartext in diesem Punkt gestattete er sich dann doch und brachte eine Bagatellgrenze von 50.000 Euro ins Spiel, die mit normaler Erwerbsarbeit ohnehin kaum jemand erreiche.
"Das müssen Sie ändern!"
Wesentlich deutlicher wurde da Heribert Prantl. Der "SZ"-Journalist mit juristischem Vorleben beklagte, aus dem Steuerstrafrecht sei ein "wattiertes Sonderstrafrecht" gemacht worden - das einzige, aus dem sich der Straftäter selbst herauswinden könne - und appellierte an den Kanzlerkandidaten: "Das müssen Sie ändern!" Außerdem gab es von Prantl ein rechtskundliches Kurzseminar zum aktuellen Stand der Dinge in der Causa Hoeneß, das zwar keine neuen Erkenntnisse brachte, aber höchst kompetent anmutete. Und damit bot es zugleich auch einen bemerkenswerten Kontrast zu dem, was da sonst noch so geplaudert, gemutmaßt und gefloskelt wurde.
Letzteres geschah vorzugsweise dann, wenn die Rede auf Uli Hoeneß kam, was immer wieder mal der Fall war, sofern nicht gerade Gottschalk seinen dringenden Wunsch nach einem nicht näher erklärten Steuersatz von 40 Prozent zum Ausdruck brachte, was nach Art eines Running Gag mehrfach vorkam. So musste denn abermals ausgiebig am Bild des guten Menschen und Wohltäters vom Tegernsee und seinem gloriosen Lebenswerk herumpoliert werden, durfte FC-Bayern-Mitglied Gottschalk tiefsinnig philosophieren, dieser habe viel Richtiges gesagt, aber etwas Falsches getan und sei vielleicht nicht ganz so gut, wie einst gedacht, aber auch nicht so schlecht, wie er jetzt gemacht werde. Und Steinbrück konnte den Vorwurf, auch er habe sich von Hoeneß beraten lassen, als "lächerlich" zurückweisen.
Clinton-Methode oder Papst-Beispiel?
Der ehemalige CSU-Grande und Ex-Minister Erwin Huber wollte den Mann, der sich selbst des Steuerbetrugs bezichtigt hat, am besten gar nicht erst als "kriminell" bezeichnet sehen, sondern einfach auch mal menschlich. Es sei nämlich aus christlicher Sicht so, dass im Menschen nicht nur das Gute wohne, sondern auch die Erbsünde.
Und damit war man dann endlich mittendrin im eigentlich vorgegebenen Thema des Abends, der "Moral der Mächtigen" in ihrer speziellen bayerischen Spezi-Variante, was den Unterhaltungswert noch einmal leicht anhob. Der Fall des Franz Beckenbauer wurde hervorgeholt, der in den siebziger Jahren ein Steuerproblem hatte und von den Behörden vorgewarnt wurde mit der Empfehlung, lieber in die Schweiz zu wechseln. Zwecks Illustrierung des notorischen Amigo-Systems fand auch der über Korruption gestolperte frühere Regierungschef Max Streibl noch einmal Erwähnung. Und Steinbrück wie auch vor allem Prantl mokierten sich über nach wie vor herrschende Defizite beim Steuervollzug im weiß-blauen Freistaat, in dem es auch heute noch eine Verfilzung von Politik, Wirtschaft und Sport gebe.
Das mochte Herr Huber natürlich keinesfalls auf den Seinen sitzen lassen, und deshalb wies er erst mal darauf hin, dass ein bayerischer Steuerfahnder um ein Vielfaches effizienter arbeite als sein NRW-Kollege. Insbesondere und überhaupt aber wollte er eines klargestellt sehen: "Es ist nicht so, dass wir in Bayern keinen Rechtsstaat hätten." Gut, dass das endlich mal so gesagt wurde, man hätte sonst ja wer weiß was denken können.
Am Ende blieb dann nur noch die Frage, wie es denn nun weitergehen soll mit Hoeneß. Während Gottschalk die Clinton-Methode favorisierte, also die vorbehaltlose öffentliche Beichte (was aktuell im schwebenden Verfahren vielleicht nicht der allerklügste Vorschlag ist), riet Prantl dazu, auf jeden Fall das Amt vorläufig ruhen zu lassen. Und im Übrigen sei sogar der Papst zurückgetreten, ohne dass deswegen der Katholizismus untergegangen sei.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik TV | RSS |
| alles zum Thema Uli Hoeneß | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH