TV-Duell Steinbrück vs. Merkel Hier irrt Raab

Es gibt Menschen, die glauben, das TV-Duell zwischen der Kanzlerin und ihrem Herausforderer werde die langweiligste Veranstaltung des Jahres. Sie irren. Langweiliger als Stefan Raab, Maybrit Illner, Anne Will und Peter Kloeppel bei der Präsentation dieses Duells kann es kaum werden.

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Man muss auf Nummer sicher gehen. Damit vor Sonntag auch wirklich überhaupt nichts mehr passieren kann, wird das Studio G in Berlin-Adlershof, in welchem Angela Merkel und Peer Steinbrück sich das einzige TV-Duell des Bundestagswahlkampfes 2013 liefern werden, nicht nur abgesperrt, sondern auch noch versiegelt. Es könnte ja sonst jemand auf die Idee kommen, eine Bombe zu platzieren, oder, schlimmer noch: die Bezüge zu betatschen. Das gilt es unter allen Umständen zu verhindern.

"Bitte nicht die Bespannung berühren", ruft also immer wieder ein Produktionsmensch den Journalistinnen und Journalisten zu, die am Freitag das Studio G in Berlin-Adlershof besichtigen, wo sich Angela Merkel und Peer Steinbrück das einzige TV-Duell des Bundestagswahlkampfes 2013 liefern werden.

Schon klar, diese Information hatten wir schon, aber abgesehen davon gibt es beim besten Willen nicht viel zu berichten. Der Herausforderer und die Kanzlerin sind naturgemäß noch anderweitig beschäftigt, werden am Sonntag erst um etwa 19.15 Uhr beziehungsweise 19.25 Uhr anreisen, wovon dann auch Live-Bilder zur Verfügung stehen werden, also ist da jetzt nur: das leere Studio.

Pinguinfütterung vom Affenfelsen

Ganz leer ist es allerdings doch nicht: In der Mitte haben sich die vier Moderatoren des TV-Duells aufgestellt, auf dass die Angereisten sie betrachten können. Maybrit Illner, Anne Will, Peter Kloeppel und Stefan Raab sehen eigentlich aus wie immer. Sie stehen da und lassen sich fotografieren, die Journalisten blicken aus leicht erhöhter Perspektive auf das Quartett, das in Weiß, Grau und Schwarz gekleidet vor der bläulich-türkisen Kulisse ein wenig so aussieht wie eine Gruppe Pinguine vor der Fütterung. Eine Beobachtung, die ein gewitzter Kollege sogleich in die Moderatorenrunde ruft. Worauf die Moderatorenrunde erwidert, nein, die Journalisten sähen aus wie auf einem Affenfelsen sitzend. Und außerdem sei das Oberteil von Maybrit Illner eigentlich dunkelblau, was man aber nur aus der Nähe erkennen könne.

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TV-Duell 2013: Hier spricht, wer regieren will
Falls Sie sich bis jetzt immer noch nicht aus diesem Text verabschiedet haben sollten, hier mal eine kleine Zwischenwarnung: Es sind keine weiteren Höhepunkte zu erwarten. Damit steht diese Veranstaltung zwar einerseits ganz gut und geradezu symbolhaft für den gesamten Bundestagswahlkampf 2013, aber andererseits, na ja, schön ist das auch nicht.

Das große Finale

Immerhin gibt es anschließend noch eine Pressekonferenz mit den vier Moderatoren, auf der Stefan Raab heldenhaft versucht, doch noch so etwas wie Begeisterung zu wecken. Denn Sinn und Zweck dieser Veranstaltung sei es doch, Menschen zu erreichen, die sich nur wenig bis gar nicht für Politik interessieren. Jeder müsse wissen: Das ist das einzige Duell! Das ist das große Finale! Das muss man sehen! Und deshalb, so Raab, sei es doch sehr sinnvoll, einen "Roadblock" zu errichten, das Duell also auf vier Sendern gleichzeitig auszustrahlen, auf dass man gar nicht anders könne, es anzuschauen. Beziehungsweise ansonsten, wie Raab anmerkt, "wohl oder übel Sat.1". Dort dann im Programm: zwei Folgen von "Navy CIS".

Hier irrt Raab allerdings, hat man doch bei den sogenannten Vollprogrammen zusätzlich noch die Wahl zwischen "Promi Queen Shopping" (Vox), "Bruce allmächtig" (KabelEins) sowie "V wie Vendetta" (RTL2), was ja, jedes für sich, ebenfalls politische Sendungen sind, in gewisser Weise. Diesmal wird also neben ARD, ZDF und RTL nicht Sat.1, sondern ProSieben das Duell zeigen, was naheliegt, erstens wegen der vielen dort zusehenden jungen Menschen, und zweitens wegen Stefan Raab, der ja auch das gesamte restliche Programm dieses Senders befüllt.

Einen Vorgeschmack auf die am Sonntag zu erwartende Debatte lieferten die Moderatorinnen und Moderatoren dann auch noch. Ob sie sich denn selbst eventuell vom Duell in ihrer Wahlentscheidung beeinflussen lassen würden, will ein Kollege wissen, worauf Maybrit Illner darüber referiert, dass der eine oder andere Zuschauer gewiss seine Entscheidung ändern oder verfestigen werde, und dass das Duell ein Höhepunkt dieses Wahlkampfes sein werde, und wenn es sogar der Höhepunkt dieses Wahlkampfes werde, dann sage das natürlich auch etwas über den Wahlkampf, den wir erlebt haben, des Jahres 2013, aber natürlich sei es so, dass die Menschen mit einer entsprechenden Spannung und einer entsprechenden Aufmerksamkeit verfolgen würden, wer wie in diesem Duell abschneidet, was aber nicht bedeute, dass der Punktsieger des Duells dann auch die Wahl gewinne, aber dennoch sei das Duell im Wahlkampf selbst natürlich ein "zentraler Höhepunkt".

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Streitgespräch im TV: Steinbrück fordert Merkel zum Duell
Worauf Peter Kloeppel das Mikrofon ergreift und auf 2002, 2005 und 2009 verweist, er war da ja auch schon dabei, wo man festgestellt habe, dass sich die Meinungsumfragen nach den damaligen Duellen nicht dramatisch verändert hätten, allerdings habe 2005 doch noch ein Umschwung stattgefunden, wobei er aber nicht so großspurig sein wolle und sagen, dass Gerhard Schröder und die SPD wegen des Duells noch mal aufgeholt hätten, aber bestimmt sei das Duell auch ein Teil dieser Aufholjagd gewesen.

"Darf ich meine Frage noch mal kurz wiederholen?", fragt der Kollege, der doch eigentlich nur wissen wollte, ob Illner, Kloeppel, Raab und Will ihre eigene Entscheidung auch vom Ausgang des Duells abhängig machen würden? "Nein", antwortet endlich Kloeppel. "Nein", antwortet auch Illner. "Nein", antwortet ebenfalls Anne Will. Allein Stefan Raab behauptet, er sei offen für Angebote und keiner, der sich festlegt, jedenfalls nicht in dieser Frage, jedenfalls nicht bis Sonntagabend. Aber das sagt er wahrscheinlich auch nur wegen der vielen unpolitischen Menschen, die er erreichen will. Man möchte ihm viel Glück dabei wünschen. Er wird es brauchen.

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insgesamt 107 Beiträge
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gonger 30.08.2013
1. Stefan Raab
Man muss Stefan Raab mögen oder nicht aber er ist einer der innovativsten deutschen TV-Macher und hat ein Gespür für junge Leute mit Talent, d.h., er gibt denen eine Chance. Seine Rüpelzeiten liegen längst hinter ihm. Es ist interessant wie die Systempresse auch aus anderen Medien soviel Angst vor einem Querdenker hat. Die Afd grüsst... Stefan Raab wäre nicht er selber wenn er sich nichts einfallen lassen würde für die Sendung.
ShieTar 30.08.2013
2. Langweilig?
Ob die Veranstaltung nun langweilig wird oder nicht, viel wichtiger ist doch eigentlich die Frage ob hier nicht die Medien das deutsche Wahlrecht sabotieren. Immerhin wird durch die Präsentation von nur zwei Kandidaten angetäuscht es gäbe eigentlich eine Mehrheitswahl wie in den Vereinigten Staaten. In der Realität werden aber wohl 30% bis 40% aller Wähler ihre Stimme für Kandidaten abgeben, die in dieser Show garnicht vertretten sind.
Hank Hill 30.08.2013
3. Stefan Raab
ist ein erfolgreicher Fernsehunternehmer. So weit, so gut. Was der in einer politischen Diskussion zu suchen hat ist mir schleierhaft und ein Grund mir das Ganze nicht anzutun. Kloeppel und Co. sind ernsthafte Journalisten, warum man den Raab nimmt verstehe ich nicht. Die oeffentlich rechtlichen biedern sich immer mehr dem privaten Quatsch an.
falb3 30.08.2013
4. Ok
Na gut, aber ich gucke gerne Navy CIS und Bruce allmächtig ist auch kein schlechter Film :). Aber auch das TV-Duell muss sich den breitschichtigen Marketingmodellen der privaten Sender beugen, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Von daher finde ich das verständlich. Schwarzseherei und ein sehr voreingenommener Artikel.
bellybatton 30.08.2013
5. Genau..
getroffen, meinen genervten Nerv!! Herrlich zu lesen in diesem sachlich-naiven "Sendung mit der Maus" Ton! Danke!
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