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Im Giftschrank: WDR hält Wallraff-Film unter Verschluss

1977 arbeitete Günter Wallraff undercover bei der "Bild"-Zeitung und schrieb danach den Bestseller "Der Aufmacher". Von seiner Recherche als "Hans Esser" lagern beim WDR Aufnahmen - doch diese Szenen fehlen in einem Porträtfilm. Wallraff wirft dem Sender grundlose "Selbstzensur" vor.

Günter Wallraff (1980 bei Anti-"Bild"-Kampagne): "Welches Problem hat der WDR?" Zur Großansicht
AP

Günter Wallraff (1980 bei Anti-"Bild"-Kampagne): "Welches Problem hat der WDR?"

Mehr als 30 Jahre ist das Material alt, beim WDR lagert es immer noch im Giftschrank: Aufnahmen aus dem Film "Informationen aus dem Hinterland", die Undercover-Journalist Günter Wallraff in seiner Rolle als Hans Esser bei "Bild" zeigen. Für ein Porträt in der Reihe "NRWs Beste" über den heute 67-Jährigen waren Filmausschnitte verwendet worden.

Kurz vor Ausstrahlung mussten nach SPIEGEL-Informationen jedoch Szenen, die Wallraff bei "Bild" zeigen, herausgeschnitten werden. Angeblich sei die Verwendung juristisch heikel. "Ein klarer Fall von Selbstzensur", kritisiert Wallraff. Zudem offenbar ohne Grund: Der von Wallraff angeschriebene Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner versicherte schriftlich, dass "seitens der Axel Springer AG gegen den Film nie juristische Schritte unternommen oder auch nur angekündigt worden" seien. Im Gegenteil sei er "ein historisches Dokument".

Wallraff: "Wenn schon der Springer-Verlag, der über Jahre gegen mein Buch 'Der Aufmacher' prozessierte, kein Problem mit dem Film hat - welches hat dann der WDR?" Der WDR war zu einer Stellungnahme nicht bereit.

jol

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
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1. Kölnarchiv?
schweineigel 24.07.2010
Vielleicht sind die ja auch beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs verschollen -- wäre jedenfalls 'ne gute Gelegenheit :-) (So viel ich weiß, lagerten dort viele Wallraf-Unterlagen)
2. Es ist gut...
puter70 24.07.2010
dass es Wallraff gibt! Dieser mutige Undercover-Aufklärer hat sich um die Aufdeckung von Skandalen/Missständen verdient gemacht, kämpft für Gerechtigkeit/Wahrheit und setzt sich für die Rechte armer, ausgebeuteter, rechtloser Menschen ein. Alle seine sorgfältig recherchierten Film-,Buchdokumente müssen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, deshalb ist die Haltung des WDR nicht zu akzeptieren. Bundespräsident Wulff, der Trainer Löw mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnen will, sollte diese Auszeichnung möglichst bald Wallraff zukommen lassen, der sich schon lange dafür qualifiziert hat!
3. GIFTSCHRANK quillt langsam über
mischaman 25.07.2010
Na, das wird nicht der einzige Film sein, der im Panzerschrank der ARD gehortet wird. Wer kann sich noch an die großartige, mit Pressekonferenz angekündigte Doku-Reportage erinnern, in der - mit brisanten Informanten und geheimgehaltenen Dokumenten - über den 11.Nov., die Alles, aber auch wirklich ALLES erklären und aufdecken sollten - aber dann niemals zur Ausstrahlung kam, und, und ....so weiter. Zum Glück gibt es das net.! Geheimhaltung, Vertuschung, lächerlich machen (UFO, etc) oder schlicht frei erfundene Storis wird man dort weniger finden. Doch sollte man besser nie nie sagen!
4. Ne wäre zu einfach....
w.r.weiß 25.07.2010
Zitat von schweineigelVielleicht sind die ja auch beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs verschollen -- wäre jedenfalls 'ne gute Gelegenheit :-) (So viel ich weiß, lagerten dort viele Wallraf-Unterlagen)
...der WDR unterhält schon ein eigenes Archiv, und das steht noch! ;-) Ich tippe mal, die juristische Abteilung des WDR warnt vor den Kosten eines Rechtsstreit mit dem "Mutti-Nachrichtenkonzern" Springer!!!! ;-)
5. Hut ab!
lisa simpson 25.07.2010
"seitens der Axel Springer AG gegen den Film nie juristische Schritte unternommen oder auch nur angekündigt worden." Das nenne ich Mut im Sinne der Meinungsfreiheit Man kann über die Springerpresse geteilter Meinung sein. Die einen sagen, sie ist schlecht, die anderen, sie ist böse. Aber das ehrt sie dann doch. Ich hätte lieber mehr Feinde wie diese, als Freunde wie Ministerin Özkan.
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