Von Stefan Kuzmany
Vielleicht ist das ja die letzte Runde. Vielleicht ist es ja bald genug. Seit vielen, vielen Jahren debattiert dieses Land jetzt darüber, dass versäumt wurde, die aus der Türkei eingewanderten Menschen vernünftig zu integrieren. Darüber, was es für unseren Staat bedeutet, wenn Frauen, gezwungen oder freiwillig, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen. Ob in Moscheen auf Deutsch gepredigt werden sollte. Ob der Islam an deutschen Schulen unterrichtet werden darf und von wem.
Die Debatte in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren so oft hoch- und wieder heruntergekocht, dass mittlerweile die meiste Flüssigkeit daraus verdampft ist. Übrig bleibt die Essenz, und diese Essenz ist eine simple Tatsache, eine Beschreibung der Realität in diesem Land. Der Bundespräsident hat sie am 3. Oktober ausgesprochen: "Der Islam gehört zu Deutschland."
Vielleicht wird sich diese höchstamtliche Erkenntnis irgendwann auch allgemein durchsetzen. Vielleicht wird es irgendwann nicht mehr nötig sein, darüber zu reden, ob Muslime Teil unserer Gesellschaft sind. Vielleicht kann man, nachdem diese selbstverständliche Voraussetzung geklärt ist, irgendwann anfangen, endlich sinnvoll darüber zu diskutieren, wie wir - Christen, Juden, Muslime, Säkulare und Religiöse - in diesem Land miteinander umgehen wollen. Vielleicht. Aber vorher muss das Thema noch einmal durch die große Erregungsmaschine. Alles noch mal auf Anfang. Und jeder darf noch mal ran. Diesmal bei Sandra Maischberger.
Die üblichen Verdächtigen
In dieser Logik war es ganz richtig, für die Sendung die wulffsche Feststellung wieder in eine offene Frage umzuformulieren: "Gehört der Islam zu Deutschland?" wollte Maischberger wissen. Und alle waren sie noch mal da, die dazu eh schon alles gesagt haben:
Maischberger tut überrascht
Interessant waren denn auch allenfalls die Allianzen und Gräben, die sich im Laufe der Sendung herausbildeten: Da waren sich Feministin Schwarzer und die bekennende Muslima Yilmaz einig darüber, dass Frauen nicht auf ihren Körper reduziert werden sollen. Da stimmte CSU-Mann Herrmann mehrmals heftig dem SPD-Politiker Buschkowsky zu, wenn der mahnte, die deutsche Gesellschaft weiche vor den Islamisten zurück. Der Grüne Ströbele lobte ausdrücklich den Bundespräsidenten von der CDU für dessen klare Worte, berichtete davon, dass er junge Deutsch-Türken zum Singen der deutschen Nationalhymne aufgefordert habe - und musste sich später von Balci, Schwarzer und Herrmann dafür ausschimpfen lassen, dass er viel zu lange die Augen verschlossen habe vor den Integrationsproblemen. Ströbele schüttelte nur stumm den Kopf.
Es war nicht leicht für Sandra Maischberger, so zu tun, als sei sie elektrisiert von den Argumenten ihrer Gäste. Als Schwarzer anprangerte, dass Geld aus Saudi-Arabien an Familien fließe, die dafür ihre Töchter zwingen sollen, das Kopftuch zu tragen, fragte sie ganz überrascht nach - als sei dieser Vorwurf nicht schon seit Jahren bekannt. Und wie um zu dokumentieren, dass die Debatte nicht vorankommt, spielte Maischberger einen Ausschnitt ein, in dem der CDU-Mann Friedrich Merz forsch fordert, dass hier lebende Menschen die Sprache lernen müssen! Und sich integrieren!
Gehört der Islam zu Deutschland? So viel ist jedenfalls sicher: Wer die Positionen der Maischberger-Gäste noch nicht kannte, der war offensichtlich seit zehn Jahren nicht mehr in Deutschland.
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