Integrationstalk bei Maischberger: Tausendmal debattiert, tausendmal nix passiert

Von

Alles schon gehört - trotzdem tat Sandra Maischberger ganz überrascht: Mit Alice Schwarzer, Heinz Buschkowsky und Co. suchte die Moderatorin nach neuen Ansätzen in der Debatte über Integration und Islam. Das misslang gründlich.

Alice Schwarzer bei Maischberger: Gefangen in der Talk-Dauerschleife Zur Großansicht
WDR

Alice Schwarzer bei Maischberger: Gefangen in der Talk-Dauerschleife

Vielleicht ist das ja die letzte Runde. Vielleicht ist es ja bald genug. Seit vielen, vielen Jahren debattiert dieses Land jetzt darüber, dass versäumt wurde, die aus der Türkei eingewanderten Menschen vernünftig zu integrieren. Darüber, was es für unseren Staat bedeutet, wenn Frauen, gezwungen oder freiwillig, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen. Ob in Moscheen auf Deutsch gepredigt werden sollte. Ob der Islam an deutschen Schulen unterrichtet werden darf und von wem.

Die Debatte in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren so oft hoch- und wieder heruntergekocht, dass mittlerweile die meiste Flüssigkeit daraus verdampft ist. Übrig bleibt die Essenz, und diese Essenz ist eine simple Tatsache, eine Beschreibung der Realität in diesem Land. Der Bundespräsident hat sie am 3. Oktober ausgesprochen: "Der Islam gehört zu Deutschland."

Vielleicht wird sich diese höchstamtliche Erkenntnis irgendwann auch allgemein durchsetzen. Vielleicht wird es irgendwann nicht mehr nötig sein, darüber zu reden, ob Muslime Teil unserer Gesellschaft sind. Vielleicht kann man, nachdem diese selbstverständliche Voraussetzung geklärt ist, irgendwann anfangen, endlich sinnvoll darüber zu diskutieren, wie wir - Christen, Juden, Muslime, Säkulare und Religiöse - in diesem Land miteinander umgehen wollen. Vielleicht. Aber vorher muss das Thema noch einmal durch die große Erregungsmaschine. Alles noch mal auf Anfang. Und jeder darf noch mal ran. Diesmal bei Sandra Maischberger.

Die üblichen Verdächtigen

In dieser Logik war es ganz richtig, für die Sendung die wulffsche Feststellung wieder in eine offene Frage umzuformulieren: "Gehört der Islam zu Deutschland?" wollte Maischberger wissen. Und alle waren sie noch mal da, die dazu eh schon alles gesagt haben:

  • Heinz Buschkowsky, der Bezirksbürgermeister aus Berlin-Neukölln. Der SPD-Mann galt einmal als Geheimtipp in Sachen verfehlter Integrationspolitik, als einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt, der unbequeme Wahrheiten ausspricht. Man konnte einmal über ihn lesen, dass er oft heimlichen Besuch von Spitzenpolitikern bekommt, die sich von ihm aufklären lassen wollen über die schlimmen Zustände an Berliner Schulen. Das muss lange her sein.

    Heute muss ihn niemand mehr besuchen, um ihn sprechen zu hören. Er kommt selbst. Es ist praktisch unmöglich geworden, abends das TV-Gerät einzuschalten, ohne Buschkowsky darin sitzen zu sehen. Und so sagt er wieder, was er schon so oft gesagt hat: dass die Integration der islamischen Migranten viel zu lange vernachlässigt wurde. Und dass Multikulti keine "bunte Rutschbahn ins Glück" sei.
  • Alice Schwarzer, die Ikone des deutschen Feminismus, hält das Kopftuch, wer hätte das gedacht, auch nach zehn Jahren Kopftuchstreit für "die Flagge des Islamismus" und hat praktischerweise gerade ein Buch zum Thema am Start, in welchem vermutlich dasselbe steht.
  • Joachim Herrmann, der bayerische Innenminister von der CSU, sieht, auch das kein Wunder, keinerlei Anlass, den Islam in unsere Werteordnung zu integrieren und mag sich im Übrigen "nicht gefallen lassen", dass die türkische Regierung die hier lebenden Türken dazu anhalte, nach dem Islam zu leben.
  • Hans-Christian Ströbele von den Grünen hingegen fordert, wie bereits seit Jahren schon, die Einführung eines islamischen Feiertages in Deutschland. Er verlangt nicht viel von den hier lebenden Zuwanderern - aber dies: dass sie sich an die Gesetze halten.
  • Vergleichsweise unverbraucht wirkten dagegen zunächst Güner Yasemin Balci und Zehra Yilmaz. Balci ist Autorin und Filmemacherin. Sie war geladen als die junge, säkulare Frau mit Migrationshintergrund und großer Islam-Skepsis, gegen das Kopftuch, für Selbstbestimmung. Yilmaz ist ihr Gegenmodell: ebenfalls jung, ebenfalls Migrationshintergrund, ebenfalls sprachlich gewandt, aber religiös, mit Kopftuch, das sie wiederum als Ausdruck ihrer Selbstbestimmung sieht. Die Gesichter sind neu. Das, was sie sagen, nicht.

Maischberger tut überrascht

Interessant waren denn auch allenfalls die Allianzen und Gräben, die sich im Laufe der Sendung herausbildeten: Da waren sich Feministin Schwarzer und die bekennende Muslima Yilmaz einig darüber, dass Frauen nicht auf ihren Körper reduziert werden sollen. Da stimmte CSU-Mann Herrmann mehrmals heftig dem SPD-Politiker Buschkowsky zu, wenn der mahnte, die deutsche Gesellschaft weiche vor den Islamisten zurück. Der Grüne Ströbele lobte ausdrücklich den Bundespräsidenten von der CDU für dessen klare Worte, berichtete davon, dass er junge Deutsch-Türken zum Singen der deutschen Nationalhymne aufgefordert habe - und musste sich später von Balci, Schwarzer und Herrmann dafür ausschimpfen lassen, dass er viel zu lange die Augen verschlossen habe vor den Integrationsproblemen. Ströbele schüttelte nur stumm den Kopf.

Es war nicht leicht für Sandra Maischberger, so zu tun, als sei sie elektrisiert von den Argumenten ihrer Gäste. Als Schwarzer anprangerte, dass Geld aus Saudi-Arabien an Familien fließe, die dafür ihre Töchter zwingen sollen, das Kopftuch zu tragen, fragte sie ganz überrascht nach - als sei dieser Vorwurf nicht schon seit Jahren bekannt. Und wie um zu dokumentieren, dass die Debatte nicht vorankommt, spielte Maischberger einen Ausschnitt ein, in dem der CDU-Mann Friedrich Merz forsch fordert, dass hier lebende Menschen die Sprache lernen müssen! Und sich integrieren!

Gehört der Islam zu Deutschland? So viel ist jedenfalls sicher: Wer die Positionen der Maischberger-Gäste noch nicht kannte, der war offensichtlich seit zehn Jahren nicht mehr in Deutschland.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 137 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Es geht nicht um integration.
suchender23 13.10.2010
Den DEUTSCHEN geht es doch gar nich um die integreation. die JUDEN waren 1933 sehr gut integriert. was dann am ende passiert ist wissen wir ja. Hört endlich mit dem heuchlerischen gerede auf..
2. Ein Anfang ist gemacht
arkor 13.10.2010
Zitat von sysopAlles schon gehört, zig mal diskutiert - trotzdem tat Sandra Maischberger ganz überrascht: Mit Alice Schwarzer, Heinz Buschkowsky und Co. suchte die Moderatorin nach neuen Ansätzen in der Debatte über Integration und Islam. Das misslang gründlich. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,722831,00.html
Ein Anfang ist gemacht.Und die Diskussion wird intensiver und schärfer. Die Menschen machen sich wieder Gedanken um die Werte Europas, und was zu diesen Werten führte. Die Menschen machen sich wieder Gedanken um das Grundgesetz, und was für ein wertvolles Erbe wir mit dem Gedankengut, dass darin verankert ist, als wertvolles Geburtsgeschenk mitbekamen und die Verpflichtung dies für unsere Nachkommen zu bewahren und dafür einzustehen. Die Menschen machen sich Gedanken, was der Islam eigentlich wirklich ist, und ob er mit seiner Forderung der Ausrottung aller Andersgläubiger in seiner Totalität mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Sie machen sich Gedanken ob der Islam überhaupt eine Religion ist, mit der vorher genannnten Forderung, und mit der Forderung einen Gottesstaat als seine Erfüllung zu errichten oder schlicht eine totalitäre Ideologie unter dem Deckmantel einer Religion. Die Menschen sehen langsam die Wahrheit hinter diesem Islam, der ja übersetzt Unterwerfung heisst, die Wahrheit, dass er überall da wo er in der Mehrheit ist, mit maximaler Intoleranz auftritt, mit Menschenverachtung, mit einem mittelalterlichen Rechtswesen, der Scharia, das an Wiederlichkeit kaum zu überbieten ist, aber da wo er NOCH in der Minderheit ist, absolute Toleranz seiner immannenten Intoleranz gegenüber fordert. Natürlich sind die Muslime nicht alle radikal. Aber der Islam ist radikal. Und es gibt keinen gemässigten Islam, da es keine gemässigte Totlität gibt. Der gemässigte Moslem ist nichts anderes, als jemand der auf sein jedem Menschen innewohnendes inneres Gewissen hört, das ihm sagt, dass der Islam ein menschenverachtendes Gedankengut ist. Aber trotz allem führte dies alles noch nicht zu der von kritischen Menschen zu erwartenden Kritik dieser totalitären Ideologie, und damit birgt jeder Moslem, der sich nicht kritisch mit den menschenverachtenden Thesen des Islam auseinandersetz, eine innewohnende Zeitbombe. ZU DEM ZEITPUNKT, ALS DER ISLAM EINEN FUSS HEREIN NACH EUROPA GESETZT HAT, hat er SICH ZUM GEGENSTAND DER AUFKLÄRUNG GEMACHT. UND DAS IST DIE AUFGABE, DIE JEDER EUROPÄER HAT, ALS BRINGSCHULD FÜR DAS GESCHENK EINER FREIHEITLICHEN ORDNUNG. Zu einer totalitären Ideologie kann man nur zwei Haltungen haben: Man ist dafür, oder dagegen... Also Gruss an die erwachte Frau Schwarzer, und Maischberger.. es wurde Zeit...
3. Tja...
Dumme Fragen 13.10.2010
Was hätte denn passieren sollen? Bessere Schulen gibt es nicht über Nacht...
4. Ja ne,is klar.
shokaku 13.10.2010
Zitat von sysopVielleicht ist es ja bald genug. Seit vielen, vielen Jahren debattiert dieses Land jetzt darüber, dass versäumt wurde, die aus der Türkei eingewanderten Menschen vernünftig zu integrieren.
Ach, die Aufführung des Zirkus Sarrazin, der diese Debatte erst ermöglichte, ist jetzt schon viele, viele Jahre her? Ist das jetzt die neue gutmenschliche Stossrichtung, dieses Thema endlich wieder unter den Teppich zu kehren? "Maul halten, es ist schon alles gesagt"
5. Mal eine andere Frage
H. Hipper 13.10.2010
Ich finde die Frage, wie es Sandra Maischberger überhaupt gelingt ihre Talkshow immer noch im Programm zu halten, viel interessanter. Dieses permanente Durcheinandergebrülle und die chaotische Gesprächsführung sind regelmäßig jenseits der Grenze des Ertragbaren.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik TV
RSS
alles zum Thema Televisionen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 137 Kommentare
  • Zur Startseite


Das sagen die Parteien zum Thema Integration
Hehre Ziele, schwammige Konzepte: Beim Thema Integration haben die Parteien ehrgeizige Pläne, doch Ideen zur Umsetzung sind rar. SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick über die verschiedenen Positionen.
CDU: Zuwanderung nur in Maßen
"Deutschland ist ein Integrationsland", hält die CDU in ihrem Grundsatzprogramm fest. Darin sprechen die Christdemokraten von einem "fortschreitenden positiven Prozess in der Verantwortung der Migranten, der Politik und der gesamten Gesellschaft".

Im Integrationskonzept der Partei heißt es: "Integration bedeutet nicht, dass alle gleich werden, sondern dass alle gleiche Chancen auf Bildung und Wohlstand besitzen." Der Grundsatz laute "Fördern und Fordern". Zuwanderung müsse gesteuert und begrenzt werden. Zudem fordert die CDU von Migranten gute Deutschkenntnisse ein und will dies mit Integrationskursen und dem Ausbau von Ganztagesschulen erreichen.

Bei zwei Themen zeigen sich die Christdemokraten strikt: Ein generelles kommunales Wahlrecht für Ausländer lehnt die Partei ab. Auch die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft will sie nicht generell zulassen: "Die Einbürgerung ist das Bekenntnis zu Deutschland. Wer Rechte beansprucht, muss auch Pflichten erfüllen."
CSU: Integrationsfähigkeit hat Grenzen
Die CSU will beim Thema Integration eigene Akzente setzen und pocht auf die Anstrengung der Migranten: "Die CSU steht dafür, die Integrationsverpflichtung der Zuwanderer klar auszusprechen und einzufordern", heißt es.

Die Partei sieht die Bundesrepublik keinesfalls generell als Zuwanderungsland. "Die Integrationsfähigkeit unseres Volkes hat Grenzen", schreibt die Partei. "Unser Land muss für Spitzenkräfte zugänglich sein. Wir wollen aber keine Zuwanderung, die unsere Sozialsysteme einseitig belastet."
SPD: Integration betrifft nicht nur Migranten
"Es geht um die Schaffung einer Kultur der Anerkennung", schreiben die Sozialdemokraten in der Einführung zur "Zukunftswerkstatt Integration". "Integration heißt für uns, dass Menschen in unserem Land unabhängig von ihrer Herkunft am Haben und Sagen teilhaben können."

Die Sozialdemokraten fordern, das Thema nicht ausschließlich auf Menschen mit Migrationshintergrund zu beschränken. "Integration ist in erster Linie eine soziale Frage." Konkret will die Partei kostenfreie Bildungs- und Betreuungsangebote: "Wir wollen Aufstieg fördern und dort, wo er aufgrund von Herkunft nicht entwickelt ist, den Aufstiegswillen wecken", kündigt die SPD an. "Bildung, Sprache, Qualifizierung, Arbeit und kulturelle Anknüpfungspunkte sind dabei die entscheidenden Stellschrauben."

Beim Thema Integration sieht die SPD noch viel Diskussionsbedarf, den sie in ihrer "Zukunftswerkstatt" kanalisieren will. Das hehre Ziel der SPD: "Langfristig geht es uns um nicht weniger als eine grundsätzliche Veränderung des gesellschaftlichen Klimas."
Grüne: Besonderes Augenmerk auf Frauen
Für die Grünen steht fest, dass Deutschland ein "Einwanderungsland" ist. "Förderung des Spracherwerbs und Zugang zum Arbeitsmarkt sind Schlüsselaufgaben der Integrationspolitik", erklärt die Partei auf ihren Internetseiten. Sie will ein besonderes Augenmerk auf Migrantinnen legen, denn diese Frauen sind nach Ansicht der Grünen "Hauptträgerinnen des Integrationsprozesses".

Die Grünen fordern das kommunale Wahlrecht für Zugewanderte und die doppelte Staatsbürgerschaft. Zudem verlangen sie eine großzügige Bleiberechtsregelung. "Kettenduldungen", also die immer wieder verlängerte Aussetzung der Abschiebung, sollen der Vergangenheit angehören.
FDP: Gezielt Fachkräfte ins Land holen
Auch die Liberalen sehen die Bundesrepublik als Einwanderungsland. "Menschen unterschiedlicher Herkunft sind fester Bestandteil einer zukunftsweisenden liberalen Gesellschaft und unserer kulturellen Vielfalt", heißt es. Ziel der FDP sei es, Menschen mit Migrationshintergrund gleiche Bildungs- und Berufschancen in Deutschland zu verschaffen, schreibt die Partei. Sie greift in einem Positionspapier zur Integrationspolitik zum selben Slogan wie die CDU: "Fordern und fördern." Es müsse verdeutlicht werden, "dass der Aufenthalt im Zuwanderungsland nicht nur mit Rechten, sondern auch mit Pflichten verbunden ist".

Auch Selbstkritik ist in ihrem achtseitigen Papier aus dem Jahr 2007 enthalten: "Lange Jahre hat die Politik - auch die FDP - geglaubt, Integration geschehe von allein. Dies hat sich als Irrglaube erwiesen. Auch der deutsche Pass ist keine Gewähr für Integration."

Konkret schlagen die Liberalen eine gezielte Sprachförderung ab dem Kindergarten vor, aber auch für Erwachsene. Anders als der Koalitionspartner CDU spricht sich die FDP für ein kommunales Wahlrecht aus. Mit einem Punktesystem will die Partei gezielt Fachkräfte ins Land holen.
Linke: Lohndumping bei Migranten stoppen
Die Linkspartei fasst ihre Ziele weit: "Deutschland braucht eine offene Migrations- und Integrationspolitik, die auf Ausgrenzung verzichtet und die Rechte und soziale Lage von Migrantinnen und Migranten verbessern will."

Für die Linke gibt es "keine deutsche Leitkultur, sondern Grund- und Menschenrechte, die alle binden".

Die Partei sieht Migranten vor allem auf dem Arbeitsmarkt durch Lohn- und Sozialdumping benachteiligt und fordert dagegen gesetzliche Regelungen. Als konkrete Integrationsmaßnahme fordert die Partei für alle dauerhaft in Deutschland Lebenden ein Wahlrecht über die kommunale Ebene hinaus.

"Jeder, der in der Bundesrepublik geboren wird und dessen Eltern hier leben, soll die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten", heißt es weiter. Einbürgerungen sollen nach Ansicht der Linkspartei erheblich erleichtert und mehrfache Staatsbürgerschaft ermöglicht werden. Migranten sollten in Schule, Ausbildung und Beruf besonders unterstützt werden, meint die Linke.

Das neue Integrationsprogramm
Fast 200 Seiten stark ist das Integrationsprogramm des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Darin haben Experten die bestehenden Integrationsmaßnahmen zusammengefasst und Empfehlungen für die Weiterentwicklung gegeben. Ein Überblick:
Deutschkenntnisse
dpa
Der Bericht betont die Rolle von Deutschkenntnissen für die Integration. Die Angebote zur sprachlichen Bildung in Kindertageseinrichtungen und Schulen müssten eng aufeinander abgestimmt sein - auch zwischen den verschiedenen Bundesländern. Empfohlen werden gemeinsame Angebote zum Deutschlernen für Eltern und ihre Kinder.
Integrationskurse
dpa
Der Bericht empfiehlt, die Integrationskurse mehr zu nutzen, um die Teilnehmer für den Arbeitsmarkt fit zu machen. So sollten Migranten stärker auf berufsbezogene Deutschkurse im Anschluss an den Integrationskurs hingewiesen werden. Zudem müsse darauf geachtet werden, dass nicht zu viel Zeit vom Abschluss des Integrationskurses bis zu einem Eintritt in den Beruf vergehe.
Lehrer mit Migrationshintergrund
DPA
Die Experten plädieren dafür, mehr Lehrer mit ausländischen Wurzeln zu gewinnen. Sie seien an deutschen Schulen immer noch die Ausnahme. Sie könnten Kenntnisse in Herkunftssprachen und Einblicke in andere Traditionen und Kulturen in den Unterricht einbringen. Damit die Aufnahme eines Studiums - auch auf Lehramt - nicht am Geld scheitert, werden Stipendienprogramme angesprochen.
Verbände
AP
Sie sollten sich stärker für junge Migranten öffnen, rät der Bericht. Angeregt wird eine stärkere Zusammenarbeit mit Schulen und Migrantenorganisationen. Menschen mit Migrationshintergrund könnten dabei eine Art "Brückenfunktion" wahrnehmen, um junge Leute für die Verbandsarbeit zu gewinnen.