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Initiatorin der Anti-Lanz-Petition: "Jetzt sieht Herr Lanz mal, wie das ist"

Ein Interview von

Initiatorin der Lanz-Petition Maren Müller: "Hochnotpeinliches Verhör" Zur Großansicht

Initiatorin der Lanz-Petition Maren Müller: "Hochnotpeinliches Verhör"

Das ZDF soll Markus Lanz wegen eines umstrittenen Interviews mit Sahra Wagenknecht feuern - das fordert eine Petition, die mehr als 130.000 Menschen unterstützen. Maren Müller hat sich den Aufruf ausgedacht. Was missfällt ihr am Moderator? Und hat sie kein Mitleid, wenn er nun am Pranger steht?

Zur Person
Maren Müller, 54, ist Betriebswirtin und wohnt in Leipzig. Früher war sie Stadträtin für die SPD, trat aber nach eigenen Angaben wegen der Agenda-Politik aus der Partei aus. Von 2007 bis 2013 war sie Die Linke-Mitglied. Ihre Online-Petition "Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr!" haben bislang mehr als 130.000 Menschen unterzeichnet, sie soll noch bis Mitte März laufen.
SPIEGEL ONLINE: Frau Müller, Sie sind eine Linke. In der Online-Petition, in der Sie das ZDF dazu auffordern, sich von Markus Lanz zu trennen, werfen Sie ihm pauschal vor, linke Politiker besonders hart anzufassen. Spannen Sie jetzt die Wut der Zuschauer einfach vor Ihren politischen Karren?

Maren Müller: Bei der Linken bin ich schon im September letzten Jahres ausgetreten, wenn Sie darauf anspielen. Mein Weltbild hat sich natürlich nicht geändert. Das hat mit dieser Sache aber nichts zu tun. Ich bin ja keine Extremistin, sondern verorte mich im libertären Spektrum. Und die Petition, die das ZDF dazu aufruft, sich von Lanz zu trennen, ist kein politisches Statement. Mir ging es ums Prinzip.

SPIEGEL ONLINE: Um welches?

Müller: Markus Lanz darf sich als Moderator der Öffentlich-Rechtlichen einfach nicht so verhalten. Er hat Sahra Wagenknecht in seiner Sendung 30 Minuten lang einem hochnotpeinlichen Verhör ausgesetzt, hat sie nicht ausreden lassen und sinnlos nachgehakt. Da windet man sich als Zuschauer. Mit der Partei hat das vielleicht nicht unbedingt etwas zu tun, das macht er auch bei Politikern, die nicht der Linken angehören.

SPIEGEL ONLINE: Und dennoch Sie sind erst aktiv geworden, nachdem Sahra Wagenknecht jetzt bei ihm zu Gast war.

Müller: Stimmt. Weil diese Ausgabe das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Danach war ich so aufgebracht, dass ich nicht schlafen konnte. Also habe ich meinen Rechner hochgefahren und die Petition da reingehackt. Ich wusste nicht, wie ich diesen Frust anders hätte abbauen können.

SPIEGEL ONLINE: Wäre Ihr Frust denn auch so groß gewesen, wenn Markus Lanz einen rechten Politiker wie etwa Horst Seehofer so interviewt hätte?

Müller: Die Frage stellt sich nicht, weil er es nicht macht. Wobei ich das gerne sehen würde, wenigstens eine kritische Frage.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Lanz als Linken-Fresser bekannt ist, warum geht Sahra Wagenknecht dann in seine Sendung?

Müller: Sie ist offensichtlich schmerzfrei. Sicher ist sie dann auch selber schuld, sie geht ja freiwillig hin. Aber die Sendung zu boykottieren, weil der Moderator sich schlecht verhält, ist die falsche Schlussfolgerung. Warum darf er unverschämt zu seinen Gästen sein? Warum behandelt er sie nicht wie vollwertige Menschen?

SPIEGEL ONLINE: Aber es gehört doch wohl zu den Aufgaben eines Talk-Moderators, kritisch nachzufragen.

Müller: Er ist Moderator und kein Meinungsführer - und hat als solcher bei einem öffentlich-rechtlichen Sender nichts zu suchen. Günther Jauch zum Beispiel ist anders, der geht mit seinen Gästen nicht so um.

SPIEGEL ONLINE: Jauch wird mindestens ebenso häufig kritisiert wie Lanz, weil er überhaupt nicht nachhakt.

Müller: Ein Moderator muss nachhaken. Aber dafür muss er erst mal eine Stellungnahme zulassen. Ich kann ja nicht nachfassen, bevor der Gast überhaupt einen Satz zu Ende gesprochen hat. Die Zuschauer wollen hören, was die Gäste zu sagen haben, nicht nur das Nachgefrage von Herrn Lanz. Schließlich zahlen sie auch die Gebühren, mit denen Herr Lanz bezahlt wird.

SPIEGEL ONLINE: Würde ein Rauswurf von Markus Lanz den Gebührenzahlern wirklich helfen, wie Ihre Petition suggeriert? Das Öffentlich-Rechtliche hat doch wohl größere und teurere Baustellen.

Müller: Ja, klar - die haben viele Baustellen. Aber die Petition war jetzt nun einmal mein Beitrag.

SPIEGEL ONLINE: Letztlich haben die Zuschauer die Fernbedienung in der Hand und können frei entscheiden, was sie sehen.

Müller: Natürlich kann ich wegschalten. Das tue ich sogar oft, zum Beispiel bei "Wetten, dass..?", weil ich das nicht ertrage. Aber wenn ich ein Übel ausschalte, ist es trotzdem noch da. Die Petition ist eine Chance, um Beschwerden gebündelt an die richtige Adresse zu bringen. In den Kommentarspalten und Foren im Netz geht der Protest unter und bleibt gesichtslos.

SPIEGEL ONLINE: Durch das mediale Echo und die teils heftige Kritik an seiner Person steht Lanz jetzt am Pranger. Wollten Sie das so?

Müller: Diese Dynamik nehme ich sehr ernst, das war nicht absehbar. Aber ich frage mich auch: Wo kommt sie her? Warum wird die Petition so befeuert und nicht andere, die sich um ernstere Dinge drehen? Die Leute unterschreiben ja nicht, weil sie gerade mal Lust haben, jemanden fertigzumachen, sondern weil sie der gleichen Meinung sind. Ich habe einfach einen Nerv getroffen. Und jetzt sieht Herr Lanz mal, wie das ist - das ist einfach eine Reaktion auf das, was er verursacht hat.

SPIEGEL ONLINE: Wird das ZDF auf die Petition reagieren? Und wenn ja, wie?

Müller: Die Verantwortlichen werden ihre Sicht der Dinge darlegen: Lanz musste eben nachhaken und so weiter - das konnten wir ja teilweise schon lesen. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass sich Markus Lanz in Zukunft anders verhält, vielleicht entschuldigt er sich sogar. Oder die Sendung wird eingestellt. Aber so ein peinliches Interview wie das mit Sahra Wagenknecht wird sich mit Sicherheit nicht wiederholen.

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1. lanz ist nur der pruegelknabe
1hz 23.01.2014
fuer die mangelnde akzeptanz des neuen gebührenmodels...knapp 70 prozent lehnen dieses ab, werden aber zur zahlung gezwungen...und das faellt und auch denen auf denen es bisher egal war, und nun schaut man mal genau hin was die sender da so machen mit 8 milliarden. Ohne das zwangsmodell waeren die doch in kurzer zeit weg vom Fenster. und das faellt leuten nun auch auf dass sie dafuer nen flug in die sonne pro jahr abgenommen bekommen...und fuer was? ach ja grundversorgung...die der moderatoren und beschaeftigten des örr. nein danke.
2. Linken-Bashing
Zaphod 23.01.2014
Wer das Interview gesehen hat, muss klar feststellen, dass Her Lanz offensichtlich eine große Abneigung gegen linke Ideen hat. Diese Abneigung beruht jedoch nicht auf einer Abwägung von Argumenten, sondern rein aus seinem Bauchgefühl. Denn die Argumente von Frau Wagenknecht hat er sich gar nicht angehört. Immerhin gelang es Frau Wagenknecht trotz der peinlichen Situation einige sehr gute Statements abzugeben. Sie zeigte, dass die Linke wahrscheinlich die wählbarste Partei in Deutschland ist, zumindest die Vernünftigste!
3. Talkshow
kytomus 23.01.2014
Vielleicht ist die Talkshow von Lanz nicht das Superhighlight, aber wer in eine Talkshow geht, besucht kein Lyzeum sondern trifft Leute, die auch eine Meinung vertreten. Der Moderator ist nicht zur Neutralität verpflichtet.
4. optional
heiko1977 23.01.2014
In diesem Interview offenbart sich ein eklatantes Problem der deutschen Medienwelt: Was sind kritische Fragen? Ist es bereits kritisch nachzufragen wenn ein Moderator geschlossene Fragen stellt? "Euro rein oder raus?" oder "EU ja oder nein?" Ist das schon "Fragetechnik"? Oder was sollen Fragen nach dem Gehalt? Wieviel verdient Markus Lanz und was leistet er für diese 1,2 Mio Euro im Jahr, die er den Gebührenzahler kostet?
5. Die Sache
gantenbein3 23.01.2014
Zitat von sysopDas ZDF soll Markus Lanz wegen eines umstrittenenen Interviews mit Sahra Wagenknecht feuern - das fordert eine Petition, die mehr als 130.000 Menschen unterstützen. Maren Müller hat sich den Aufruf ausgedacht. Was missfällt ihr am Moderator? Und hat sie kein Mitleid, wenn er nun am Pranger steht? http://www.spiegel.de/kultur/tv/interview-mit-maren-mueller-der-initiatorin-der-lanz-petition-a-945178.html
...wird ja immer lustiger. Als ob sich Lanz und Jörges noch nicht genug blamiert hätten, tritt Jörges auch noch nach: http://www.stern.de/politik/deutschland/joerges-der-video-zwischenruf-die-methode-wagenknecht-2085007.html Wusste gar nicht, dass er so ein schlechter Verlierer ist.
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Lanz-Momente
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Markus Lanz moderierte "Wetten, dass..?" ins Quotentief: Die Februar-Ausgabe der Samstagabendshow wollten nur 5,85 Millionen Menschen sehen. Ein historisches Tief. ZDF-Intendant Thomas Bellut ließ sich kurze Zeit später mit den Worten zitieren, er wisse nicht, wie lange es die Sendung noch geben werde.

DPA

Lanz ist sich selten für etwas zu schade. Im März 2013 bekam er beispielsweise eine Schokoladen-Dusche ab.

ZDF

Ein besonders umstrittener Auftritt von Markus Lanz war sein Gespräch mit Sahra Wagenknecht: Mit der Phrase "Da muss ich einmal einhaken" unterbrach der Moderator Anfang des Jahres seinen Gast wiederholt und mit einer inhaltlich nicht nachvollziehbaren Penetranz.

Zuschauerin Maren Müller aus Leipzig startete daraufhin die Online-Petition "Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr!" - und hatte nach wenigen Tagen mehr als 60.000 Unterschriften (siehe Screenshot von openpetition.de). In ihrer Begründung ist nachzulesen, dass sie auch politisch motiviert ist: Sie wirft Lanz vor, vor allem mit linken Politikern ein Problem zu haben.

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Markus Lanz bei der Oktober-Ausgabe von "Wetten, dass..?": Für seine Moderation des Samstagabend-Klassikers musste der ZDF-Mann viel Kritik einstecken - und sinkende Einschaltquoten hinnehmen.

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Eigentlich erstaunlich, denn skurrile Momente gab es zuhauf bei Markus Lanz.

ZDF/ Youtube

Halbnackter Protest im TV-Studio: Zwei Femen-Aktivistinnen haben die Talkshow von Markus Lanz gestürmt. Es war nicht der erste Moment in einer Lanz-Sendung, in der sich die Zuschauer gefragt haben dürften, was da los ist.

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So sicherlich auch bei seinem Jahresrückblick "Menschen 2013". Auf dem Bild zumindest guckt Dieter Hallervorden recht irritiert hinter dem Sofa hervor.

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Und noch ein Beispiel: Erst im November 2013 gab es bei "Wetten, dass..?" ein bizarres Zungenspiel zu beobachten. Anlass war eine Wette: Der Kandidat will die Zahnpasta, die seine Freundin vorher benutzt hat, beim Zungenkuss erschmecken.

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Auch Lanz selbst sorgt für Tiefschläge. Hier sieht man ihm in der wohl schlechtesten "Wetten, dass..?"-Ausgabe beim Limbotanzen. Er wäre am liebsten selbst aus dem Studio gerannt, erzählte Lanz im Dezember 2013 dem Magazin "Stern".

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Weitere skurrile Highlights: Der schottische Schauspieler Gerard Butler schüttet sich in der Show vom Juni 2013 Eiswürfel in seine Hose - und Lanz lacht sich im Hintergrund kringelig.

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Dauer-Werbesendung? TV-Moderator Stefan Raab durfte bei Lanz einen von ihm entwickelten Duschkopf ausgiebig anpreisen.

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Zusammen mit den Köchen Alfons Schuhbeck (l.) und Alexander Herrmann (r.) schnallte er sich auch schon ein Sixpack-Imitat um.

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Den Gästen blieb ebenfalls wenig erspart. US-Schauspieler Tom Hanks musste im November vergangenen Jahres in der ZDF-Show plüschige Katzenohren tragen.

dapd

Hinterher lästerte Hanks über die quälend langwierige Familiensendung.



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