Von Hasnain Kazim, Islamabad
Gemeinsam mit rund 15 Frauen stellte Moderatorin Maya Khan jungen Paaren nach, in einem Park in der südpakistanischen Großstadt Karatschi. "Wissen eure Eltern, dass ihr hier seid?", fragte sie sie. "Seid ihr verheiratet?" Und den Frauen warf sie an den Kopf: "Weißt du, wie schlecht es für den Ruf eines unverheirateten Mädchens ist, so gesehen zu werden?"
Die Jagd auf Liebespaare in der Morgenshow "Früh am Morgen mit Maya" des pakistanischen Senders Samaa TV rief eine Welle des Protests in Pakistan hervor. Tausende von Menschen unterschrieben Online-Petitionen gegen die Sendung und das Auftreten als Moralpolizei. Viele Pakistaner veröffentlichten im Internet offene Briefe, in denen sie ihrem Unmut Luft verschafften - ob der "mittelalterlichen Moralvorstellungen", wie einer schrieb. Mit Erfolg: Samaa TV setzt jetzt die tägliche Sendung ab und entlässt Khan und ihr Team.
"Wir haben Maya Khan gebeten, sich ohne Wenn und Aber zu entschuldigen, was sie nicht getan hat", schreibt Senderchef Zafar Siddiqui in einer E-Mail, die im Internet kursiert. Man habe diese Entschuldigung spätestens bis Freitag erwartet, was sie abgelehnt habe. Zum 30. Januar werde Khan daher ihre Entlassungspapiere erhalten.
"Bedingungslose Entschuldigung" blieb aus
Tatsächlich hatte Khan wenige Tage nach der kritisierten Sendung erklärt, sie sei mit dem Ansprechen von Paaren in Parks lediglich einem Thema nachgegangen, das ihr von ihren Zuschauern als Problem nahegelegt worden sei. In einer späteren Sendung rang sie sich eine halbherzig klingende Entschuldigung ab: Sie erklärte umständlich, es tue ihr leid, sollte sie die Gefühle von Menschen verletzt haben.
Senderchef Siddiqui reichte das nicht, er verlangte eine "bedingungslose Entschuldigung". Bereits nach erster Kritik im Internet hatte Siddiqui sich überrascht gezeigt über Khan und ihre Hetzjagd auf Paare, über ihr Eindringen in die Privatsphäre junger Leute. "Ich kann versichern, dass so etwas nie wieder passieren wird", schrieb er an die Kritiker. Samaa TV sei schließlich ein fortschrittlicher Sender.
Doch der Ärger um die selbsternannte Sittenpolizistin und die anderen sie begleitenden Frauen - besorgte Mütter, entsetzte Schwestern und klug daherschwatzende Co-Moderatorinnen ("Sie laufen weg! Offensichtlich haben sie erkannt, dass sie etwas Falsches tun!") - ließ nicht nach. Daher entschied Siddiqui sich zu dem Schritt, Khan zu entlassen.
"Was habe ich Falsches getan?"
Tatsächlich war Khan sich bis zum Schluss keiner Schuld bewusst. Gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte sie, es handele sich um eine "bösartige Kampagne" konkurrierender Sender gegen sie. "Was habe ich Falsches getan? Ich habe das Thema doch nur aufgegriffen, weil Zuschauer bei mir anriefen, die sich gestört fühlten durch die Paare im Park." Über ihre guten Taten wie die Vermittlung von Adoptiveltern an Waisenkindern in ihrer Sendung spreche niemand.
Im Internet ließ Samaa TV nun einen von Siddiqui unterschriebenen Brief verbreiten, in dem der Senderchef die Entlassung Khans bekannt gibt. Man hoffe nun, dass die Gemüter sich beruhigten, schreibt er. Keinesfalls dulde er der Einschaltquoten wegen solches Benehmen, kritisiert er Khan öffentlich. Wie es scheint, ist Siddiqui von der Sorge getrieben, an seinem Sender könne der Ruf des Islamisten-TV hängen bleiben.
Die Internet-Gemeinschaft feierte das Ende der Morgenshow und die Entlassung Khans am Wochenende. Es sei ein Erfolg der freien Bürger gegenüber den "Moralbrigaden", und das sei doch schon etwas. Denn üblicherweise knicken in Pakistan die Liberalen stets gegenüber den religiösen Kräften ein.
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