James Jagger in der HBO-Serie "Vinyl" "Ich bete meinen Vater an"

James Jagger spielt in der HBO-Gangster-Serie "Vinyl" von Martin Scorsese einen Punkrocker im New York der Siebzigerjahre. Sein berühmter Vater war ihm große Inspiration für die Rolle, erzählt er hier.

Corbis

Ein Interview von , New York


Zur Person
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    James Jagger, 30, ist der älteste Sohn von Mick Jagger und stammt aus der Langzeitbeziehung der Rolling-Stones-Legende mit dem Ex-Model Jerry Hall. Jagger Jr. ist Musiker und Schauspieler. Nach einigen Nebenrollen kommt er jetzt mit seiner ersten Hauptrolle groß raus - als Punkrocker in der von seinem Vater coproduzierten HBO-Serie "Vinyl" über die Musikszene New Yorks in den Siebzigerjahren.
SPIEGEL ONLINE: Mr. Jagger, "Vinyl" wurde von ihrem Vater mitkonzipiert und koproduziert. Hat Ihr berühmter Nachname für Sie als Schauspieler und Musiker auch Nachteile?

Jagger: Wenn man im Entertainment-Business arbeitet, jedenfalls in England, dann kann der Name Jagger in der Tat ein bisschen hinderlich sein. Die britische Presse ist sehr schwierig, die schießen einen gerne ab, wenn man aus einer prominenten Familie kommt. Die wollen lieber Helden aus der Arbeiterklasse als aus einer Familie von Entertainern.

SPIEGEL ONLINE: Sie sollen mal gesagt haben, dass Ihr Name ein "Fluch" sei.

Jagger: Das stimmt so nicht. Ich bin wahnsinnig stolz darauf, ein Mitglied meiner Familie zu sein, ich bete meinen Vater an und bin unglaublich stolz auf seine Errungenschaften. Sicher, manchmal wünscht man sich etwas mehr Anonymität. Vor allem als Teenager kann das ziemlich peinlich sein. Aber ich glaube, das habe ich überwunden.

SPIEGEL ONLINE: Hat Ihr Vater Ihnen bei der Vorbereitung auf Ihre Rolle geholfen?

Jagger: Ja. Das war wirklich schön. Früher habe ich nie mit ihm am Klavier gesessen und seine Musik einfach so erlebt. Auch war es wichtig, jemanden zu haben, der damals dabei war, der den Zeitgeist der Siebzigerjahre erlebt hat. Mein Vater war da eine unschätzbare Quelle.

SPIEGEL ONLINE: Er hat also für größtmögliche Authentizität gesorgt?

Jagger: Wie authentisch die Serie geworden ist, kann ich selbst natürlich nicht beurteilen, ich war erst 2005 zum ersten Mal in New York. Aber HBO hat sich wahnsinnige Mühe gegeben. All diese Kostüme, wirklich irre. Und Martin Scorsese achtet ja sowie auf alle Details. In seinem Anspruch ist er unerbittlich.

SPIEGEL ONLINE: Wie war das, mit einer Kinolegende zu arbeiten?

Jagger: Fantastisch. Als ich die Rolle bekam und die Schauspieler und die Crew sich zum ersten Mal trafen, war ich total nervös, vor allem eben wegen Martin Scorsese, von dem ich immer schon ein großer Fan war. Er kam sofort auf mich zu und rief: Hey Jimmy, toll dich kennenzulernen!

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SPIEGEL ONLINE: Er ist also nicht so unnahbar wie andere Star-Regisseure?

Jagger: Man hält ihn für so eine gottgleiche Figur, aber in Wahrheit ist er unwahrscheinlich umgänglich. Er kann die nervöseste Person beruhigen, er gibt einem das Gefühl, dass man seiner Position würdig ist, und bringt das Beste in einem hervor. Er hat diese kindliche Freude an der Sache, was für einen Mann seines Alters unglaublich ist. Man denkt sich dann nur noch: Oh Gott, lass mich das für Marty hinkriegen!

SPIEGEL ONLINE: Sollte "Vinyl" am Anfang nicht sowieso ein typischer Scorsese-Gangsterfilm sein, der in der Musikbranche spielt?

Jagger: Alles, was Martin Scorsese macht, hat mit Gangstern zu tun. Und der Gangster-Aspekt der Musikindustrie ergab sich da ganz natürlich. Die war damals nicht so von Konzernen beherrscht wie heute, es gab ein paar Leute, die was zu sagen hatten, und die Mafia hatte ihre Finger mit drin, wie bei allem in Amerika, wo es Geld zu verdienen gibt. Das wurde bisher noch nie dargestellt, all die Korruption, der ganze Betrug. Nach außen hin erschien die Branche so nett, aber insgeheim wusste jeder, dass sich die Leute gegenseitig in den Rücken stachen. Es war eine mörderische Welt.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie sich konkret darauf vorbereitet? Sie selbst wurden ja erst 1985 geboren.

Jagger: Ich habe mich von ein paar realen Charakteren inspirieren lassen. Zum Beispiel Jack Ruby, eine Punkrock-Band aus den frühen Siebzigern. Die machten ganz schreckliche Musik, aber waren so eine Antithese zu allem anderen. Das war echter Punk, bevor es das Wort überhaupt gab. Oder Richard Hell, ein Rocker aus der frühen New Yorker Szene, der meinen Charakter Kip sehr beeinflusst hat.

SPIEGEL ONLINE: Kip ist der Sänger der fiktiven Punkrock-Band Natsy Bits. Sie spielten ja lange selbst in einer Band, der Londoner Punkband Turbogeist. Wie ähnlich ist Ihnen Ihr "Vinyl"-Charakter?

Jagger: Schwer zu sagen. "Rockstar" ist so ein Stereotyp. Kip ist ein Anti-Rockstar: Er will einer sein, aber er ist gegen all das Drumherum. In den Siebzigern gab es ja diese riesige Glam-Rock-Bewegung, das war alles sehr theatralisch und drehte sich mehr um die Bühnenshow und die Lichter statt um die eigentliche Musik. Für mich persönlich ist es jedoch wichtiger, gute Musik zu schreiben, als ein flamboyantes Bühnentheater hinzulegen.

SPIEGEL ONLINE: Treten Sie im Moment noch mit Turbogeist auf?

Jagger: Es ist schwer, Musik und Film zu vereinen, aber wir sind immer noch enge Freunde. Wir machen gerade eine Pause, aber es kann sein, dass wir im März noch mal was machen. Eine kleine Wiedervereinigung.

SPIEGEL ONLINE: Aber die Schauspielkarriere hat erst mal gewonnen?

Jagger: Scheint so. Ich habe die Schauspielerei lange zugunsten der Musik vernachlässigt, vier Jahre lang. Ich liebe es, in einer Band zu sein und herumzureisen. Trotzdem war es jetzt wirklich schön, wieder etwas zu machen, wo ich mich richtig festbeißen konnte.

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Seite 1
dubsetter 13.02.2016
1. ...
.. gähn... wenn die serie so ist , wie das interview.....
dubsetter 13.02.2016
2. .....
... gähn... also nach dem interview dann noch die serie..??? scorcese war auch schonmal besser...
totalmayhem 14.02.2016
3.
Im grossen Kino ist fuer Scorsese der Zug schon lange abgefahren, nun verdient er sich halt ein paar Dollar im TV, es findet sich immer ein Kaesblatt, dass diesen Muell dann noch hyped, bloss um die Rubrik "Kultur" zu fuellen. Mick Jagger als Inspiration fuer eine Rolle, angesiedelt in der New Yorker Punkscene der 70er Jahre, da findet man unter der Rubrik "Spam" bei SPON noch bessere Witze.
cipo 14.02.2016
4.
Zitat von totalmayhemIm grossen Kino ist fuer Scorsese der Zug schon lange abgefahren, nun verdient er sich halt ein paar Dollar im TV, es findet sich immer ein Kaesblatt, dass diesen Muell dann noch hyped, bloss um die Rubrik "Kultur" zu fuellen. Mick Jagger als Inspiration fuer eine Rolle, angesiedelt in der New Yorker Punkscene der 70er Jahre, da findet man unter der Rubrik "Spam" bei SPON noch bessere Witze.
Soweit ich weiß, war "The Wolf Of Wall Street" Scorseses bislang größter internationaler Kassenschlager. Er hat bei einem Budget von 100 Millionen Dollar fast 400 Millionen eingespielt. Und der Film ist von 2013. Das klingt nicht danach, als sei "der Zug für Scorsese im großen Kino schon lange abgefahren".
AliceAyres 14.02.2016
5.
Zitat von totalmayhemIm grossen Kino ist fuer Scorsese der Zug schon lange abgefahren, nun verdient er sich halt ein paar Dollar im TV, es findet sich immer ein Kaesblatt, dass diesen Muell dann noch hyped, bloss um die Rubrik "Kultur" zu fuellen. Mick Jagger als Inspiration fuer eine Rolle, angesiedelt in der New Yorker Punkscene der 70er Jahre, da findet man unter der Rubrik "Spam" bei SPON noch bessere Witze.
Inwiefern ist der Zug für Scorsese im Kino abgefahren? Er ist doch erfolgreicher denn je. Wenn vielleicht auch nicht mehr so innovativ wie früher, ist er sicherlich einer der wenigen Regisseure, die niemandem mehr etwas beweisen müssen. Haben Sie "Vinyl" schon vorab gesehen oder warum bezeichnen Sie es als "Müll"? Davon abgesehen sind die Zeiten, in denen der Wechsel zum TV für Schauspieler und Regisseure einen Abstieg bedeutete, seit einiger Zeit vorbei. Soderbergh hat "The Knick" gedreht, Fukunaga "True Detective", Scorsese selbst zuvor schon Folgen von "Boardwalk Empire" und Steve McQueen entwickelt gerade etwas für HBO und für die BBC.
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