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ZDF-Hoffnung Jan Böhmermann: "Die Zuschauer müssen mich nicht ins Wohnzimmer lassen"

Das Interview führte

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DPA

TV-Gastgeber Böhmermann: "Jan, mach dir keinen Druck"

Bislang machte er Fernsehen in der "Neo Magazin"-Nische und fürs Netz, jetzt wechselt TV-Humorist Jan Böhmermann ins ZDF-Hauptprogramm. Sein Ziel? Als Moderator zu "Wetten, dass..?". Sein Weg dahin? Lesen Sie hier.

SPIEGEL ONLINE: Ab Februar nächsten Jahres läuft Ihre Show, das "Neo Magazin", nicht mehr nur im Spartenkanal ZDFneo, sondern auch im Hauptprogramm des ZDF. Werden Sie dann massentauglich?

Böhmermann: Ach, das neue "Neo Magazin" läuft dann wahrscheinlich so spät in der Nacht, dass ich da erst einmal nicht viel kaputtmachen kann. Safety first. Die ZDF-Chefetage hat gesagt: Jan, mach dir keinen Druck, du musst keine zweieinhalb Millionen Zuschauer holen, zwei Millionen sind auch okay.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie sich für den Neustart vorgenommen?

Böhmermann: Ich habe geplant, dass Helene Fischer als Talkgast in die Show kommt. Leider wusste sie bis jetzt nichts davon. Ich habe zu diesem Zweck extra Anfang der Woche meine private Handynummer im Internet veröffentlicht, sie kann sich bei Interesse bitte mal bei mir melden. Und ich würde gerne eine Folge aus der Kulisse des ZDF-Fernsehgartens senden, inklusive der obligatorischen Ost-Touristen, die in knisternden Regencapes im Publikum sitzen.

SPIEGEL ONLINE: Die Einspielfilme sind die größte Stärke der Sendung, dafür brauchen Sie nicht unbedingt ein größeres Studio, wie Sie es jetzt bald bekommen.

Böhmermann: Die Einspieler können wir jetzt dank leichter Verbesserungen im Budget erheblich ausbauen. Ich sag nur: Quentin Tarantino.

SPIEGEL ONLINE: Wann haben Sie Ihr geringes Budget in der Vergangenheit gespürt?

Böhmermann: Für unseren volkstümlichen Internethit über die Neunzigerjahre haben wir zum Beispiel den Zahnarzt und Sänger Dr. Alban aus Schweden eingeflogen. Das hat in der Produktionskasse ganz schön geächzt und geknirscht. Danach mussten wir vier Wochen lang Gina-Lisa Lohfink als Talkgast einladen, um die Kohle wieder reinzuholen. Da sind wir ab 2015 etwas besser aufgestellt. Das neue Studio wird schöner und etwas funktionaler, aber wir ziehen nicht in die Köln-Arena. Aber dass wir einen Oldtimer durchs Studio fahren lassen können, an dessen Steuer hupend ein Affe sitzt - das habe ich mir schon gewünscht.

SPIEGEL ONLINE: Der damalige ZDF-Unterhaltungschef hat vor einiger Zeit gesagt, Sie seien niemand, den die Zuschauer gerne in ihr Wohnzimmer ließen.

Böhmermann: Das hat er bestimmt ironisch gemeint. Außerdem müssen mich die Zuschauer auch gar nicht ins Wohnzimmer lassen. Mir reicht der Windfang.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt trotzdem nicht nach großem Vertrauen.

Böhmermann: Wenn das ZDF mir zu viel Vertrauen entgegen brächte, hätte das eine extrem demotivierende Wirkung auf mein Team und mich. Dann würden wir nur noch Dienst nach Vorschrift machen. Mein einziger Antrieb ist, dass ich noch nicht mache, was ich machen möchte. Nämlich das "heute-journal" oder "Wetten, dass..?".

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Umzug ins Hauptprogramm: Mit dem Zweiten sieht man Böhmermann
SPIEGEL ONLINE: "Wetten, dass..?" dürfte schwierig werden, im Dezember läuft die letzte Sendung.

Böhmermann: Wenn "Wetten, dass..?" spätestens 2017 wiederkommt, wird man auf jeden Fall an mich denken, sich dann aber letztendlich für den großen Johannes B. Kerner entscheiden. Das habe ich mir vertraglich zusichern lassen.

SPIEGEL ONLINE: Das ZDF zeigt Ihre Show voraussichtlich zu später Stunde. Wann lässt Sie der Sender auch mal in der Primetime ran?

Böhmermann: Das weiß ich nicht, ist mir auch schnuppe. Erst einmal ist es wichtig, dass mich dieses eiskalte Hauptprogramm nicht kaputt macht. Als ich im Frühjahr mit dem ZDF zusammensaß, hieß es: Nach der "heute-show" um 23 Uhr wäre doch ein toller Sendeplatz. Mein Reflex war: Nein, nach der "heute-show" muss ambitionierte Impro-Comedy laufen, "aspekte" zum Beispiel. Wir Neo-Freaks sollten vernünftig sein und uns langsam entwickeln. Und wenn wir merken, dass das "Neo Magazin" um 0.15 Uhr der absolute Bringer ist, können wir immer noch fünf Mal die Woche statt "Volle Kanne" senden.

SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie das Angebot nicht angenommen?

Böhmermann: Die "heute-show" hat eine Quote von drei Millionen. Wenn du danach bestehen musst, wird ein Sender automatisch nervös, falls es ein paar Mal nicht läuft. Ich habe in den letzten zehn Jahren an vielen Fernsehshows mitgearbeitet, wo ein hüstelnder Redakteur da saß und fragte: Wollt ihr nicht mal sicherheitshalber einen Witz über Angela Merkels Frisur machen, für die Quote? Unsere ZDFneo-Redakteure Jens Matthey und Sebastian Flohr sind zwei echte Digitalsparten-Raubkatzen und begleiten uns 2015 mit ins Hauptprogramm. Und gemeinsam haben wir nichts dagegen, wenn uns das ZDF möglichst lange voll professionellen Vertrauens weiter wurschteln lässt.

SPIEGEL ONLINE: Sie erreichen einen Großteil Ihrer Zuschauer nicht über das reguläre Fernsehprogramm, sondern übers Internet. Das "Neo Magazin" erzielt in der Mediathek bis zu 300.000 Abrufe. Beeinflusst das den Inhalt der Sendung?

Böhmermann: Nein, mit einer Ausnahme: Wir legen Wert darauf, dass einzelne Clips auch losgelöst von der Sendung im Netz funktionieren.

SPIEGEL ONLINE: Die Unter-20-Jährigen schauen kaum noch Fernsehen, sondern lieber YouTube.

Böhmermann: Für die werden wir ab 2015 auch einiges in der neuen Show haben. Ich werde zum Beispiel bei dm einkaufen und vor laufender Laptopkamera meine Tüte auspacken und an Shampoos und Deos riechen. Oder ich covere mit lustigem Akzent und Perücke Chartsongs. Oder gebe Schminktipps. Im Internet ist wirklich alles möglich!

SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich stets über Ihr Dasein in der Digitalsparte lustig gemacht. Das ist bald vorbei. Worüber wollen Sie in Zukunft Witze machen?

Böhmermann: Erst einmal bleiben wir ja nach wie vor bei ZDFneo und in der Mediathek. Und die zusätzliche Ausstrahlung im ZDF-Hauptprogramm gibt uns 350 000 neue Möglichkeiten, uns an einem neuen Umfeld abzuarbeiten. Letztlich holt sich das ZDF mit uns die Selbstironie ins Haus. Das "Neo Magazin" ist zur einen Hälfte eine Unterhaltungsshow und zur anderen eine Mischung aus anarchistischer PR-Agentur und unbestechlicher Controlling-Stelle.

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1.
Otto_Page 15.10.2014
Auch wenn das NeoMagazin meiner Meinung nach nicht an das alte "Roch und Böhmermann" oder an die Radiosendung "Sanft und Sorgfältig" heranreicht, freue ich mich, wenn das ZDF so jemanden nicht in der Versenkung verschwinden lässt. Grade weil sein Humor nicht jedermanns Sache ist, halte ich dies für keine Selbstverständlichkeit. Deshalb Daumen hoch für die Entscheidung auf kontroverse Beiträge zu setzten Anstelle des x-ten Krimis, der mWn auf diesem Sendeplatz läuft. Spannend dürfte es werden, wenn die Einschaltquoten ausbleiben. Ob dann das Hauptprogramm immer noch auf ihn setzt?
2. Erst die kleinen Sender, dann den ganzen TV Himmel :D
HuFu 15.10.2014
Der Mann ist gröööößenwahnsinng! Nein, der Mann ist genial. :D Wobei ich ihn mit Charlotte Roche halt immer noch am besten fand. Die Sendung war für mich halt auch dank Charlotte eben was besonderes im dt. TV. Aber ansich könnte er durchaus einen Harald Schmidt ersetzen. Den Intellekt hat Herr Böhmermann auf jeden Fall. Die Schlagfertigkeit auch. Vielleicht kommt ja bald wieder eine würdige Late Night im dt. Fernsehen. Ich würde mich freuen. :)
3.
harryholdenwagen 15.10.2014
Ich fand die zweite Staffel von Rache und Böhmermann nicht so stark wie die erste. Meiner Meinung nach wurden dort zu viele Spielerein eingebaut (zb Schatzkiste, Kommentare von Z Promis). @#1 Ich finde nicht, dass das SuS besser ist als das NeoMagazin. Die Sonntagnachmittage mit Olli sind schön haben aber leider an Charme verloren, weil sie nicht mehr live sind und zb keine Anrufer dran genommen werden. Das HauptprogrammMagazin wird leider unter dem Radar senden und irgendwann in der Nacht laufen. Schade eigentlich. Eine eigene Latenight würde dem Böhmimann sehr gut stehen oder Wetten dass.
4.
Zapallar 16.10.2014
Gebt diesem Mann noch etwas mehr Kulturelle Allgemeinbildung und er ist mit seinem Wissen, seinem gesunden Konservatismus, seinen feinen Gesten, seiner Geisteshaltung, seiner Bodenständigkeit, seinem weiten Horizont und seiner Eloquenz in der Lage, in 10 Jahren den großen Harald Schmidt zu beerben! Jan Böhmermann ist (mit dem letzten Tukur Tatort) das Beste, was öffentlich rechtliches Fernsehen aktuell zu bieten haben.
5. Heisse Luft
carlkontermann 16.10.2014
Allein diesen Möchtegern-Moderator in einem Atemzug mit Harald Schmidt zu nennen grenzt schon an fortgeschrittenen Realitätsverlust. Den Intellekt hat er auf jeden Fall? Ach ja - vielleicht fürs Frühstücksfernsehen, dafür könnte es noch reichen. Wer seine "Sendung" auf ZDF neo gesehen hat und kein Hipster und Bähmermann-Fangirl ist, weiss genau, was ich damit meine. Das dt. Fernsehen hat schon viel zu viel von dieser völlig gewöhnlichen, durch sinnentleerte Übertreibung sich von alltäglicher Kost abzugrenzenden zu versuchenden und dabei kläglich scheiternden Massenware zu bieten. Bestenfalls schlechter Durchschnitt, mehr nicht. Auf jeden Fall uninteressant für intelligente Menschen.
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