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Netflix-Serie "Jessica Jones": Marvels härteste Heldin

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"Jessica Jones" auf Netflix: Sie lächelt nur einmal Fotos
Netflix

Sie ist mieser drauf als jeder männliche Antiheld und härter als alle Superburschen zusammen: Marvels traumatisierte Detektivin "Jessica Jones" aus der neuen Netflix-Serie gehört zum Besten, was zurzeit im TV zu sehen ist.

Genau einmal lächelt Jessica Jones in der ersten Episode, nur ganz kurz. Ihr aktueller Fall scheint gelöst, sogar mit Happy End. Doch der Schein trügt. Wie sich nur wenige Szenen später auf brutalste Weise zeigen wird, ist nichts gut und alles noch viel schlimmer, als es eh schon war.

Jessica Jones ist eine singuläre Figur im Kosmos der Superhelden des Marvel-Comic-Universums, eine mies gelaunte Noir-Heroine, die ihren männlichen Vorbildern von Sam Spade bis Jimmy McNulty in nichts, aber auch gar nichts nachsteht. Wie der klassische Hardboiled-Detektiv haust sie in New Yorks Hell's Kitchen in einem schummrig-kargen Apartment, das ihr gleichzeitig als Büro dient. Die Glasscheibe an der Tür mit ihrem Firmenlogo, "Alias Investigations", ist ständig kaputt, weil mal wieder ein schwerer Junge oder renitenter Klient durchgeflogen ist, und schließen lässt sich die Tür schon lange nicht mehr.

Die Welt ist aus den Angeln, das ist das richtige Bild für Jessica Jones, die übermenschliche Kräfte besitzt und einst Mitglied der strahlenden Heldentruppe The Avengers war. Dann passierte ein tragischer Unfall, und Jones legte das Kostüm ab, zog sich traumatisiert aus der Öffentlichkeit in das prekäre Leben einer Privatdetektivin zurück. Zur Ruhe kommt sie nicht: Nachts tingelt sie schlaflos durch die Straßen oder säuft sich in Bars bis zur Besinnungslosigkeit. "Ich bin nur eine Frau, die in dieser gottverdammten Stadt versucht, ihren Lebensunterhalt zu verdienen", herrscht sie einen Polizisten an, der sie zu unstimmigen Umständen an einem Tatort befragt.

Hier geben Frauen den Ton an

Das Phantastische aus ihrer Vergangenheit, es holt sie wieder ein, schleicht sich in Form eines unheimlichen Mannes namens Kilgrave, der Menschen willfährig machen kann und offenbar früher einmal etwas mit Jones hatte, in ihren Alltag. Darum dreht sich die erste Staffel dieser bemerkenswerten neuen, 13-teiligen TV-Serie von Marvel, die ab Freitag exklusiv auf Netflix zu sehen ist.

Sie gehört zu einer Reihe in New York spielender Thriller-Serien, die von den Straßenhelden des Comic-Verlags handelt. "Daredevil" machte zu Beginn des Jahres den Anfang, "Iron Fist" und "Luke Cage" sollen folgen, zusammen sollen sie dann schließlich als Antihelden-Truppe "The Defenders" auftreten. Mit "Daredevil" verbindet "Jessica Jones" der düstere, schattenreiche Nacht-Look, atmosphärisch tendiert die neue Serie jedoch noch stärker zu einem köstlichen Nihilismus, der bisher im Kino und TV zumeist männlich belegt war. Überall leuchten "Exit"-Schilder in zwielichtigen Korridoren, Tageslicht ist kaum zu sehen.

In ihrer toughen Inkarnation erfunden wurde Jessica Jones zwischen 2001 und 2004 in der bis heute herausragenden 28-teiligen Comicheft-Reihe "Alias" von Zeichner Michael Gaydos und Autor Brian Michael Bendis, der an der Serie auch als Berater beteiligt ist. Als Showrunner federführend ist jedoch Melissa Rosenberg, die sich als Autorin von "Dexter" und der "Twilight"-Kinosaga einen Namen gemacht hat.

Furioses feministisches Statement

Rosenberg verwandelt die Bendis-Vorlage in ein furioses feministisches Statement: Männer spielen in "Jessica Jones" nur marginale Rollen, entweder sind sie hirnlose Macho-Karikaturen oder weicheierige Hipster-Klischees wie Jessicas dauerbedröhnter Nachbar Malcolm. Selbst ihre Hauptauftraggeberin, die erfolgreiche Anwältin Jeri Hogarth (Carrie-Anne Moss) ist offensiv lesbisch. Auch Jessicas beste Freundin und Ex-Wohngenossin Trish (Rachael Taylor) ist ein Boss, die Blondine ist Star einer Radio-Talkshow. Schon klar: Hier geben Frauen den Ton an.

Einzige Ausnahme ist der Bar-Besitzer Luke (Mike Colter), unschwer als künftiger Serien-Held "Luke Cage" zu identifizieren. Den stahlharten schwarzen Hünen sucht sich Jessica als gelegentlichen Bettgenossen aus, allerdings nach ihren Bedingungen und betont unromantisch: "Ich flirte nicht, ich sage einfach, was ich will", begegnet sie seiner zaghaften Charme-Offensive. Ansonsten bleibt diese gebrochene Heldin lieber für sich: "Es ist besser, alleine zu sein, sicherer".

Das alles würde nicht ohne die richtige Hauptdarstellerin funktionieren, die es schafft, eine solche Figur trotz aller männlichen Topoi originär weiblich wirken zu lassen. Sie fand sich in Krysten Ritter, Serien-Fans als Jesse Pinkmans Freundin Jane Margolis in "Breaking Bad" bekannt. Ritter, im Nebenjob Sängerin der Indiepop-Band Ex Vivian, war außerdem in "Gossip Girl" und "Gilmore Girls" zu sehen und spielte die Hauptrolle in der kurzlebigen Sitcom "Apartment 23".

Ritter balanciert ihre Jessica Jones brillant zwischen demonstrativ zur Schau gestellter Verachtung und mühsam verborgener Verletzlichkeit aus. Spindeldürr und schwarzhaarig, mit dunkel geschminkten Augen und hohlen Wangen schleppt sie sich fiebrig-nervös durch die Stadt und drückt jedem, der ihr dumm kommt, einen sarkastischen Spruch rein, wenn nicht gleich die Fäuste fliegen. Und Mann, haben die eine Power!

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1.
someoption 20.11.2015
Formulierungen wie die folgende versetzen mich immer wieder in Erstaunen, ob das Geschriebene wirklich Ernst gemeint ist: "Rosenberg verwandelt die Bendis-Vorlage in ein furioses feministisches Statement: Männer spielen in 'Jessica Jones' nur marginale Rollen, entweder sind sie hirnlose Macho-Karikaturen oder weicheierige Hipster-Klischees wie Jessicas dauerbedröhnter Nachbar Malcolm." Also, feministisches Statement mit Männerklischees -> akzeptabel. Umgekehrt wird so etwas schon mal als reaktionäres, testosterongeschwängertes Machwerk niedergemacht. Interessante Erkenntnis!
2.
dj_mirroruser 20.11.2015
Exklusiv bei N*****x. Ca. eine Halb Million Haushalte haben schon N*****x. Quelle: NY Times http://www.nytimes.com/2015/02/12/arts/international/netflix-taps-into-a-growing-international-market.html?_r=0 Und dann der Satz: "...gehört zum Besten, was zurzeit im TV zu sehen ist." Früher war ja schon Premiere "elitär". Wer das nicht hatte, gehörte nicht zu den "oberen 10.000". Muss man nun ebenfalls die neuen Streaming-Dienste wie N*****x oder A**** ****e oder M*****e oder wie sie alle heißen* alle abonnieren um halbwegs Filme oder Serien anzuschauen? *eine kleine Übersicht gibt es hier: http://t3n.de/news/video-streaming-dienste-deutsche-437161/ Reicht es nicht die Serien über private oder öffentliche Sender anzuschauen? Oder wenn ich es mir leisten will auch als DVD/Blu-Ray kaufen möchte? Mir wäre der Satz lieber gewesen: "...gehört mit zum Besten, was bei den Streaming-Diensten zu sehen ist."
3.
ultimatekayozz 20.11.2015
Meine Lebensgefährtin und ich werden schon wegen David Tennant mal rein schnuppern. Als zehnter Doctor und in Broadchurch hat er uns sehr gut gefallen.
4.
udolf 20.11.2015
Warum kann man es nicht einfach als Serie werten ohne irgendwas feminitisches daraus zu machen, und damit nur so etwas wie ein Wettbewerb zwischen Männern und Frauen?
5. Wow... Und schon wieder eine beste Fernsehserie aller Zeiten von netflix
foje1 20.11.2015
Zugegeben: diese neue Serie hab ich natürlich noch nicht gesehen. Aber mal im Ernst: Der Hype ist ja kaum auszuhalten. Ich hab mir die ganzen Netflix Serien angeschaut. Gut gemachte Fernsehkost auf der Höhe der Zeit. Aber das nun mit jeder neuen Serie das Fernsehen neu erfunden wird, entspringt wohl eher dem Wunsch der Medienjournalisten, das neue Fernsehevangelium als erster zu verkünden. Fazit: viel Hype, gut gemachte Fernsehkost, aber nix sensationelles.
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