Jugendschutz: Jokos und Klaas' Mutproben sind nichts für Kinder

"Problematisch hinsichtlich einer Selbstverletzung": Szene aus "Joko gegen Klaas" Zur Großansicht

"Problematisch hinsichtlich einer Selbstverletzung": Szene aus "Joko gegen Klaas"

Dass die Dokumentation "Auf der Suche nach dem besten Sex der Welt" zu heiß für die Primetime ist, hätte sich ProSieben wohl denken können. Doch die Kommission für Jugendmedienschutz beanstandete auch "Joko gegen Klaas": zu riskant fürs Tagesprogramm.

Berlin - Der Pressesprecher des Privatsenders ProSieben war richtig stolz auf die Show: "Joko und Klaas sind Next-Level-Entertainment für junge Zuschauer", sagte er zum Start von "Joko gegen Klaas - Das Duell um die Welt" im Sommer 2012. Doch die Frage ist, wie jung diese Zuschauer sein dürfen.

ProSieben strahlte die Sendung, in der sich Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf gegenseitig in peinliche oder gefährliche Situationen bringen, im Hauptabendprogramm aus, samstags ab 20.15 Uhr. Doch die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM), die mit der Überwachung des Programms privater Rundfunkanbieter betraut ist, bemängelte die Wiederholung von zwei Folgen der Show am nächsten Morgen ab sieben Uhr.

Dann könnten nämlich Zuschauer unter zwölf einschalten - man geht von einer Sendezeitgrenze von 20 bis 6 Uhr morgens aus für Programme, die erst für Über-Zwölfjährige geeignet sind. Die "riskanten Aktionen und Mutproben" von Joko und Klaas wiesen ein "problematisches Verhalten hinsichtlich einer Selbstverletzung" auf, so die Kommission. Oder wie es die Amerikaner kurz sagen: Don't try this at home.

"Joko gegen Klaas - Das Duell um die Welt" war bei Kritik und Publikum gut angenommen worden, die Show wurde sogar für renommierte Preise wie den Deutschen Fernsehpreis, den Grimme-Preis und die Rose d'Or nominiert, gewann aber keine der Auszeichnungen. Für den Herbst sind drei neue Folgen der Show angekündigt - dann sicher ohne Morgenwiederholung.

ProSieben musste noch eine weitere Rüge der KJM hinnehmen: Die Dokumentation "Unter fremden Decken - Auf der Suche nach dem besten Sex der Welt" hätte nicht um 20.15 Uhr ausgestrahlt werden dürfen. Szenen darin könnten "Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren überfordern und verunsichern, weil sie die dargestellten Sexualpraktiken nicht einordnen können", so die Kommission in ihrem Prüfbericht. Auch "die Verbindung von Sexualität und Alkohol" werde kritisch gesehen.

Programme, die für Unter-16-Jährige ungeeignet sind, sollen nur von 22 bis 6 Uhr morgens ausgestrahlt werden. Sendungen, die nur Erwachsene sehen sollten, dürfen erst ab 23 Uhr gezeigt werden.

feb

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Wie sehr sich doch die Fernsehkultur entwickelt
twister-at 29.07.2013
Früher (TM) wurde Jackasss noch als das angesehen, was es für viele heute noch ist - das Zurschaustellen der eigenen vulgären Verhaltensweisen, zusammen mit pubertären und fäkalbezogenen Mutproben etc. "Schau mal, ich knips mir Wäscheklammern auf den Penis, hahahaha..." Jackass wurde auch als Unterschichtenfernsehen angesehen, als Dümmlichkeit. Heute machen Leute wie Stefan Raab, Joko und Klaas und Co. diese Art der "Unterhaltung", frei nach dem Motto "Millionen fliegen..." salonfähig und erhalten dafür sogar den Grimmepreis, dass sie über "Moppelklampen" von Frauen reden und sich gegenseitig dazu anstiften, doch einer Frau mal unvermutet an den Busen oder den Po zu grabschen, auf dass diese dann hinterher "in der Dusche heult" usw. Das zeigt,w ie erbärmlich sich die ÖR dem Privaten auch andienen und was heutzutage als Unterhaltung angesehen wird. Traurig.
2.
Plasmabruzzler 29.07.2013
Zitat von sysopAuf der Suche nach dem besten Sex der Welt" hätte nicht um 20.15 Uhr ausgestrahlt werden dürfen. Szenen darin könnten "Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren überfordern und verunsichern, weil sie die dargestellten Sexualpraktiken nicht einordnen können", so die Kommission in ihrem Prüfbericht.
Was waren denn das für Prüfer? Da hätten diese aber auch mal die früheren Nachmittag-Talkshows und die heutigen Scripted-Reality-Shows unter die Lupe nehmen sollen. Da geht's teilweise noch primitiver zu und vermitteln keinen fiktionalen Eindruck, sondern tun so, als sei Deutschland wirklich so. Am Rande wird erwähnt, dass die Geschichten teils frei nacherzählt sind.
3. Das kann alles weg
schwarzeruhu 29.07.2013
Dem Privatfernsehen wird die immer weitere Verblödung wohl nicht zu verbieten sein. Scripted reality shows und immer beklopptere Showformate inklusive. Ärgerlich ist es jedoch, daß die Ö/R die durch eine Zwangsabgabe von uns allen finanziert werden, jeden Unfug nachmachen. Das beginnt bei schrecklich peinlichen Familienhilfeformaten mit Wackelkamera und Fremdscham, geht weiter mit dem wahnsinnig überteuerten Rückkauf einst selbst ausgebildeter ModeratorInnen aus dem Privatfernsehen und endet mit solchen Kleinigkeiten, wie der Einblendung von Bewegtbildbauchbinden als "Programmtip" in laufende Filme. Und das ist längst nicht die ganze Liste. Klar sind die Privaten immer noch ein Stück schlimmer. Aber das kann einfach nicht der Maßstab sein.
4.
lirumlarum_oo 29.07.2013
Jackass gleich Unterschichtenfernsehen? Aus mir ist trotzdem etwas geworden! :) Die Eltern sollten bis zu einem gewissen Alter einfach darauf achten, was ihre Kinder so im Fernsehen anschauen.
5. Von damals
andi/// 29.07.2013
In Zeiten von Festplattenrekordern, Web-TV und Mediatheken ist es natürlich total sinnvoll, die Alterfreigabe nach Sendezeit zu staffeln. Aber das Internet ist ja Neuland für uns alle...
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