Joko und Klaas Rache ist Blutwurst

Joko und Klaas quälen sich im "Duell um die Welt" wieder rund um den Erdball. Interessanter als ihre bestandenen Prüfungen sind dabei die Zumutungen, denen sie sich verweigern.

Klaas Heufer-Umlauf, Joko Winterscheidt
DPA/ ProSieben

Klaas Heufer-Umlauf, Joko Winterscheidt

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Tom und Jerry, Itchy und Scratchy, Joko und Klaas, so geht die ewige Reihe prominenter Piesack-Paare. Die ProSieben-Sterne auf dem Walk of Häme, die natürlich auch das Ende von "Circus Halligalli" überdauern, so stabil stehen sie auf den unverwüstlichen Säulen Gafflust und Schadenfreude.

Und so fremdelt man am Anfang der zwölften Ausgabe von "Duell um die Welt" nur kurz mit der fast schon ein bisschen vergessenen Konstellation, als Joko Winterscheidt, der dank seines Sieg in der letzten Ausgabe vor knapp zwei Jahren den Titel Weltmeister tragen darf, in die Arena einläuft: In einer beleuchteten Iron-Man-Rüstung, irgendwo zwischen Deichkind-Bühnenoutfit und Wearable-Tech-Grabbelkiste. Ach doch, irgendwie hat man die beiden schon vermisst.

Zum ersten Mal wird die Sendung live gesendet, das merkt man vor allem an mäßig spannenden Zuschauer-Mitwirkungen wie einer Abstimmung auf Facebook, welche ekligen Gegenstände die beiden Duellanten beim nächsten Studiospiel gleich mit den bloßen Händen auffangen sollen - Brennnesseln, tote Fische und Schimmelobst, solche Dinge.

Wie immer reißen diese simplen Duelle vor Publikum die cinematische Grandezza der eingespielten Monsteraufgaben in den jeweiligen Ländern direkt mit dem Hintern wieder ein: Über sinnlos viele Runden wird mit Koffertrolleys eine Art Curling oder Baumstamm-Rodeo mit erwartbarem Ausgang gespielt, das leidvoll bekannte ProSieben-Liveshow-Laster, das auch "Schlag den Star" regelmäßig mit Dehnungsstreifen verunziert.

Interessant ist das Format weiterhin nur dann, wenn es neben der eigentlichen Handlung quasi in den Fußnoten gleichzeitig seine eigene moralische Diskussion anstößt. Gleich bei der ersten Aufgabe muss Klaas Heufer-Umlauf über der Wüste Nevadas in 1000 Meter Höhe aus einem Heißluftballon springen, befestigt an einem Seil, das wiederum an ein einem anderen Ballon in gleicher Höhe fixiert ist.

Was ihm vor dem Sprung niemand sagt: Durch seinen Sprung und die Gewichtsverlagerung wird er den zweiten Ballon für einige Hundert Meter in den Sinkflug schicken. Das ist geplant, fühlt sich für Klaas aber wie eine Panne mit möglicherweise fatalem Ausgang an, wie man in seinem panikverzerrten Gesicht unmissverständlich ablesen kann.

Zirkel blässlicher Gruselfoodies

Wie lustig ist Todesangst, darüber kann man dann schon mal ein paar Minuten nachdenken. Und ruhig auch mal darüber, warum die Vorstellung augenscheinlich sehr eklig ist, eine Blutwurst zu essen, die aus dem eigenen roten Saft hergestellt wurde - wenn die Zutat aber aus den Adern eines fremden Schweins stammt, ist es plötzlich ganz okay?

Rache ist Blutwurst - nie war diese schöne Weisheit zutreffender als in dem Moment, in dem Joko bei seiner Aufgabe in China in einen Zirkel blässlicher Gruselfoodies gerät, die sich erst Blut abzapfen lassen, um dann die daraus fabrizierte Wurst in metaphysischer Entrückung zu verspeisen. Selbstverständlich wird die ganze Panscherei von einem Wiener angeleitet, es wäre fast nicht anders denkbar, im Hintergrund dudeln die Anfangsmelodie von "Dexter", dann "Wiener Blut" - und Joko verweigert aus Ekel und zur Wahrung seiner Restwürde. Warum ausgerechnet diese Aufgabe? Das ist interessanter als die Zumutung selbst.

Zuvor hatte schon Klaas aus Vernunftgründen seine Skiabfahrt in der Geröll-Asche des sizilianischen Etna abgebrochen. Beide wirken, vor allem in ihren jeweiligen Begründungen, reflektierter als sonst, aber so ist das vielleicht, wenn man schon zwei Tage später eine eigene Wahlsendung präsentieren soll oder demnächst ein Magazin sein wird - wie Barbara Schöneberger soll Winterscheidt demnächst einem Lifestyle-Magazin seine Persönlichkeit borgen.

Damit es nicht zu vernünftig wird, muss Joko zwischendurch im Bombenschutzanzug in einem polnischen Haus sitzen, das derweil in die Luft gesprengt wird - das ist schon sehr nahe dran an ihren Cartoon-Kollegen Tom und Jerry, die sich gegenseitig brizzelnde Bomben in die Schlünde stecken (auch wenn die Explosion beim "Duell um die Welt" nur ein inszenierter Special Effect ist, was Joko freilich nicht weiß). Auch mit Halluzinations-Honig darf er in Nepal kichrig experimentieren.

Am Ende gewinnt nach viereinhalb Stunden zur Abwechslung trotzdem wieder einmal Klaas die Show - durchaus verdient. Alleine schon für seine minutenlangen Sinnierend-in-die-Landschaft-hinein-Schwadronagen zu Beginn jeder seiner Challenges - solche Poesie findet man heute sonst nur noch in ambitionierten Banken- und Versicherungswerbespots.



insgesamt 29 Beiträge
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schoenwetterschreiberling 10.09.2017
1. War doch schön
Kurzweilige Show mit gewohnten Längen, die für den erfahrenen SdR-Zuschauer die Gelegenheit boten, sich noch ein Getränk zu holen. Klaas hat seine Tauglichkeit für Live-Shows bewiesen: So schlagfertig, wie er immer wieder die Moderation auflaufen ließ, muss man erst mal sein. Besonders köstlich: "wenn das RTL wäre, wärst du Silvie Meiß! " Geradezu putzig wurde es, als peinlich darauf geachtet wurde, den Drogenhonig erst nach Mitternacht auszustrahlen. Nicht dass der eine oder andere Minderjährige den nächsten Sommerurlaub in Nepal verbringen wollen würde.. Einziger echter Wermutstropfen: Die Moderation wurde der Livesituation nicht gerecht.
Frittenbude 10.09.2017
2. Entrüstung
Ich verstehe offengestanden die Entrüstung über das Todesangst-Spiel überhaupt nicht - immerhin sind derartige Geschmacklosigkeiten doch die Seele dieses Formats. Die Autorin sagt es doch eingangs selbst so treffend: "Gafflust und Schadenfreude als tragende Säulen".....
k.k.laake 10.09.2017
3. Fand ich gut
Ich fand auch Jeannine Michaelsen sehr schlagfertig, ich kann mir keine andere Moderatorin vorstellen die den beiden Stars auch mal so Kontra geben würde wie sie. Natürlich ist da einiges gefaket, aber die Einspieler sind meistens das Beste an DudW. Eine der wenigen Sendungen die ich überhaupt noch im TV schaue.
kevinschmied704 10.09.2017
4. fremdschämprogramm
mega schlecht... mehr nicht... diesen honig mit Drogen, sollte wohl den Jamaika Trip toppen. aber damals war das eine spontane Sache, die Moderation, die spiele etc. einfach alles.. wirkte gezwungen. mega schlecht!
germ, 10.09.2017
5. Hirnverbrand
Joko und Claas, was stimmt mit den beiden eigentlich nicht? Nichts gegen Spaß und Unterhaltung, aber es scheint so, als hätten die beiden eine schwere Entwicklungsstörung. Denn wenn man sich in dem alter wie Teenies aufführt, dann stimmt einfach was nicht.
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