Berliner Web-Comedy Und Cheyenne spuckt auf den Teppich

Berlin-Bingo für viel beschäftigte Eichhörnchen: Die ZDF-Webserie "Just Push Abuba" spielt mit Hipster-Hauptstadtfolklore. Und das zum Teil ganz amüsant.

ZDF/ Charlotte Jansen

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Wie schön wäre es, wenn man als in Berlin lebender Zuschauer einfach behaupten könnte: Alles erfunden, komplett überzogen! Amerikanische Dumpf-Blogger auf Durchreise, die "egdy content" für ihren Reiseblog suchen - nie gesehen! Eine Transgender-Regisseurin, die auf der Berlinale ihre "Schließmuskel-Chroniken" ("erzählt aus der Perspektive des Arschlochs") präsentieren will - komplett realitätsfern! Und eine Silicon-Valley-Pitchmaschine mit Startup-Bullshit-Dauerfeuerfunktion, die in ihrem Köfferchen einen Schmuseroboter für Menschen mit emotionalen Verspannungen herumträgt - da hatten die Drehbuchschreiber wohl bisschen viel, höhö, Club Mate getrunken!

Natürlich ist das Personal der Miniserie "Just Push Abuba" ein überdrehter Hühnerhaufen, das Setting der sechs Episödchen, allesamt zwischen sechs und acht Minuten lang, dafür höchst realistisch: Die Berliner WG-Kumpanen Toni, Lucia und Joon vermieten verbotenerweise einen mit Europaletten und Diskretionsvorhängen notdürftig als Zimmer hergerichteten Verhau über eine Internet-Plattform - die ihnen verlässlich immer neues, durchreisendes Wahnsinnspersonal ins Haus schaufelt, die bei aller abstrusen Albernheit immer auch ein kleines, wundes Pünktchen bei ihren Gastgebern finden und mit Salz bestreuen.

Das gelingt mal witziger, mal flacher, manchmal arg vorhersehbar, was aber dank der Kürze der Episoden immer schon vorbei ist, bevor es zu ärgerlich wird.

Englisch in der Berliner Verballhornung

Der Titel "Just Push Abuba" bezieht sich übrigens auf das Klingelschild der WG, auf dem immer noch der Name des Vor-Vormieters steht, obwohl den längst niemand mehr kennt. Passend zum Namen werden auch fast alle Dialoge auf englisch (mit deutschen Untertiteln) geführt, was durchaus plausibel damit erklärt wird, dass die meisten illegalen Mietgäste eben aus anderen Ländern anreisen.

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Web-Comedy: Die WG als Sündenpfuhl

Statt der Oxford-Variante spricht man die lokale Berliner Verballhornung, in deren Vokabular dann doch immer wieder Lücken klaffen. Damit zielt die ZDF-Produktion, nach "Familie Braun" die zweite Web- und TV-Serie, die im TV-Labor Quantum von Das kleine Fernsehspiel entwickelt wurde, auf internationale Zuschauer, die die Episoden ab diesem Freitag bei Youtube finden und sich für dieses Berlin-Bingo für Menschen mit der Aufmerksamkeitsspanne eines viel beschäftigten Eichhörnchens erwärmen können.

Ihnen werden freilich einige der Cameo-Auftritte nicht weiter auffallen, Cheyenne Ochsenknecht etwa hat einen Mikro-Gig als Instagram-Model, kotzt ohne langwierige Handlungsherleitung auf den WG-Teppichboden und verschwindet wieder, YouTuber Freshtorge spielt, arg komödienstadlhaft in der Anlage, den spießigen Hausbesitzersohn, und Friedrich Liechtenstein steht cool-greisig als Gast auf einer WG-Party herum.

Auch ein paar andere feste Berliner Institutionen werden, bis zur Erkenntlichkeit verfremdet, wie kleine Realitätssprenkel über die Spielhandlung gestreut: In der Serie heißt eine Partyfressreihe "Tacos & Techno", in Wirklichkeit "Burgers & HipHop".

Vorsichtshalber nicht verklausuliert: Das Berghain, zumindest eingebildeterweise Berlins größte zielgruppenrelevante Attraktion, spielt sich ganz unverschlüsselt in einer Episode selbst.

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