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Kanzlerin bei Jauch: Solo für den Euro

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Für die Kanzlerin war es wie eine Regierungserklärung vor Millionenpublikum: Mit einem Einzelauftritt bei Günther Jauch hat Angela Merkel die Euro-Schicksalswoche eingeläutet, in der über den vergrößerten Rettungsschirm abgestimmt wird. Ihre Botschaft: Die Lage ist ernst, aber unter Kontrolle.

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dapd

Kanzlerin Merkel bei Jauch: Die Krise erklären

Eigentlich wollte Günther Jauch über den Papst plaudern. Mit Thomas Gottschalk zum Beispiel. Dann aber rief Angela Merkel an: Sie hätte auch Zeit am Sonntag. Also sitzt jetzt die Bundeskanzlerin da, als einziger Gast im senffarbenen Sessel neben Jauch. Gottschalk kann man ja immer noch zu einem anderen Thema einladen. Und der Papst ist sowieso längst weg, als Jauch am Sonntagabend im Berliner Studio auf Sendung geht. Wollte er nicht die Themen für die nächste Woche setzen?

Mit Merkel liegt Jauch da jedenfalls nicht falsch. Es ist eine Schicksalswoche für die Kanzlerin: Am Donnerstag stimmt der Bundestag über den erweiterten Euro-Rettungsschirm EFSF ab, eine Machtprobe für die Kanzlerin, die schwarz-gelbe Mehrheit wackelt. Viel wird derzeit diskutiert über eine Koalition am Abgrund, über mögliche Neuwahlen. Da freuen sich nicht nur Jauch und die ARD über einen Exklusiv-Auftritt der Regierungschefin. Auch Merkel passt das einstündige Solo nach dem "Tatort" bestens ins Programm.

Normalerweise geht sie nicht gern in Talkshows. Die letzten Besuche liegen mehr als zwei Jahre zurück, da war sie nacheinander bei Will, Maischberger und Illner. Damals war Wahlkampf, und schon das zeigt, wie ernst die Lage sein muss, wenn Merkel jetzt die TV-Öffentlichkeit sucht. 60 Minuten Regierungserklärung vor Millionenpublikum, fürs Volk und für die eigenen Leute, ohne lästige Zwischenrufe und Talkshow-Gegner, dafür mit dem wohl beliebtesten TV-Moderator des Landes. Hier kann sie noch mal erklären, wie das alles laufen soll mit dem Euro und mit der Koalition: Willkommen in der Sendung mit der Merkel.

Die Kanzlerin sieht erstaunlich gut aus, fast schon zu gut, wie frisch aus dem Urlaub. So was kann ja schnell falsch verstanden werden in Krisenzeiten. Aber wahrscheinlich wollte die Maske nur, dass Merkels Gesichtsfarbe zur ebenfalls etwas dick aufgetragenen Patina-Atmosphäre des Studios passt. Der Gast jedenfalls versucht dem Eindruck von Erholung entgegenzuwirken. "Ich bin gut beschäftigt", sagt sie und gibt sich betont ernst. Obwohl: Unglücklich sei sie auch nicht. Das ist die Botschaft: Es gibt viel zu tun, aber es ist bei mir in guten Händen. Sorget Euch nicht! Im blauen Blazer ist Merkel gekommen. Farbpsychologen assoziieren blau mit Vertrauen und Verlässlichkeit.

Bekenntnis zur FDP

Und Vertrauen und Verlässlichkeit sind gefragt. "Die Situation ist ernst", sagt Merkel über den Euro. Aber die gemeinsame Währung lohne jede Anstrengung. Auch für die Koalition diagnostiziert sie eine "sehr schwierige, komplizierte" Lage. Der Umgangston gefalle ihr nicht immer. Aber eine Große Koalition? "Da haben wir uns auch fürchterlich gefetzt", warnt sie vor nachträglicher Verklärung. Und die Gemeinsamkeiten mit der FDP seien größer als mit den Sozialdemokraten. Bei der Abstimmung über den Euro-Rettungsschirm werde Schwarz-Gelb eine eigene Mehrheit bekommen, da ist sich Merkel sicher. Die Kanzlermehrheit aber hält sie für verzichtbar, die Vertrauensfrage zu stellen für nicht angezeigt.

Jauch gibt sich Mühe, er lässt ein paar Kritiker in Einspielfilmen sprechen, spielt selbst den Euro-Skeptiker oder zitiert aus einem 13 Jahre alten Euro-Ratgeber der Bundesregierung, in dem steht, dass Deutschland nie für Schuldensünden eines EU-Partners haften müsse. In die Enge treibt er seinen Gast damit nicht. Merkel pariert gelassen. Mal hat die Europäische Union früher bei der Konstruktion der Währungsunion Fehler gemacht, die man nun eben beheben müsse. Mal verstehen der Moderator und auch manche Experten die Komplexität des Problems nicht so ganz. Leicht daherreden geht immer, findet Merkel. Sie aber müsse "Schritt für Schritt" handeln, rechtfertigt sie ihren Kurs, und jeder Schritt müsse kontrollierbar sein.

Diese Schritte dekliniert die Kanzlerin geduldig durch: Griechenland muss seine Reformen durchziehen, sonst gibt es keine weiteren Hilfen. Hellas aus dem Euro auszuschließen, ist keine Option. Die Reform des EFSF ist alternativlos, genauso der dauerhafte Rettungsschirm ESM, der diesen 2013 ablösen soll und auch Staatsinsolvenzen möglich machen soll. Künftig muss es bessere Sanktionsmechanismen gegen Stabilitätssünder geben, dafür sollen auch die EU-Verträge geändert werden. Und für die europäische Finanz- und Wirtschaftspolitik gilt: bessere Koordination ja, eine gemeinsame Finanzregierung nein.

Wirklich Neues ist so von der Kanzlerin an diesem Abend nicht zu erfahren, auch nicht abseits vom Euro. Selbst die kleine Anekdote aus ihrem früheren Berufsleben hat man irgendwo schon mal gelesen: Als sich Merkel einst im Alter von 35 Jahren beim Bundespresseamt um eine Stelle bewarb, wurde sie abgelehnt - wegen zu hohen Blutdrucks. Immerhin können die Zuschauer beruhigt sein. Nicht einmal das wird in diesen aufregenden Zeiten zum Problem für die Regierungschefin. "Seitdem bin ich in guter, ordentlicher ärztlicher Behandlung", sagt Merkel. Das Studiopublikum klatscht dankbar und erleichtert.

So plätschert das Ganze dahin, unaufgeregt, ohne Schärfe und Klamauk, ganz in Merkels Sinn. Am Fernsehgerät dürfte sich mancher wieder ganz geborgen gefühlt haben bei dieser Frau und ihrer zur Schau gestellten Gelassenheit. "Mutti", so wird die Kanzlerin ja gern genannt, bis in die Reihen der CDU. Und Jauch, der gilt als der perfekte Schwiegersohn. Mutti und der Schwiegersohn - das ist Krisen-TV zum Wohlfühlen. Alles im Griff, alles wird gut. Ob bei dieser Inszenierung aber auch die eigenen Leute mitspielen, muss sich in dieser Woche erst noch zeigen.

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insgesamt 551 Beiträge
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1. Langweiler trifft Abwieglerin
baloo55 26.09.2011
Jauch bestätigte sich als Langweiler der Nation, Nachfragen, warum diese Folgen die laut Merkel unweigerlich eintreffen, nach Dominoeffekten, warum Ende des Euros, Ende der europäischen Idee, nicht nur so daher gesagt, sondern handfest begründet - Fehlanzeige. Man musste auf Jauchs Stimmchen hören, mindestens eine halbe Oktave höher als normal. Das war kein Polittalk, keine Antwort auf die Fragen, die im Lande gestellt werden, es war die Menschen am Fernseher vorgeführt und für dumm verkauft. Dazu passten die offenbar handverlesenen Klatsch - Statisten, bitte nicht fälschlicherweise als Publikum im Sinne eines einigermaßen repräsentativen begreifen. Zusammengefasst: Eine einzige Frechheit dem so genannten mündigen Bürger gegenüber.
2. Die Bürger sollen um hunderte Milliarden Euro bestohlen werden
bhayes 26.09.2011
Das ist die Politik von Frau Merkel sowie den Parteikadern der anderen Parteien. Der EFSF-Fonds und erst Recht der ESM-Fonds sind rein kriminelle Organisationen, die den Bürgern noch Unsummen kosten werden und zwar vor allem indirekt durch Kaufkraftentzug aufgrund des Gelddruckens. Sie belohnen vorsätzliche Mißwirtschaft mit frischem Geld. Die Slowakei wird die Sache hoffentlich noch stoppen, siehe hierzu das Dokument http://strana-sas.sk/file/558/EURORETTUNGSSCHIRM%20Der%20Weg%20zum%20Sozialismus.pdf der Regierungspartei SaS. Wir brauchen jetzt einen Volksentscheid zum Thema, siehe z.B. die Initiative "Volksentscheid über die Haftung für fremde Schulden". Denn das Thema kann man diesen Leuten einfach nicht überlassen.
3. schade das Jauch in seiner 3 Sendung nur noch als
chrissie 26.09.2011
Stichwortgeber für eine ratlose Kanzlerin fungiert. Man kann nur vermuten, dass das zum Gesamtdeal gehörte oder warum sollte Jauch sich das antun?
4. Was war das denn?
Unkorrekt 26.09.2011
Regierungserklärung mit abgesprochenen Fragen im pseudo-Interviewstil zur besten Sendezeit - was war das denn? Soll das nun der Ersatz für eine Talkshow sein? - Jauch, ernsthafter Journalist? - Ne, eher Steigbügelhalter.
5. öffentlich rechtliche Propaganda!
allendorfberlin 26.09.2011
Jauch-Veranstalltung ist zu einer reinen Propagandaversanstalltung verkommen. Jauch wurde mit seinen Fragen nicht wirklich unangenehm. Es fragt sich was für ein Puplikum ins Studio gekarrt wurde, dass bei Fragen und bei Antworten vollkommen unkritisch und ohne Sachverstand klatschte. Die Botschaft ist klar! Deutsche haltet bei der Schuldenübernahme die Füße still damit die Vorteil für die Profiteure des Geldmarktes erhalten bleiben! Egal was Merkel erzählt, Deutschland muß Schulden aufnehemen, um die Schulden anderer zu bezahlen. Sie nennt das Zeitkaufen, ich nenne das Sand wortreich in die Augen streuen!
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