ZDF-Beiträge aus dem DFB-Quartier Im Wohlfühlpool mit Katrin Müller-Hohenstein

Fragen zum Teint, zur Lieblingsmusik? Interviews im Swimming-Pool? Die ZDF-Beiträge von Katrin Müller-Hohenstein werfen ein Schlaglicht auf die seichte Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen in Brasilien.

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Manche Zuschauer mögen erleichtert aufgeatmet haben, als das ZDF verkündete, dass Katrin Müller-Hohenstein nicht zusammen mit Oliver Kahn die WM moderieren, sondern aus dem deutschen Quartier Campo Bahia berichten würde. Vielleicht hatte Kahn keine Lust mehr auf sie, vielleicht wollte der Sender auch ein neues Usedom-Desaster verhindern. Vor zwei Jahren hatten Müller-Hohenstein und Kahn bei der EM von einer Bühne auf der Insel eine Art ZDF-Sommergarten moderiert, der mit journalistischer EM-Berichterstattung recht wenig zu tun hatte.

Wie würde sich KMH nun im deutschen WM-Quartier schlagen? Nach einer Woche Pool-Säuseleien im DFB-Quartier steht leider fest: Alles ist noch ein bisschen schlimmer als auf Usedom.

Fairerweise muss zunächst einmal festgehalten werden: Sie hat einen sehr undankbaren Reporterjob. Das DFB-Quartier ist so abgeschottet, dass selbst die NSA Probleme hätte, dort Informationen zu erhalten. Da wird also kaum ein Trainer die Startaufstellung ausplaudern, sich einer der Ersatzspieler über Jogi Löw beschweren. Oder gar ein Kicker behaupten, die gute Stimmung im Team komme gar nicht vom 4:0-Sieg gegen Portugal, sondern von feucht-fröhlichen Pokernächten im Zimmer von Per Mertesacker.

WM-Wohlfühlfernsehen

Um an Informationen zu kommen, verfolgt KMH daher ihre eigene Strategie: Sie versucht, eine entspannte Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Neben den Standardantworten zur sportlichen Lage will sie so Näheres aus dem Innenleben des Quartiers erfahren. So etwas kann ja unterhaltsam sein, auch wenn der Erkenntnisgewinn eher gering ist.

Im Campo Bahia saß Katrin Müller-Hohenstein nun gewissermaßen auf dem Schoß von Hansi Flick und besäuselte ihn ernsthaft mit dem Satz: "Sie haben so eine tolle Farbe!" Und sie erkundigte sich nicht nur nach Flicks toller Farbe ("Das ist eher so eine Bauarbeiterbräune"), sondern auch, was er morgens um "sieben, acht, halb neun" macht, wenn Jogi Löw joggen geht. (Antwort Flick: aufs Bike oder Yoga). Sie fragte ihn auch, welche Musik er hört, weil sich Oliver Bierhoff doch öfter über die Lautstärke beschwere (Antwort Flick: keine, dafür aber Jogi Löw Udo Jürgens!).

Immerhin führte sie dieses Interview diesmal im Garten auf Stühlen und nicht - wie vor ein paar Tagen mit Lukas Podolski - am Pool mit im Wasser baumelnden Füßen. Und auch am Donnerstagabend war spätestens dann ja alles wieder gut und vergessen, als es für Flick die tollen ZDF-Flip-Flops in der richtigen Größe gab, über die sich auch schon die anderen Interviewpartner so sehr gefreut haben.

Ein feines Marketinggimmick sind sie, diese ZDF-Flip-Flops, und vielleicht symbolisieren sie ja genau das wahre Problem des Wohlfühlfernsehens der Katrin Müller-Hohenstein. ARD und ZDF haben für das Produkt Fußball-WM ein Heidengeld bezahlt. Und nun versuchen die Öffentlich-Rechtlichen, dieses Produkt ihren Kunden unterzujubeln. Nur sind Zuschauer eben doch keine Kunden, sondern Gebührenzahler - die auch so etwas wie Journalismus für ihr Geld erwarten.

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insgesamt 103 Beiträge
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Ober_Gumbo 20.06.2014
1. Keine WM im Radio !
Dafür wird im Radio keine WM übertragen - von den deutschen Spielen mal abgesehen. Dumm, wenn man im Auto unterwegs sein muss. Aber dafür wurde ja lange über Ausschlafen und Schulverschiebung geschrieben - da muss man dann nicht auch noch über die fehlende Versorgung im Radio berichten......
lordofaiur 20.06.2014
2. Richtig
Zitat von sysopZDFFragen zum Teint, zur Lieblingsmusik? Interviews im Swimming-Pool? Die ZDF-Beiträge von Katrin Müller-Hohenstein werfen ein Schlaglicht auf die seichte Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen in Brasilien. http://www.spiegel.de/kultur/tv/katrin-mueller-hohenstein-seichte-zdf-beitraege-aus-campo-bahia-a-976345.html
Ganz meine Meinung. Ich habe nichts gegen GEZ-Gebühren, ich zahle sie gerne wenn Qualität geliefert wird. Aber das ZDF ist mit KM/H sowas von unterirdisch das gibts gar nicht. Da lob ich mir die ARD mit Scholl, das hat immer wieder was erfrischendes. Es geht um Fußball und nicht um die Sonnenbräune von Flick.
dosmundos 20.06.2014
3.
Stellt sich die Frage, was die gute Frau Ihrer Meinung nach statt dessen tun sollte. Das Fußballvolk erwartet Nachrichten aus dem Lager der Nationalmannschaft. Also kann ja dann auch nur das kommen, was dieses Lager nach außen dringen lassen will, und wenn es nur belanglose Wohlfühl-Interviews sein sollen, dann beschränkt es sich eben darauf. Alternative: man berichtet gar nichts von der Nationalmannschaft, außer von der täglichen PK, und füllt die Sendezeit mit journalistisch hochwertigen investigativen Berichten aus den Favelas oder dem Dschungel. Oder man tritt der MaFIFA mal richtig auf die Füße. Ob das den Zuschauer in der berüchtigten breiten Masse mehr interessiert?
DuDDle 20.06.2014
4.
Ich erinnere mich noch an Südafrika: Im Studio vor Ort waren Oli Kahn und Moderator; Einmal wusste Oli nichtmehr in welche Kamera er schauen soll. Da stellen sich mir folgende Fragen: Ist es nötig, daß -dieses Smalltalk vor Ort stattfindet? -mehere Kameras, inklusive Kameramann etc. für 2 Personen benutzt werden? -das im damals neuen FullHD gemacht werden musste. Reichen dafür nicht alte Kameras aus? Wenn man die Kosten bedenkt, die notwendig sind um das ganze auf diese Art zu gestalten und was man einsparen könnte, wenn man das in Deutschland in einem vorhandenen Studio dreht und das ganze wahrscheinlich ohne merklichen Qualitätsverlust, dann wird zumindest mir übel. Mit dem gesparten Geld könnte man Rundfunkgebühren senken oder mal gute Serien statt Silbereisen, Pilcher, Wetten Daß, Tatort, Soko Dorfsoundso oder was sonstnochso produziert wird, das ich nicht schaue.
DanielDüsentrieb 20.06.2014
5. Kritisieren kann jeder
Lieber Dirk, Deine Kritik ist unangebracht. Es gibt schon genug Pseudofachleute, die den ganzen Tag an Aufstellung und Spielern rumdeuten. Da war es erfrischend, daß Katrin mal anders gefragt hat. So wissen wir wie es mit der Musik steht und das Laptops verboten sind - hatte vorher noch keiner erklärt. Laß Katrin machen und Du kannst ja mal Fußballer interviewen, dann schauen wir, ob Du schlauere Fragen stellst. Nach Deiner Kritik hier, kann ich es mir aber nicht vorstellen.
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