Kohls Söhne bei Lanz: "Eine Demonstration für Hannelore Kohl"

Von

Die Kohls: Geschichte eines Zerfalls Fotos
DPA

Das Verhältnis zum Vater Helmut Kohl ist zerrüttet: Im ZDF-Talk bei Markus Lanz treten die Söhne Walter und Peter gemeinsam auf. Sie werben für ein wieder aufgelegtes Buch, das die Erinnerung an ihre Mutter Hannelore Kohl hochhalten soll.

Berlin - Walter Kohl war schon mal bei Markus Lanz. Damals, vor zwei Jahren, als sein Buch über sein Verhältnis zum Vater auf den Bestsellerlisten ganz oben stand. Monatelang.

Der Zerfall der Familie des Altbundeskanzlers Helmut Kohl ist ein Stoff, der viele Deutschen fasziniert. Diesmal ist Walter Kohl mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Peter, 47, ins ZDF gekommen. Wieder geht es, wie 2011, um ein Buch, ein Werk über Hannelore Kohl, das Peter Kohl bereits 2002 mit einer Journalistin publiziert hat. Und das nun, versehen mit einem von ihm verfassten, längeren Vorwort, als Neuauflage auf den Markt kommt.

Nächste Woche wäre Hannelore Kohl 80 Jahre alt geworden. In der Nacht vom 4. auf den 5. Juli 2001 nahm sie sich das Leben, es war ein Einschnitt für die Kohls. Sohn Peter sagt über seinen Vater: "Ich habe nie in meinem Leben erlebt, dass er handlungsunfähig war. Aber an diesem Tag war er vollkommen handlungsunfähig."

Lanz hat noch drei weitere Gäste geladen, aber sie sind mehr oder weniger nur Staffage: die beiden Moderatoren Katja Burkard und Alexander Bommes und der Starkoch Alfons Schubeck. Artig dürfen sie sich über Hannelore Kohl auslassen, Burkard hat sie mal als junge Journalistin kennengelernt, Schubeck mit ihr gekocht.

Doch im Mittelpunkt des Talks stehen die beiden Söhne des Altbundeskanzlers, der das Land 16 Jahre lang regiert und geprägt hat. Viel ist über das zerbrochene Verhältnis der beiden zum Vater schon geschrieben worden, vor allem von Walter Kohl. Die Kohl-Söhne fechten seit zwei Jahren an vielen Fronten, medial und juristisch. Ihnen geht es um ihr Bild der Wahrheit.

Gerade haben sie einen gerichtlichen Erfolg gegen Heribert Schwan errungen, einen Journalisten, der ihre Mutter gut kannte und der über sie 2011 ein Buch geschrieben hat. Schwan hat darin behauptet, die Söhne hätten die schwer erkrankte Mutter, die an einer Lichtallergie litt, am Ende allein gelassen, sie habe schon einmal Anfang der neunziger Jahre einen Selbstmordversuch unternommen. "Unsinn", sagt Peter Kohl, das seien "frei erfundene Details".

Die Söhne, das wird bei Lanz im ZDF deutlich, sehen sich als eine Art Gralshüter - sie wollen gegen die vielen unterschiedlichen Bilder, die in den Medien, in Büchern und Interviews über ihre Mutter kursieren, ihr eigenes Bild setzen.

Vieles ist in den vergangenen Jahren über Kohl, vor allem über seine zweite Ehefrau Maike Kohl-Richter geschrieben worden - wie sie nach seinem schweren Treppensturz 2008 angeblich den Kreis der früheren Begleiter immer kleiner machte und mehr und mehr Personen ausschloss. Das nehmen ihr die Söhne übel, denn auch sie fühlen sich als Ausgestoßene. Es gibt viele Familien in Deutschland, die nicht mehr miteinander können, ja wollen. Aber es gibt wohl kaum eine Familie, die ihr Auseinanderleben in den vergangenen zwei Jahren so ausführlich dokumentiert hat.

Die Söhne halten wenig von Maike Kohl-Richter

Die Söhne haben daran maßgeblichen Anteil. In der Neuauflage seines Buches hat Peter Kohl eine Passage geschildert, eine Mutmaßung, die natürlich auch in der Sendung ihren Platz findet: Dass Helmut Kohl mit Maike Richter, die in den neunziger Jahren im Kanzleramt arbeitete, schon damals ein Verhältnis eingegangen sei. Walter Kohl erzählt, wie er von einem engen Vertrauten seines Vaters 2005 auf dessen 75. Geburtstag davon erfuhr. "Ich muss sagen, dass das heute für mich kein großes Thema mehr ist", sagt Walter Kohl bei Lanz. Es ist ein merkwürdiger Satz, weil gerade diese Neuigkeit die Aufmerksamkeit der Medien für das Buch seines Bruders geweckt hat.

Lanz arbeitet an diesem Abend die Themen ab, die bereits sattsam bekannt sind aus dem Buch Walter Kohls: das Leben der Kinder zu Zeiten des RAF-Terrorismus, die letzten Monate der Mutter. Es ist nur der Vorlauf für die eigentliche Frage, die auch nach dieser Sendung nicht wirklich erhellt wird: Warum die Söhne den Familienstreit mit der zweiten Frau des Vaters weiter an die Öffentlichkeit tragen? Warum das ganze kein Ende findet?

Nur eines wird sehr bald bei Lanz klar: Die Söhne halten wenig von Maike Kohl-Richter, Jahrgang 1964. Sie werfen ihr vor, den Zugang zum Vater zu kontrollieren, ihn abzuschirmen von ihren Familien, ihren Frauen und Kindern, Kohls Enkelkindern. Peter Kohl muss sich für einen Augenblick sammeln, als er erzählt, wie er im Mai 2011 das letzte Mal mit seiner Tochter seinen Vater besuchte. Helmut Kohl habe sich sehr gefreut, ihnen dann aber bedeutet zu gehen: "Sonst gibt es wieder riesigen Ärger."

Die Kinder und die zweite Ehefrau des Vaters - in vielen Familien geht das oft nicht gut. Bei den Kohls aber ging es offenbar gründlich schief. Dabei hätten sie sich über eine neue Frau an der Seite ihres Vaters gefreut, erzählen sie. "Wir fanden das gut", sagt Walter Kohl. Schon die erste Begegnung in einem Café am Kurfürstendamm in Berlin missriet: Maike habe ihm erklärt, erzählt Peter Kohl, sie und ihr Bruder seien "auch Kohlianer", woraufhin er scherzhaft zurückgefragt habe - "Koreaner?"

"Ich weiß nicht, ob das eine Beziehung im klassischen Sinne ist", sagt er. "Jedes Gespräch war auch eine Lobhudelei über meinen Vater", ihre Berliner Wohnung sei voller Bilder und Andenken an Helmut Kohl. Peter Kohl, dem fast Gleichaltrigen, kam es vor, als laufe "eine Propagandasendung über meinen Vater ab".

Es sind bislang unbekannte Details aus dem großen Klein-Klein der kohlschen Familienfehde, die da ausgebreitet werden, vor einem Millionenpublikum. "Warum", fragt schließlich Lanz, "dieser Gang an die Öffentlichkeit?" Sie wollten Fürsprecher ihrer Mutter sein, sagt Walter Kohl: "Wenn man so will, ist das heute Abend eine Demonstration, ohne Fahnen, ohne Plakate, für Hannelore Kohl."

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 134 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Abschirmung von den eigenen Kindern
xehris 01.03.2013
Dass Kohls Frau ihren Mann von seiner eigenen Famillie abschirmt, zeigt ihren Charakter. Der Frau geht es anscheinend nur darum, ihren Helmut allein zu besitzen. Für die Söhne ist dies eine schwere Demütigung, kein Wunder, dass sie damit an die Öffentlichkeit gehen.
2. Wenn man das liest...
danyffm 01.03.2013
ist die Familie nur zu bedauern. Allerdings kann ich die Birne seit seinem Partei-Spendenskandal nicht mehr ertragen, für den NORMALOS jahrelange in den Knast gegangen wären.
3. hanswürstchen
r.wawer 01.03.2013
kohl habe ich nie sonderlich gemocht. dass aber seine söhne im licht ihres berühmten kranken vaters offenbar nur mit vaterklatsch geld verdienen und die fahne der gerechtigkeit gegenüber der verstorbenen mutter schwenken, finde ich bedauerlich -- für die söhne (hanswürstchen?) und für die öffentlichkeit (endlich kommt der große ex-bundeskanzler-klatsch)
4. Warum
hschmitter 01.03.2013
soll ich Zuschauer bei dem Zerfall einer Familie sein ? Das ist eine private Sache.
5. Warum die Söhne das machen?
morgenpost22 01.03.2013
Weil Sie hoffen, dass ein Staatsanwalt anfängt, wegen Freiheitsberaubung zu ermitteln
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik TV
RSS
alles zum Thema Helmut Kohl
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 134 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Helmut Kohl: Der abwesende Vater

Fotostrecke
Helmut Kohl: Kanzler der Einheit

"Entscheidend ist, was hinten rauskommt"

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil