Emmys 2013: Etablierte stechen Newcomer aus

Von Hannah Pilarczyk

Emmys 2013: Etablierte stechen Experimente aus Fotos
AP

Ob "Big Bang Theory", "Homeland" oder "Breaking Bad": Die Gewinner der diesjährigen Emmys sind alte Bekannte. Neue Plattformen wie Netflix gingen mit umjubelten Serien wie "House of Cards" dagegen leer aus. Warum bloß?

Viel war in den vergangen Jahren die Rede von einem neuen goldenen Zeitalter des Fernsehens. Serien würden das Kino übertreffen - an dramaturgischer Raffinesse, überraschenden Stoffen, unbequemen Helden, überhaupt: an Innovationskraft. Doch sieht man sich die Emmys 2013 an, scheint sich auch das Fernsehen Neuerungen zu verschließen. Geehrt wurde das Etablierte, Wagemut höchstens freundlich zur Kenntnis genommen.

Das fing mit der erneuten Auszeichnung von Claire Danes ("Homeland") als bester Drama-Hauptdarstellerin an, setzte sich aber am eindrücklichsten mit dem Stillstand in der Kategorie Comedy fort. Dort gingen die Hauptpreise für die beste Comedy und für die beste Hauptdarstellerin an die Vorjahresgewinner "Modern Family" beziehungsweise Julia Louis-Dreyfus ("Veep") - und der als bester Hauptdarsteller ausgezeichnete Jim Parsons hat auch schon zwei Emmys zu Hause stehen.

Die Genre-Erneuerer Louis C.K. ("Louie") und Lena Dunham ("Girls") wurden dagegen in allen drei beziehungsweise fünf Kategorien, für die sie nominiert waren, übergangen. Die wiederbelebte Comedy "Arrested Development" (erstmalig 2003 bis 2006), die neue Maßstäbe in Sachen Gag-Dichte und Sperrigkeit fürs Genre setzte, wurde in den wichtigsten Kategorien gar nur mit einer Nominierung für den besten Hauptdarsteller abgespeist.

Ob es daran lag, dass "Arrested Development" wie auch "House of Cards" auf dem Videoportal Netflix läuft? Neuere Plattformen hatten es bei dieser Preisrunde jedenfalls bemerkenswert schwer. Selbst "Breaking Bad"-Macher Vince Gilligan war überrascht, dass seine Serie den Vorzug vor "House of Cards" erhielt und als bestes Drama ausgezeichnet wurde. Als Würdigung für eine epochale Serie, die kurz vor dem Abschluss steht, geht dieser Preis natürlich in Ordnung - genauso wie der überfällige Sieg von Anna Gunn als beste Nebendarstellerin.

Auffangbecken und Kaderschmiede

Doch dass "House of Cards"-Hauptdarsteller Kevin Spacey seiner Favoritenrolle nicht gerecht wurde und in einem starken Feld ausgerechnet dem wenig beachteten Jeff Daniels ("The Newsroom") unterlag, gab schon zu denken. Denn auch ein anderer Serienneuling, der Sundance Channel mit Jane Campions Krimi-Serie "Top of the Lake", ging trotz sieben Nominierungen leer aus.

Natürlich, riesig sind die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Plattformen nicht - zumal "Top of the Lake" auch nicht der große Wurf ist, den man von Oscar-Gewinnerin Campion hätte erwarten können, und es nicht zu vergessen gilt, dass "House of Cards" ein Remake eines britischen Formats ist. Gerade deshalb ist die Marginalisierung von neuen Mitbewerbern wie Netflix oder Sundance Channel aber fragwürdig. Musste sich das Fernsehen nicht selbst vor wenigen Jahren noch mühsam den Ruf als ästhetisch anspruchsvolles Medium erkämpfen? Will man jetzt das Internet noch so lang wie möglich auf Abstand halten, bevor sich der ganz große Bruch vollzieht?

Blickt man auf die Preise in der Kategorie Fernsehfilm oder Mini-Serie, scheint ein Weckruf fürs Fernsehen aber dann noch nicht nötig zu sein. Mit dem Liberace-Biopic "Behind the Candelabra" (Preise für Steven Soderbergh als bester Regisseur und Michael Douglas als bester Hauptdarsteller) setzte sich ein von Kritikern wie Zuschauern gleichermaßen geliebtes Projekt durch, dessen Finanzierung im Filmgeschäft nicht möglich war. Und dass David Fincher eher einen Emmy als einen Oscar als bester Regisseur gewinnt, dürften nicht wenige als richtungsweisend erachten.

Das Fernsehen als Auffangbecken für alte Hollywood-Stars und Kaderschmiede für die neue "A List" - eigentlich glänzt das goldene Zeitalter doch noch sehr stark.

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1. Warum bloß?
BettyB. 23.09.2013
Wer die Kohle hat, hat das Sagen. Das ist da drüben eben auch so wie hier. Weshalb waren denn die wichtigsten Themen der Wahl für die Medien nicht politischen Argumente, sondern Nebensächlichkeiten wie Steinbrücks seltsam dummerhaften Sprüche, sein Finger, der Grünen Veggie-Day und die seit 25 Jahren geklärten Verirrungen der Befürworter der Straffreiheit für gewaltlose Pädophilie? Um nicht missverstanden zu werden, das ist keine Kritik an der Presse, denn Gutverdienern ist zumeist das Elend der Vielen egal,peinlich nur, dass die von Merkels arbeitspolitischem Versagen Betroffenen sie ja wohl auch noch mehrheitlich gewählt haben. Und bei den Emmys geht es eben ums Geschäft der Insider und nicht der Newcomer...
2. Jury-Preise haben keinen wirklichen Wert
kaynchill 23.09.2013
Die wichtugen Preise sind der Peoples- und der Teens-Choice-Award. Der Zuschauer bestimmt am Ende immer noch welche Serie oder welcher Film floppt oder toppt. Hast nen Emmy als bester Schauspieler gewonnen? Toll, ist eine Ehre aber mehr auch nicht. Dann guckt man sich mal die Schauspieler an die Peoples-Choice-Awards gewinnen. Danach fließt das große Geld, Gewinner-Serien werden schnell um mehrere Staffeln verlängert. Was bringt einem Sender eine Serie die 5 Emmys gewinnt aber keiner guckt sie? Es geht um Quoten, nichts anders. Von daher sind Jury-Awards relativ sinnlos.
3. Pure Angst!
cassandra_apollon 23.09.2013
Die Macher von Film und TV werden umdenken müssen. Konzepte, Form, Länge, etc. werden sich ändern, die gesamte Industrie befindet sich in einem radikalen Wandel. Und alle, die sehr viel Geld verdienen, wollen an ihren alten Seilschaften festhalten. Siehe Kevin Spacey's Speech in Edinburgh: http://www.youtube.com/watch?v=P0ukYf_xvgc Power to the audience! Die Macht des Publikums wird sich sowieso durchsetzen! Die Viewer werden entscheiden, was sie sehen wollen.....((-;
4. Jeff Daniels...zu Recht geehrt
eishockeyoma 23.09.2013
mit einem Emmy, denn gerade die erste Staffel von "The Newsroom" lebt von Jeff Daniels und seiner bemerkenswerten Rhetorik als Anchorman. Diese Rolle hat so gar nichts mit den "alten" Rollen wie Dumm und Dümmer zutun.
5. So daneben war es wohl nicht
optaeck 23.09.2013
Wie der Autor selbst sagt, ist die Qualitätsdichte bei den genannten Serien enorm hoch. House of Cards ist eine sensationell gute Show. The Newsroom aber eben auch. So gesehen ist es einfach Pech und nicht Innovationsarmut bei den Machern und Juroren. Ich frage mich immer, warum wir in Deutschland mit den Milliarden des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nichts Vergleichbares hinkriegen.
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