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Online-Petition gegen Markus Lanz: Schalten Sie doch einfach um

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Moderator Lanz. Brauchen seine Gäste wirklich unseren Schutz?

Eine Online-Petition fordert das ZDF dazu auf, Markus Lanz wegen eines umstrittenen Interviews mit Sahra Wagenknecht zu feuern. Der Aufruf ist töricht.

Womöglich weiß Sahra Wagenknecht gar nicht, wie ihr geschieht. Seit einer Woche wird die streitbare Frontfrau der Linken von einer Welle der Sympathie getragen. Und das nicht, weil sie mal wieder gegen die Macht der Banken oder die Politik der Regierung gewettert hat. Die etwas rüde, sicherlich auch plumpe Gesprächsführung eines Talkshowmoderators hat ausgereicht, damit der Politikerin die Herzen der Zuschauer zufliegen.

Gastgeber Markus Lanz steht seither am Pranger. Fast hunderttausend Menschen haben im Internet inzwischen eine Petition unterzeichnet, mit der sie das ZDF auffordern, sich von dem Moderator zu trennen. Der Schock über den Auftritt von Lanz sitzt offenbar so tief, dass viele erst jetzt den Heldenmut aufbringen, sich offen gegen ihn zu stellen. Am vergangenen Freitag, dem Tag nach der Ausstrahlung, hatten weniger als tausend Menschen die Petition unterzeichnet. Dann griff der Medienjournalist Stefan Niggemeier das Thema auf und der Proteststurm gewann an Fahrt. Allein am Mittwoch, sechs Tage nach Ausstrahlung der Sendung, unterzeichneten fast 50.000 Menschen die Petition.

Haben die keine Fernbedienung?

Über die Fragetechnik des Markus Lanz lässt sich sicherlich streiten. Aber: Seit wann darf ein Journalist nicht mehr kritisch nachfragen? Und niemand ist gezwungen seine Sendung einzuschalten. Wem sie nicht gefällt, der kann zwischen zig anderen Fernsehkanälen wählen, darunter ein gutes Dutzend gebührenfinanzierter. Auch die öffentlich-rechtlichen Programme unterliegen dem Quotendruck, die Fernbedienung ist in dieser Hinsicht ein demokratisches Instrument. Das mag man kritisieren, darin liegt aber die wahre Chance für die Lanz-Kritiker. Wenn sie genügend Leute davon überzeugen, aus- oder wegzuschalten, ist seine Sendung schnell Geschichte.

"Aber wir finanzieren den Quatsch mit unseren Gebühren", zetern die Unterzeichner der Petition außerdem. Allein 2012 hat die GEZ Gebühren in Höhe von 7,5 Milliarden Euro eingenommen. Markus Lanz soll mit der Moderation seiner Talkshow pro Jahr 250.000 Euro verdienen. Damit mag er überbezahlt sein. Gemessen an den Gesamteinnahmen - und an den Ausgaben für andere Projekte der Öffentlich-Rechtlichen - schrumpft das Gebührenargument aber schnell auf das zusammen, was es ist: populistischer Quatsch.

Und Sahra Wagenknecht? Braucht sie wirklich unseren Schutz? Markus Lanz moderiert eine Unterhaltungssendung, in der Gäste anders befragt werden als von Sandra Maischberger oder Maybrit Illner. Hierher kommen Leute, die etwas verkaufen wollen: ein neues Buch, eine neue CD oder eben eine Botschaft. Das weiß Wagenknecht, und das konnte sie in der fraglichen Sendung auch tun: Sie hatte alle Redezeit der Welt, um die Programmatik ihrer Partei darzustellen.

Wagenknecht ist aus freien Stücken in die Show gegangen. Mehrfach war die Politikerin, ohnehin nicht bekannt dafür, das Scheinwerferlicht zu scheuen, in den vergangenen Jahren zu Gast. Offenbar hatte sie nie Grund zur Klage. 2013 trat Wagenknecht in mindestens neun TV-Talkshows auf. Es ist töricht, sie nun zum Medienopfer zu stilisieren.

Lanz-Momente

Markus Lanz moderierte "Wetten, dass..?" ins Quotentief: Die Februar-Ausgabe der Samstagabendshow wollten nur 5,85 Millionen Menschen sehen. Ein historisches Tief. ZDF-Intendant Thomas Bellut ließ sich kurze Zeit später mit den Worten zitieren, er wisse nicht, wie lange es die Sendung noch geben werde.

Lanz ist sich selten für etwas zu schade. Im März 2013 bekam er beispielsweise eine Schokoladen-Dusche ab.

Ein besonders umstrittener Auftritt von Markus Lanz war sein Gespräch mit Sahra Wagenknecht: Mit der Phrase "Da muss ich einmal einhaken" unterbrach der Moderator Anfang des Jahres seinen Gast wiederholt und mit einer inhaltlich nicht nachvollziehbaren Penetranz.

Zuschauerin Maren Müller aus Leipzig startete daraufhin die Online-Petition "Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr!" - und hatte nach wenigen Tagen mehr als 60.000 Unterschriften (siehe Screenshot von openpetition.de). In ihrer Begründung ist nachzulesen, dass sie auch politisch motiviert ist: Sie wirft Lanz vor, vor allem mit linken Politikern ein Problem zu haben.

Markus Lanz bei der Oktober-Ausgabe von "Wetten, dass..?": Für seine Moderation des Samstagabend-Klassikers musste der ZDF-Mann viel Kritik einstecken - und sinkende Einschaltquoten hinnehmen.

Eigentlich erstaunlich, denn skurrile Momente gab es zuhauf bei Markus Lanz.

Halbnackter Protest im TV-Studio: Zwei Femen-Aktivistinnen haben die Talkshow von Markus Lanz gestürmt. Es war nicht der erste Moment in einer Lanz-Sendung, in der sich die Zuschauer gefragt haben dürften, was da los ist.

So sicherlich auch bei seinem Jahresrückblick "Menschen 2013". Auf dem Bild zumindest guckt Dieter Hallervorden recht irritiert hinter dem Sofa hervor.

Und noch ein Beispiel: Erst im November 2013 gab es bei "Wetten, dass..?" ein bizarres Zungenspiel zu beobachten. Anlass war eine Wette: Der Kandidat will die Zahnpasta, die seine Freundin vorher benutzt hat, beim Zungenkuss erschmecken.

Auch Lanz selbst sorgt für Tiefschläge. Hier sieht man ihm in der wohl schlechtesten "Wetten, dass..?"-Ausgabe beim Limbotanzen. Er wäre am liebsten selbst aus dem Studio gerannt, erzählte Lanz im Dezember 2013 dem Magazin "Stern".

Weitere skurrile Highlights: Der schottische Schauspieler Gerard Butler schüttet sich in der Show vom Juni 2013 Eiswürfel in seine Hose - und Lanz lacht sich im Hintergrund kringelig.

Dauer-Werbesendung? TV-Moderator Stefan Raab durfte bei Lanz einen von ihm entwickelten Duschkopf ausgiebig anpreisen.

Zusammen mit den Köchen Alfons Schuhbeck (l.) und Alexander Herrmann (r.) schnallte er sich auch schon ein Sixpack-Imitat um.

Den Gästen blieb ebenfalls wenig erspart. US-Schauspieler Tom Hanks musste im November vergangenen Jahres in der ZDF-Show plüschige Katzenohren tragen.

Hinterher lästerte Hanks über die quälend langwierige Familiensendung.

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insgesamt 670 Beiträge
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1.
muellerthomas 23.01.2014
Zitat von sysopDPAEine Online-Petition fordert das ZDF dazu auf, Markus Lanz wegen eines umstrittenen Interviews mit Sahra Wagenknecht zu feuern. Der Aufruf ist töricht. Sein Talkshow ist reine Unterhaltung und die Linken-Politikerin kein Medienopfer. Und wer Lanz nicht mag, kann jederzeit zur Fernbedienung greifen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/kommentar-zur-online-petition-gegen-markus-lanz-im-zdf-a-945136.html
Soll und darf er ja, hat er jedoch nicht gemacht. Genau darum geht es doch. Die Redezeit hatte sie gerade nicht, weil Lanz sie ständig unterbrochen hat.
2. Abschalten ist nicht das Problem...
yast2000 23.01.2014
Das Problem ist, am nächsten Tag mit "erwachsenen" Menschen reden/diskutieren zu müssen, die sich diese Diskussionskultur "reinziehen", nachmachen und damit letztlich den intellektuellen Horizont einer knienden Ameise verkörpern.
3.
axelkli 23.01.2014
100% d'accord. Außerdem fand ich es klasse, daß Lanz es dieser linken Uschi mal so richtig schön hingerieben hat.
4. optional
mczeljk 23.01.2014
Nein, dieser Aufruf ist insofern nicht töricht, als das wir seit letztem Jahr per Zwangsabgabe zur Zahlung verpflichtet sind. Ich finde es gut, dass sich Leute dafür engagieren, dass von diesem Geld nicht jeder Schwachfug mitfinanziert wird.
5. schwach
xylitol 23.01.2014
ganz schwach.... Hauptsache dagegen... es wurden fundamentale Gesprächsregeln missachtet... Aber klar... sorry... einfach nur schwach....
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