"Generation Kill" - Wenn's heiß wird im Humvee
Kriegsfilme oder -serien haben immer dasselbe Problem: Sie wollen nicht heroisieren und tun es am Ende natürlich doch, weil sich der Zuschauer zwangsläufig mit den Hauptfiguren identifiziert, mit ihnen leidet, sich mit ihnen freut, mit ihnen wütend ist - über die Sinnlosigkeit der Mission, über das wochenlange Warten auf den Einsatz, die Idiotie der Vorgesetzten, die schlechte Ausrüstung.
Auch "Generation Kill" enthält dieses Dilemma, aber die Miniserie von dem "The Wire"-Schöpfer David Simon und Ed Burns kommt dem Ziel, lakonisch, unpathetisch und so authentisch, wie es eine fiktionale Erzählung zulässt, zu schildern, beeindruckend nah. Das liegt vor allem daran, dass ein echter Augenzeugenbericht als Basis diente: Der "Rolling Stone"-Autor Evan Wright war als embedded reporter dabei, als eine Einheit US-Marines im Trainingslager in Kuwait den Marschbefehl erhielt und auf eine Odyssee durch den Irak bis nach Bagdad aufbrach. "Generation Kill" erzählte von dieser Reise durch den jüngsten Golfkrieg der Amerikaner zu einem Zeitpunkt, als der von George W. Bush gestartete Feldzug in der Heimat bereits reichlich bitter schmeckte und nach Niederlage roch.
Doch um die großen Zusammenhänge geht es nicht in dieser verwackelten, verschwitzten, mit Gewaltausbrüchen und deftigem Soldatenhumor ausgestatteten Serie, die ein wenig wie der schmuddelige kleine Bruder zu HBOs Weltkriegs-Heldensaga "Band of Brothers" wirkt. Über Sinn und Unsinn des Kriegs wird hier nur am Rande zynisch geurteilt, vorzugsweise beim Pinkeln in den Wüstensand, wenn der eine Soldat zum anderen sagt: "It's destiny, dog: White man's gotte rule the world." Die neue Generation von Marines, schrieb Wright im Vorwort zu seinem gleichnamigen Buch, sei eine ganz andere Spezies als die Vietnam-Soldaten oder die "Greatest Generation", die in Europa gegen Hitler zu Felde zog. Aufgewachsen mit HipHop, "South Park" und Videospielen seien die jungen Männer unsensibler gegenüber Gewalt und respektloser gegenüber Autoritäten.
"Generation Kill" erzählt vom Kriegsalltag dieser Jungs, die im Humvee durch den Irak rollen und dabei lauthals "Hot in Here" von Nelly singen oder sich über absurde Schnurrbart-Verbote aufregen. Reporter Wright, gespielt von Lee Tergesen, ist immer dabei, mal staunend, mal entsetzt, mal berauscht vom Adrenalinkick des ersten Zusammentreffens mit bewaffneten Feinden. Und der Zuschauer mittendrin, embedded auf Gedeih und Verderb.
So wird "Generation Kill" zum Bindeglied zwischen Sam Mendes' Grunt-Groteske "Jarhead" und Brian De Palmas missglückter Anti-Kriegs-Propaganda "Redacted". Näher dran kamen Film und Fernsehen bisher nicht. Andreas Borcholte
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