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Kritik an "Tatort Internet": Leutheusser-Schnarrenberger gegen RTL-2-Pranger

In die Debatte um das umstrittene RTL-2-Fernsehformat "Tatort Internet" hat sich nun die Bundesjustizministerin eingeschaltet. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger warnt, der Rechtsstaat könnte durch das öffentliche Bloßstellen vermeintlicher Kinderschänder in eine Schieflage geraten.

"Tatort Internet": Im TV enttarnt Fotos
RTL II

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat sich vehement gegen das öffentliche Anprangern im Internet oder Fernsehen ausgesprochen. "Öffentlichen Pranger braucht der Rechtsstaat nicht", sagte sie der "Passauer Neuen Presse" vom Dienstag. Die Ministerin reagierte damit auf die RTL-2-Sendung "Tatort Internet" - und die Forderung nach einem Internet-Pranger für Lebensmittelhersteller. Die Forderung, Lebensmittelhersteller beim Schwindel mit Etiketten auf einer Internetseite aufzulisten, stammt von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU).

"Tatort Internet" ist eine Reihe auf RTL 2, in der mutmaßliche Pädophile mit Hilfe von Lockvögeln entlarvt werden sollen. In den bisher ausgestrahlten Folgen ließen sich vorgeblich Minderjährige in Internet-Foren auf Verabredungswünsche erwachsener Männer ein, die dann bei den Treffen vor laufender Kamera gestellt wurden.

Leutheusser-Schnarrenberger sagte der "Passauer Neuen Presse", durch solches Vorgehen drohe eine Aushöhlung des Rechtsstaates. "Es besteht die Gefahr, dass Unschuldige angeprangert und große Schäden angerichtet werden und der Rechtsstaat in eine Schieflage gerät." Dies sei ein hohes Risiko. "Wir müssen aufpassen, dass es keine Vorverurteilungen gibt, bevor die Justiz ermittelt."

Die Sendung "Tatort Internet", die auch von der Ministergattin Stephanie zu Guttenberg vor der Kamera unterstützt wurde, steht seit ihrer Erstausstrahlung vor knapp zwei Wochen in der Kritik - unter anderem auch von Kinderschutzvereinen. Ein von der Redaktion beim Kontaktversuch entlarvter 61-jähriger Leiter eines Würzburger Kinderdorfs blieb auch am Dienstag verschwunden. Wie ein Sprecher der Würzburger Staatsanwaltschaft sagte, verlief die Suche nach dem von seiner Familie als vermisst gemeldeten Mann nach wie vor ohne Erfolg. Sein Arbeitgeber, die Caritas, hatte den Mann wegen der Vorwürfe fristlos entlassen. Ein anderer Mann war unzureichend anonymisiert worden und konnte enttarnt werden.

Derweil lobte der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) "Tatort Internet" und bezeichnete die Sendung als Modell für ARD und ZDF. BDK-Chef Klaus Jansen sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", es sei "beschämend für ARD und ZDF, dass sie ihren Bildungsauftrag ausgerechnet beim Thema Kinderpornografie und Gefahren im Internet vernachlässigen". Die Kritik an RTL 2 wies er zurück: "Ich finde es ohne Abstriche gut, dass der Sender sich gemeinsam mit Stephanie zu Guttenberg des drängenden Problems der Kinderpornografie im Netz annimmt." Der Sender spiele nicht selbst Polizei, sondern gebe Hinweise auf Straftaten sofort an die Staatsanwaltschaft weiter. Moderator der Sendung ist der ehemalige Innensenator und Polizeipräsident von Hamburg, Udo Nagel.

feb/AFP/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 415 Beiträge
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1. Herr Nagel
clearview 19.10.2010
War Herr Nagel nicht bis vor Kurzem bei der Prevent AG in München Mitgeschäftsführer? http://www.prevent.ag/profil/geschaeftsfuehrung Von Informierten Kreisen hört man einiges zu diesem Unternehmen.
2.
sample-d 19.10.2010
Sie hat damit denke ich gar nicht so unrecht... Man kann Aufmachung und Vorgehensweise der Sendung sehen wie man will - ich finde jedoch, dass hier in manchen Fällen zu weit gegangen wird. In der gestrigen Ausgabe wurden z.B. einer "gestellten" Person vor laufender Kamera die Kontakte seiner Mobiltelefone durchsucht um zu schauen wen er denn so alles kennt und ob dort ggf. noch Minderjährige zu finden sind. Das mag mancher aus dem Bauch raus angemessen finden - so weit dürfte wie ich denke aber nicht mal die Polizei gehen... (das ist keine Wertung, es ist nur meine Rechtsauffassung)
3. Bund Deutscher Kriminalbeamter!?
Emmi 19.10.2010
Bund Deutscher Kriminalbeamter!? Wie sind die denn drauf!? Rechtstaat? Scheiß drauf! Und dass es gar nicht um Kipo sondern um Kontaktaufnahme geht, ist auch Wurst. Fehlt eigentlich nur noch die Forderung nach der Todesstrafe für Kinderschänder...
4. Bildung durch RTL2 ?
iron mace 19.10.2010
---Zitat von BDK-Chef Klaus Jansen--- Derweil lobte der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) "Tatort Internet" und bezeichnete die Sendung als Modell für ARD und ZDF. BDK-Chef Klaus Jansen sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", es sei "beschämend für ARD und ZDF, dass sie ihren Bildungsauftrag ausgerechnet beim Thema Kinderpornografie und Gefahren im Internet vernachlässigen". ---Zitatende--- Was hat so eine Sendung mit Bildung zu tun? Wenn ein hochrangiger Beamter die Wiedereinführung des Prangers (http://de.wikipedia.org/wiki/Pranger) für gut empfindet sollte er kein Amt mehr bekleiden dürfen. Klar das sich heute, wie schon im Mittelalter wieder die Feiglinge um dem Pranger scharen, und die angeprangerten mit Steinen bewerfen. Feigheit ist ja eh das Merkmal der Deutschen, dicht gefolgt von Angst und Wehleidigkeit.
5. Kinderporno-Politik
Darth Manfred 19.10.2010
Kinderpornos sind der Politik ja schon seit längerem als Instrument bekannt, man denke nur an das Stoppschild von UvdL. Auch in der Wirtschaft werden sie offenbar mittlerweile benutzt, um nervige Konkurrenten oder Angestellte loszuwerden (Nonnenmacher ...). Da kann man halt normalerweise nicht viel falsch machen, und obwohl mir jedes Verständnis für diese ertappten Perversen fehlt, ist ein Pranger genau der falsche Weg. Damit sind sie nämlich gesellschaftlich erledigt, selbst dann, wenn keine Straftat vorliegt. Für solche Leute wäre die elektronische Fußfessel genau das richtige, um zu beobachten, wie gefährlich sie wirklich sind, und sie von Straftaten abzuschrecken.
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