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TV-Doku "Weltenbrand" von Guido Knopp: Hitler mit Hipstamatic-Flair

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Abgang mit ganz großen Schritten: Guido Knopp, Deutschlands populärster Geschichtslehrer, verabschiedet sich mit "Weltenbrand" in Rente. Die ehrgeizige ZDF-Histo-Serie nimmt sich beide Weltkriege auf einmal vor und will mit nachträglich kolorierten Bildern punkten. Ein Schnellcheck.

TV-Doku-Serie "Weltenbrand": Guido Knopp nimmt Abschied Fotos
ZDF

Worum geht's bei "Weltenbrand"? Um den sogenannten zweiten Dreißigjährigen Krieg in der Geschichte Europas, der von 1914 (Beginn des Ersten Weltkriegs) bis 1945 (Ende des Zweiten Weltkriegs) dauerte. So bezeichnen einige Historiker die drei Jahrzehnte und bedienen sich damit bei Charles de Gaulle, der bereits Anfang der Vierziger diese Deutung vorschlug.

Und worum geht's wirklich? Guido Knopp, offiziell Leiter des Programmbereichs Zeitgeschichte des ZDF und inoffiziell Marktführer im Segment des Hitler-Histotainments ("Hitler - Eine Bilanz", "Hitlers Helfer", "Hitlers Helfer II", "Hitlers Krieger", "Hitlers Kinder", "Hitlers Frauen und Marlene"), geht Ende Januar 2013 in Rente. Oder, wie es sein Sender und Arbeitgeber formuliert: Er scheidet "aus dem aktiven Dienst". Zum Abschied des Ausscheidenden muss also das große Rad der Geschichte gedreht werden: Unter acht Folgen Weltuntergangs-TV mit ordentlich Adolf drin läuft da nichts.

Wie sieht's aus, wenn die Welt brennt? In grafischer Hinsicht erstaunlich lahm. Die Grenzen des Deutschen Reichs von 1914 flackern mal kurz auf einer Europa-Karte auf, erst die zu Russland, dann die zu Frankreich. Sonst gestaltet sich die Sache aber sehr bunt. Ein fleißiges Team hat für Knopp originales Foto- und Filmmaterial aus der Zeit nachkoloriert, so dass Opa und Ur-Opa jetzt in Farbe marschieren.

Was lernt man daraus? Auch Fernsehhistoriker mögen offenbar den nostalgischen Hipstamatic-Look. Die Gefahr dabei: Ruck, zuck sehen die Pickelhauben der kaiserlich-deutschen Truppen mit ihrer albernen Patina aus wie antikes römisches Campinggeschirr.

Was hätte man lernen können? Naja, etwas zur Mythologie? Das titelgebende Wort "Weltenbrand" bezeichnet, wie Kenner der nordisch-germanischen Götterwelt gehört haben mögen, eine von vier Katastrophen, die zusammen zum Untergang der Welt (Ragnarök) führen; als verantwortlich für das Feuerinferno gilt Flammenriese Surt. Hitlers Leib- und Magenkomponist Richard Wagner hat eben dieses Ereignis in seinem "Ring" verarbeitet. Begrifflich bewegt sich Knopp mit dem Namen für den TV-Achtteiler also auf vermintem Gelände, ohne das zu verraten. Andererseits sind sprachliche Sensibelchen hier eh falsch: Die erste "Weltenbrand"-Folge widmet sich dem ersten Kriegsjahr 1914 und heißt "Sündenfall", ein Begriff, der bekanntlich biblisch konnotiert ist. Um Adam und Eva geht's hier aber nicht. Und auch (noch) nicht um Adolf und Eva.

Sätze für die Geschichtsbücher: "Die Droge der Zeit heißt Geschwindigkeit. Das Lieblingsparfum ist der Duft von Benzin."

Behauptet wer? Diese Zeilen hätte jetzt auch Rammstein-Sänger Till Lindemann singen können. Gesprochen hat die zwei Sätze aber Christian Brückner. Die deutsche Stimme de Niros muss ja bei jedem großen ZDF-Geschichtsereignis Bedeutung ins Mikro hauchen, wo Banales zu hören ist.

Kommen Knopp-Fans auf ihre Kosten? Klar. Der künftige ZDF-Chefhistoriker a. D. sorgt für die erwartbar hohe Führer-Frequenz, will sagen: Er findet Hitler sogar dort, wo gar kein Hitler ist - und zeigt ihn dann auch. Der Diktator verbrachte den Ersten Weltkrieg im Lazarett oder hockte in der Etappe? Egal. Wir schalten trotzdem aus dem Schützengraben rüber in seine Biografie!

Gibt's einen Überraschungsgast? In der Tat. Bernard Montgomery, Feldmarschall der Briten im Zweiten Weltkrieg, dient gewissermaßen als biografisches Spiegelbild Adolf Hitlers; ein dramaturgisches Konstrukt, das historisch etwas abstrus ist. Sowieso: Ein Kolonialoffizier und der "böhmische Gefreite" (Hindenburg über Hitler)? Wenn Monty das geahnt hätte.

Wer hat den besten Auftritt? Sönke Neitzel, Historiker an der London School of Economics, der (mit einigen Kollegen) seine Zunft dazu brachte, die als geklärt geltende Kriegsschuldfrage (Das Kaiserreich war's!) erneut zu diskutieren - und diesen Punkt auch bei Knopp anreißt. Abgesehen davon verzichtet Folge eins auf jeden historischen Kontext: Preußischer Militarismus? Das Wettrüsten der Kolonialmächte? Warum es überhaupt sinnvoll sein soll, die Jahre zwischen 1914 und 1945 als eine Epoche zu betrachten, wie es "Weltenbrand" tut? Kein Wort. Stattdessen bricht der Erste Weltkrieg über den arglosen Zuschauer herein wie ein Stahlgewitter aus heiterstem Himmel.

Und was bleibt? Der 18. September 2012 - der erste Sendetermin von Guido Knopps Abschiedswerk "Weltenbrand" - wird als der Tag in die Annalen des ZDF eingehen, an dem selbst der Mainzer Senioren-Sender das Ende der alten Bundesrepublik einläutete. Denn ein ähnlich leidenschaftlicher Hitler-Historiker wie Knopp ist beim Zweiten nirgends in Sicht. Und wenig war ja westdeutscher in den Achtzigern als die Beschäftigung mit Hitler und dem Nationalsozialismus.


"Weltenbrand", ZDF, ab dem 18. September jeweils dienstags, 20:15 Uhr

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insgesamt 88 Beiträge
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1. wer braucht bei diesem thema bunte bilder am laufenden band?
spargel_tarzan 18.09.2012
Zitat von sysopDPAAbgang mit ganz großen Schritten: Guido Knopp, Deutschlands populärster Geschichtslehrer, verabschiedet sich mit "Weltenbrand" in Rente. Die ehrgeizige ZDF-Histo-Serie nimmt sich beide Weltkriege auf einmal vor und will mit nachträglich kolorierten Bildern punkten. Ein Schnellcheck. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,856218,00.html
diese nachkolorierung hätte man sich sparen können doch vermutlich wollte man die geschichte für klein fritzchen etwas aufhübschen wenn man schon nichts neues zu erzählen hat. historisch gesehen waren mir die auslassungen zum adolf h. etwas dünn und ich hätte mir da mehr tiefe in der rechersche gwünscht. dazu habe ich aber wohl nicht lange genug die sendung betrachtet, ich war es relativ schnell über. es hatte was von McDonald, echt fast food,
2. Begrifflichkeiten
MartinB. 18.09.2012
Irgendwie finde ich es beschämend, wie wir Begriffe unserer Sprache zum "verbum non grata" machen, nur weil man über Umwege (Weltenbrand - Ragnarök - Wagner) diesen Begriff *auch* mit Nationalsozialismus in Verbindung bringen kann. Auf diese Weise wird die Deutungshoheit über ganze Bereiche unserer Sprache kampflos den Neonazis überlassen, wovon die wiederum argumentativ nur profitieren. "Weltkrieg" ist in Ordnung, "Weltenbrand" für viele Millionen Tote an der Front und in brennenden Städten soll aber "begrifflich vermintes Gebiet" sein? Armes Deutschland.
3. nee
dadanchali, 18.09.2012
Zitat von sysopDPAAbgang mit ganz großen Schritten: Guido Knopp, Deutschlands populärster Geschichtslehrer, verabschiedet sich mit "Weltenbrand" in Rente. Die ehrgeizige ZDF-Histo-Serie nimmt sich beide Weltkriege auf einmal vor und will mit nachträglich kolorierten Bildern punkten. Ein Schnellcheck. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,856218,00.html
Nach der Sendung mal schauen ob der Spiegelcheck von mir genau so gesehen wird. Knopp hat Geschichte zu einer Art Fastfood gemacht, das stimmt, und wer vereinfacht macht Fehler. Knopp hat aber mit Sicherheit auch Interesse an Geschichte geweckt, vertiefen muss man dann schon selber. Ein Problem wäre es meiner Meinung nach nur dann, wenn er z.B. Hitler verharmlost oder für das braune Pack Hochglanzkataloge liefert. Für Herrn Knopp gilt wie für alle, oft ist weniger mehr.
4. Warum die Häme ?
elwoodblues 18.09.2012
Zitat von sysopDPAAbgang mit ganz großen Schritten: Guido Knopp, Deutschlands populärster Geschichtslehrer, verabschiedet sich mit "Weltenbrand" in Rente. Die ehrgeizige ZDF-Histo-Serie nimmt sich beide Weltkriege auf einmal vor und will mit nachträglich kolorierten Bildern punkten. Ein Schnellcheck. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,856218,00.html
Ich kann die Häme des Autors nicht ganz nachvollziehen. Selbstverständlich hat das Knoppsche Format weder den Anspruch noch den Ehrgeiz oder die Aufgabe wissenschaftlicher Fachveröffentlichungen für ein Historikerpublikum. Allerdings gereicht es sowohl Herrn Knopp als auch dem ZDF zur Ehre das Thema "Geschichte" auch und insbesondere mit dem Schwerpunkt des Nationalsozialismus immer wieder zu behandeln. Das Wissen der "Spätergeborenen" zu dieser Zeit ist entsetzlich verzerrt, faslch oder gar romantisch verklärt. Einen Anstoß zur Auseinandersetzung mit dem Thema zu geben halte ich eher für lobenswert als für kritikwürdig. Das Herr Knopp sich hier auch der Macht der Bilder und Mythen bedient ist eine sichere Methode mehr Menschen, auch jüngere, zu erreichen.
5.
lennis 18.09.2012
Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich Herr Knopp verabschiedet und werde mir auch diesen Teil nicht entgehen lassen. Wer sich allerdings eine differenzierte Meinung über die Geschehnisse des (vor allem) 2. WK machen möchte, sollte nicht nur auf Knopp setzen. Seine bisherigen Dokumentation empfand ich fast durchweg als einseitig, vor allem wenn man sich mit diesem Thema intensiver auseinander setzt. Eine passendere Überschrift für diesen Artikel wäre aus Meiner Sicht auch "Ein gefühltes Jahrhundert der Indoktrination neigt sich seinem fulminanten Finale".
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