Kult-Sender der Neunziger Viva wird endgültig eingestellt

Beim Musiksender Viva begannen Moderatoren wie Stefan Raab, Heike Makatsch oder Sarah Kuttner ihre Karrieren, der deutsche Gegenentwurf zu MTV wurde Kult. Nach einem Vierteljahrhundert soll nun Ende des Jahres Schluss sein.

Viva-Moderator Mola Adebisi (Ende 2003)
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Viva-Moderator Mola Adebisi (Ende 2003)


25 Jahre nach seiner Gründung wird der Musiksender Viva zum Jahresende endgültig eingestellt. Das teilte der Träger, das Medienunternehmen Viacom, am Mittwoch mit. Auch die Website und die Onlinekanäle werden laut Viva-Mitteilung nach dem Jahreswechsel nicht mehr zur Verfügung stehen.

Viva teilt sich schon seit Längerem einen Programmplatz mit Comedy Central. Die Sendezeit werde ab Januar 2019 auf 24 Stunden ausgeweitet, sagte Viacom-Sprecher Claas Paletta.

Viva war am 1. Dezember 1993 als deutscher Gegenentwurf zu MTV auf Sendung gegangen - und wurde in den Neunzigerjahren Kult. Zu den jungen Moderatoren gehörten unter anderem: Heike Makatsch, Stefan Raab, Sarah Kuttner, Oliver Pocher, Klaas Heufer-Umlauf, Charlotte Roche, Matthias Opdenhövel, Mola Adebisi, Janin Reinhardt, Aleksandra Bechtel, Nilz Bokelberg, Johanna Klum, Minh-Khai Phan-Thi, Tobias Schlegl, Jessica Schwarz und Collien Ulmen-Fernandes.

Viva-Moderator Raab (1996)
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Viva-Moderator Raab (1996)

"Viva hat mich für den Rest meiner beruflichen Laufbahn geboren", sagte Makatsch 2013 zu SPIEGEL ONLINE. Ihr ehemaliger Kollege Schlegl meinte damals: "Viva war 100 Prozent authentisch, ganz anders als der Rest des deutschen Fernsehens."

Nun kommentierten einige der ehemaligen Moderatoren via Twitter das Viva-Aus. "Schüssi", schrieb Kuttner. Viva habe ihr viel Spaß gemacht und "mir einiges beigebracht (naja, ICH habe mir selbst einiges mit deiner Hilfe beigebracht)".

Martin Tietjen bedankte sich bei Viva dafür, dass der Sender ihm seinen Teenagertraum erfüllt habe - dazu veröffentlichte er eine seiner alten Moderationen.

Nilz Bokelberg schrieb via Twitter, er selbst habe Viva soeben geschlossen. Er entschuldige sich "für alles, was dort nach mir kam". Bokelberg war einer der drei ersten Moderatoren des Senders. Was er damals erlebte, schrieb er zum 15. Geburtstag des Senders hier für SPIEGEL ONLINE auf.

Christian Ulmen veröffentlichte nach Bekanntwerden des endgültigen Aus ein Foto von sich und seiner Kollegin Nora Tschirner, die beide einst beim Konkurrenzsender MTV moderierten (Ulmens Ehefrau war früher Viva-Moderatorin). Dazu kommentierte er mit dem Hashtag #viva: "Wir haben das immer gesagt."

Video: Stefan Raab im Interview

SPIEGEL TV

aar/dpa

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insgesamt 27 Beiträge
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dasfred 21.06.2018
1. VIVA war nie mein Ding
Wenn ich aber so die Liste durchgehe, wer über den Sender seine Karriere gestartet hat, hatte er zumindest für die Nachwuchsförderung seine Berechtigung. Bedeutend bessere Leute, als das, was RTL an Z-Promis bisher auf den Medienmarkt geworfen hat. Da musste außer Mola noch keiner in den Dschungel.
monolithos 21.06.2018
2. Leider die richtige Entscheidung
Ach VIVA, wärest Du mal bei der Musik geblieben. In den 90ern warst Du mein Leben, aber diese ganzen BMX-im-Schlamm-Challenges und andere neumodische "Trends" konnte nun wirklich keiner mehr sehen. Wenn Du gehst, nimm MTV mit! Vielleicht ist auf den Sendeplätzen dann wieder Platz für etwas, was so ist, wie Du vor 20 Jahren warst.
observerlbg 21.06.2018
3. Oh verdammt, wo is meine Jugend...
Da wird man ja melancholisch. Tja, Video kills Music Stars. Aber YT kills VIVA... Und bald veilleicht auch MTV. Lineares Fernsehen ist schon seit zehn Jahren tot bei unter 20Jährigen. Es war zu erwarten aber ist trotzdem traurig, sad, very sad.
dasbertl 21.06.2018
4. Kaputt gemacht durch Billigwerbung.
Ich hab seit Ende der 90er weder MTV noch VIVA geschaut, weil es unerträglich wurde, insbesondere durch Werbung wie dem "Jamba Sparabo", welche sich in einem Werbeblock 4-5mal mit sich selbst abgewechselt hat. Vor ein paar Jahren war mir dann beim durchzappen aufgefallen, dass man noch tiefer sinken und das gleiche mit Flirthotline-Werbung machen kann. Musik ist sowieso kaum noch gelaufen, laut Videotext (ja sowas gibts noch), liefen da dann Serien und Spielshows wo eigentlich Musik laufen sollte. Das Ende von VIVA stimmt mich nicht traurig, im Gegenteil, es wundert mich, dass es so lange gedauert hat. Das MTV noch existiert kann ich auch kaum nachvollziehen.
Papazaca 21.06.2018
5. Sorry, erst Telefonzellen, jetzt VIVA, vorbei, vorbei
Und warum? Der Musikindustrie geht es schlecht, es wird weniger Geld verdient. Und die Nutzer gehen eher ins Internet. Aber auch Musik hat nicht mehr den Stellenwert. Früher wurde einfach mehr Musik gehört und letztlich auch gekauft. Und, bin ich jetzt traurig? Hat sich ja alles angedeutet. Es gibt ja noch "delux Musik" und jede Menge Top40 Radiosender wie YOU FM, gut zum Kochen und Staubsaugen. Wie beim Kauf von Büchern wird man zum Buchhalter des guten Geschmacks: Kritiken lesen und Musik auf "you tube" probehören. Wer dazu keine Lust hat kann ja den Charts und den Bestsellerlisten vertrauen, so kommt man dann auch dazu, "50 shades of grey" zu lesen und Rihanna zu hören, wobei die ja ganz gut ist, ab und zu. Also traurig wegen VIVA? Auch bei den früheren Moderatoren hörte sich das eher nach "ok, mußte ja so kommen" an. Es ist wahrscheinlich eher die Schnelllebigkeit und Ungewissheit, die viele bewegt und nicht der Weltschmerz über eine mittelkurze Periode der Musikgeschichte, die phasenweise ganz lustig war, mehr aber auch nicht.
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