Kika-Betrug Lange Haftstrafe für früheren TV-Manager

Marco K. betrog den Kika um Millionen. Das Landgericht Erfurt hat den Ex-Herstellungsleiter des Kinderkanals nun wegen Untreue und Bestechlichkeit erneut schuldig gesprochen. Der 45-Jährige muss für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Funkhaus des Mitteldeutschen Rundfunks in Erfurt
dapd

Funkhaus des Mitteldeutschen Rundfunks in Erfurt


Erfurt - Er verprasste Gebührengelder in Millionenhöhe, um seine Spielsucht zu befriedigen: Wegen des Skandals beim Kinderkanal von ARD und ZDF (Kika) muss der frühere Herstellungsleiter des Senders, Marco K., für sechs Jahre und drei Monate hinter Gitter. Das Landgericht Erfurt sprach den 45-Jährigen am Montag in einem dritten Prozess erneut für schuldig. Ihm werden Untreue und Bestechlichkeit vorgeworfen. In die Strafe floss die erste Verurteilung des Mannes mit ein.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Herstellungsleiter sowie seinem Komplizen, einen Geschäftsführer mehrerer Berliner Firmen, 44 Fälle von Bestechlichkeit und Untreue vor, die sie von 2006 bis 2010 begangen haben sollen.

Der frühere Kika-Herstellungsleiter war bereits im vergangenen Sommer zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt worden.Auch im dritten Prozess um die erschlichenen Gebührengelder räumte er alle Vorwürfe ein. Er bekenne sich schuldig und übernehme dafür die persönliche Verantwortung, ließ er über seinen Anwalt mitteilen. Er räumte im jetzigen dritten Prozess zudem ein, den mitangeklagten Geschäftsführer zu Scheinrechnungen veranlasst zu haben.

Der einstige Herstellungsleiter habe letztlich ein großes Spiel aufgezogen, bei dem er über Jahre die Spielfiguren setzte, wie er sie brauchte, sagte die Vorsitzende Richterin. Sie sprach von einem ausgeklügelten System und einem Netz der Korruption. "Wer so spielt, möchte zeigen, dass er zu den ganz Großen gehört."

Zugunsten des Mannes wertete die Kammer, dass er um Aufklärung weiterer Delikte bemüht gewesen und ernsthaft an einer Schadensregulierung interessiert sei. Er habe im ersten Prozess eine Schuldanerkenntnis von 6,7 Millionen Euro abgegeben.

Das Gericht kritisierte auch den MDR. Die Kammer würde sich wünschen, dass der MDR so intensiv kontrolliere, wie die GEZ Gebühren eintreibe, sagte die Richterin bei der Urteilsbegründung. Mangelnde Kontrollen des für den Kika zuständigen MDR hätten die kriminellen Machenschaften erheblich erleichtert. Sie verglich den Fall des spielsüchtigen Managers mit dem eines Alkoholikers, der als Barmann eingestellt werde - und alkoholische Getränke kontrollieren solle.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Ex-Herstellungsleiter sechseinhalb Jahre Haft und für den Geschäftsmann zwei Jahre auf Bewährung gefordert. Die Verteidigung plädierte auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren für den Hauptangeklagten und eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten für den Geschäftsmann. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der mitangeklagte Geschäftsführer der Produktionsfirma, der unter anderem Scheinrechnungen für Produktionen von "Bernd das Brot" oder das Vorschulprogramm "Kikaninchen" ausstellte, entschuldigte sich für sein Fehlverhalten. Er bereue seine Taten. Seine Firma spendierte dem einst mächtigen Mann im Sender im Gegenzug für Aufträge nicht nur eine Reise nach Las Vegas oder Fußballdauerkarten, sondern stattete ihm auch seine Zweitwohnung in Berlin mit Möbeln und Heimkino aus. Außerdem hob der Geschäftsführer größere Beträge von seinem Privatkonto für den Kika-Mann ab.

Der Betrugsskandal war durch die Selbstanzeige des Berliner Geschäftsmanns aufgedeckt worden. Als Motiv hatte der Geschäftsmann die finanzielle Schieflage seiner Firma angegeben. Nach dem Untreueskandal gab der Sender an, mit weniger Geld auskommen zu müssen. Der Etat des von ARD und ZDF gemeinsam betriebenen Senders wurde um 910.000 Euro jährlich reduziert.

kha/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Pat-Riot 27.08.2012
1. GEZ ist geil
Zitat von sysopdapdMarco K. betrog den Kika um Millionen. Das Landgericht Erfurt hat den Ex-Herstellungsleiter des Kinderkanals nun wegen Untreue und Bestechlichkeit erneut schuldig gesprochen. Der 45-Jährige muss für mehrere Jahre ins Gefängnis. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,852372,00.html
Schöne und vor allem sinnvolle Aufgabe für die ab nächstem Jahr - der Fernsehsteuer sei dank - arbeitslosen GEZ-Schnüffler: die Mitarbeiter der öffentlich-unrechtlichen Sender bespitzeln.
cs01 28.08.2012
2.
Der Mann hat Bernd das Brot auf dem Gewissen! Wegen seiner Machenschaften können keine neuen Folgen mehr gedreht werden. Der hätte lebenslänglich verdient.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.