Legendärer Charakterdarsteller: Walter Giller ist tot

Amerikanische Leichtigkeit und frivoler Witz: So veredelte Walter Giller das verklemmte deutsche Kino der Nachkriegszeit. Mit seiner Frau Nadja Tiller war er bis ins hohe Alter im Fernsehen zu sehen. Am Donnerstag starb der Komödiant und Charakterkopf im Alter von 84 Jahren in Hamburg.

Walter Giller: Schlingel, Komödiant, Unterhaltungsgröße Fotos
DPA

Hamburg - Sein markantes Gesicht ist aus dem deutschen Nachkriegsfilm nicht wegzudenken: Ob in "Der Hauptmann von Köpenick" (1956), "Rosen für den Staatsanwalt" (1959), "Drei Mann in einem Boot" (1961) oder "Schloss Gripsholm" (1963) - mit seinem legeren Auftreten und seinem sardonischen Humor veredelte Walter Giller einige der wichtigsten Kinohits der fünfziger und sechziger Jahre.

Der 1927 in Recklinghausen geborene Schauspieler kam über eine Stelle als Regieassistent an den Hamburger Kammerspielen auf die Theaterbühne - und von dort dann relativ schnell vor die Kamera und ins Kino. Schon Ende der vierziger Jahre war er in kleineren Rollen zu sehen. Erste große Erfolge feierte er in Komödien wie "Fräulein Casanova" (1953) oder "Charleys Tante" (1956).

Walter Giller brachte eine amerikanische Leichtigkeit und einen frivolen Witz in seine Filme, wie man sie sonst im verklemmten Kino der Wirtschaftswunderära selten fand. Er tigerte salopp durch die Filme und setzte dabei doch immer auf genaues Timing - zu sehen in flotten Räuberpistolen wie "Bobby Dodd greift ein" (1959) oder "Liebling - Ich muss dich erschießen" (1962).

Nachdem Giller 1956 die Schauspielerin Nadja Tiller ("Das Mädchen Rosemarie") heiratete, bildete er mit ihr ein inniges Paar und eine künstlerische Einheit - und gemeinsam traten sie bis ins hohe Alter im deutschen Fernsehen und im Kino auf. Legendär ist die von Giller konzipierte Sketchreihe "Locker vom Hocker", die Anfang der achtziger Jahre in der ARD für Furore sorgte. Giller und Tiller spielten darin Szenen aus ihrem Ehealltag und nahmen dabei lustvoll Geschlechterklischees auseinander. Motto: "Es bleibt schwierig."

Gemeinsam erhielten Giller und Tiller 2006 einen Bambi für ihr Lebenswerk. Drei Jahre später legten sie dann noch einmal zusammen einen hinreißenden Auftritt hin - in Leander Haußmanns Rentnerkomödie "Dinosaurier", wo sie als gewiefte Greise böse Banker linkten. Da blitzte noch mal der alte anarchische Humor Gillers auf.

Die letzten Jahre verbrachte das Paar in einer Hamburger Seniorenresidenz. Offenherzig sprachen sie in Interviews über ihr Leben als Rentner, ihre körperlichen Gebrechen und ihren Umgang mit den Krankheiten. 2009 war bei Giller Lungenkrebs diagnostiziert worden.

Wie jetzt bekannt wurde, erlag der Schauspieler am Donnerstag in Hamburg den Folgen dieser Krankheit im Alter von 84 Jahren.

cbu/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Ich habe ihn gemocht!
HäretikerX 16.12.2011
..und besonders, weil er Anspruchsvolles mit Witz gespielt hat. Auch ihn, werden wir vermissen.
2.
carsten@manshusen.de 16.12.2011
"Szenen einer Ehe" war lediglich ein gemeinsamer Sketch mit Nadja Tiller und Walter Giller innerhalb der ZDF-Reihe "Locker vom Hocker" von Gerhard Schmidt mit Walter Giller. Die Textstelle sollte der SPON-Praktikant noch einmal überarbeiten.
3. machs
Joinme66 16.12.2011
machs gut Walter, danke das Du mich mein Leben lang oft zum lachen gebracht hast.
4. Tschüss Walter und danke
Michael KaiRo 16.12.2011
für all die wunderschönen, teils sehr anspruchsvollen Filme. Herausragend für letzteres selbstverständlich: "Rosen für den Staatsanwalt" oder "Der Hauptmann von Köpenick". Vielen Dank auch für die tollen Unterhaltungsfilme wie "Drei Mann in einem Boot", "Charleys Tante" oder "Die Herren mit der weißen Weste".
5.
Fritze_1955 16.12.2011
Zitat von carsten@manshusen.de"Szenen einer Ehe" war lediglich ein gemeinsamer Sketch mit Nadja Tiller und Walter Giller innerhalb der ZDF-Reihe "Locker vom Hocker" von Gerhard Schmidt mit Walter Giller. Die Textstelle sollte der SPON-Praktikant noch einmal überarbeiten.
Und es gibt immer welche, die auch bei so etwas zu meckern haben. Schade..... Mach´s gut Walter, es werden Dich sehr viele vermissen.
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