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Legendärer "Derrick"-Vater: Krimi-Produzent Helmut Ringelmann gestorben

Jeder Deutsche kennt sein Werk, kaum einer kennt seinen Namen: Die von Helmut Ringelmann produzierten Krimiserien wie "Derrick", "Der Alte" oder "Der Kommissar" waren große Erfolge - auch im Ausland. Nun ist der Fernsehproduzent im Alter von 84 Jahren gestorben.

Patron, vor dem die ZDF-Spitze kuschte: Helmut Ringelmann auf einem Bild von 1998 Zur Großansicht
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Patron, vor dem die ZDF-Spitze kuschte: Helmut Ringelmann auf einem Bild von 1998

München/Hamburg - Er war der Vater der Erfolgsserie "Derrick", und auch Fernsehserien wie "Der Alte", "Der Kommissar" oder "Siska" gehen auf sein Konto. Mit ihnen brachte er den deutschen Krimi zuerst ins Fernsehen, dann auch ins Ausland und machte ihn international konkurrenzfähig. Helmut Ringelmann war einer der großen deutschen Fernsehproduzenten. Das ZDF, dem Ringelmann viele Erfolge geschenkt hat, bestätigte jetzt am Dienstag seinen Tod: Er war bereits am Wochenende im Alter von 84 Jahren in seinem Haus in Grünwald bei München gestorben.

Seine Frau Evelyn Opela war bei ihm, als er starb. Er sei an Organversagen gestorben, sagte eine Vertraute der Familie der Nachrichtenagentur dpa. Obwohl er nach einem Sturz und einem Reha-Aufenthalt bettlägerig gewesen sei, sei sein Tod sehr überraschend gekommen, sagte die Freundin. Ringelmann soll im engsten Familienkreis beigesetzt werden, später ist ein Empfang für seine Freunde und Wegbegleiter im Münchner Cuvilliés-Theater geplant.

Trotz seines hohen Alters hatte Ringelmann sich auch in den vergangenen Jahren voller Tatendrang gezeigt. Noch kurz vor seinem 80. Geburtstag wollte er vom Ruhestand nichts wissen. "Mein Beruf macht mir Spaß und füllt mich aus", sagte er damals. "Mich interessiert noch so viel. Da hat der Tag gar nicht genug Stunden."

Ringelmann erhielt zahlreiche Preise, darunter drei goldene und ein silbernes "Bambi", die Goldene Kamera, den Bayerischen Fernsehpreis und das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Sein Erfolgsrezept formulierte der gebürtige Münchner einmal so: Gespür für gute Geschichten, gute Bücher und erstklassige Schauspieler. Dabei kam ihm persönlich auch eins zu Gute: "Drehbuchlesen ist mein Hobby", sagte er dem ZDF.

Seine ersten Karriereschritte machte Ringelmann allerdings auf der anderen Seite - im Scheinwerferlicht. Mit 18 Jahren wurde er Schauspielschüler von Martin Held, der jahrzehntelang als einer der besten Schauspieler seiner Generation galt. Dabei sammelte der junge Ringelmann einschlägige Erfahrungen am Theater. Was er da lernte, kam ihm später bei seiner Arbeit zugute, betonte Ringelmann und sprach von einem "Glücksfall".

"Die Besetzung ist wesentlich", sagte er in einem Interview. "Eine Rolle geht kaputt, wenn es kein guter Schauspieler ist." Darum war ihm immer eins wichtig: Er besetzte Rollen stets hochkarätig und typgerecht. Das hatte er auch als Assistent und "rechte Hand" des Theaterregisseurs Heinz Hilpert gelernt. "Ich hatte eine irrsinnige Ausbildung", sagte Ringelmann rückblickend. "Die sieben Theaterjahre haben mich in künstlerischer Hinsicht nachhaltig geprägt."

Trotzdem kehrte er dem Medium schließlich den Rücken, weil es ihn zum Fernsehen zog. Im Jahr 1963 produzierte er seinen ersten ZDF-Fernsehkrimi, "Kriminalmuseum". Vier Jahre später gründete er seine eigene Produktionsfirma, die Neue Münchner Fernsehproduktion. Im September vergangenen Jahres gab er die Geschäftsführung an seine Nachfolgerin Susanne Porsche ab. Bis dahin hatte der Produzent, der stets mit blau getönter Brille auftrat, dem deutschen Fernseh-Krimi über Jahrzehnte seinen Stempel aufgedrückt.

"Liebe, Hass, Mitleid"

"Ich habe die Krimis ins Fernsehen gebracht", sagte er einmal, es ging ihm um Fälle, die der deutschen Mentalität entsprechen. Eng an seiner Seite stand dabei Drehbuchautor Herbert Reinecker, mit dem er gemeinsam die Fälle für "Den Alten", für "Derrick" oder den "Kommissar" entwarf. Reinecker starb bereits im Jahr 2007im Alter von 92 Jahren am Starnberger See.

In seinen Serien bewies Ringelmann stets ein Gespür für den psychologischen Krimi. Bei ihm müssten keine Autos explodieren, um Spannung zu erzeugen, sagte er 2006 der Münchner "Abendzeitung": "Liebe, Hass, Mitleid - diese Emotionen berühren die Zuschauer."

Zum größten gemeinsamen Werk des Duos Ringelmann/Reinecker wurde die Serie "Derrick", die auch internationale Erfolge feierte und in mehr als hundert Länder verkauft wurde. 1973 startete die Serie mit Horst Tappert im Trenchcoat und in der Titelrolle, die "mehr für das Ansehen von Deutschland in der Welt getan" habe als viele Politiker - das habe ihm Hans-Dietrich Genscher einmal gesagt, erzählte Ringelmann gern.

In Deutschland hingegen protestierte der Gaststättenverband in den achtziger Jahren, weil die Leute wegen der Freitagskrimis nicht mehr ausgingen. Entsprechend groß war Ringelmanns Macht bei seinem Stammsender ZDF: "Er ist ein großer Segen - vom Programm her - für uns", zitierte die "FAZ" 2003 einen Insider, "aber er ist auch ein Patron, ein Herrscher, vor dem sogar die Spitze des Hauses kuscht."

Nach jahrelanger, enger Zusammenarbeit mit dem ZDF wurde 1996 mit der RTL-Serie "Mann ohne Schatten" Ringelmanns erste Zusammenarbeit mit einem Privatsender vorgestellt. Damit konnte er an seine öffentlich-rechtlichen Erfolge allerdings nicht anknüpfen. "Ich habe unterschätzt, welche Wirkung die Werbeblöcke haben", begründete Ringelmann den ausbleibenden Erfolg in der "Süddeutschen Zeitung".

Ringelmann drehte auch mit Walter Sedlmayr ("Polizeiinspektion 1"), Uschi Glas und Elmar Wepper ("Unsere schönsten Jahre"); die Schauspieler Ingrid Steeger, Martin Semmelrogge und Sascha Hehn gaben in seinen Produktionen ihr Debüt. Doch nicht nur deutsche Stars standen für Ringelmanns Produktionen vor der Kamera. Als Herstellungsleiter arbeitete er 1957 an Stanley Kubricks Antikriegsfilm "Wege zum Ruhm" mit, in dem Kirk Douglas die Hauptrolle spielte. Auch Evelyn Opela spielte in seinen Produktionen mit. Mit ihr war Helmut Ringelmann in zweiter Ehe bis zu seinem Tod fast 25 Jahre verheiratet. Ringelmann hinterlässt sie und Sohn Tobias aus erster Ehe.

feb/dpa

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