Abschied von Spock Der Menschenfreund

Es gilt jetzt, die eigenen Emotionen zu kontrollieren: Spock ist tot. Der frühere Sternenflotten-Offizier mit den spitzen Ohren und dem scharfen Verstand starb sehr jung für einen Vulkanier, mit 83 Jahren. Ein Nachruf für echte Fans.

Von , Erde


In Trauer vereint sind in diesen Stunden so unterschiedliche Charaktere wie Markus Söder und Kurt Kister, der bayerische Finanzminister und der Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung", Stephen Hawking und Heidi Klum, der Physiker und das Model.

Über politische und intellektuelle Grenzen hinweg trauern "Star Trek"-Fans um Spock, der in einem nicht näher erforschten Paralleluniversum Leonard Nimoy geheißen haben soll. Für einen Vulkanier ist er mit 83 sehr jung gestorben, dafür dürften die Gene seiner menschlichen Mutter verantwortlich sein.

Ich kannte Spock gut, habe ihn begleitet auf all seinen Reisen. Ich war zugegen bei seinem ersten Tod an Bord der "Enterprise" und bei der Trauerfeier, als Kirk sagte: "Von all den Seelen, die mir begegnet sind auf meinen Reisen, war seine die menschlichste."

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Mr. Spock aus "Star Trek": Leonard Nimoy ist tot
Ich war Zeuge seiner Wiederauferstehung auf dem Planeten Genesis, durchlitt mit ihm das Pon Farr, als er jede Kontrolle über seine Emotionen verlor. Ich bewunderte, wie er nach seiner Karriere als Offizier der Sternenflotte eine zweite anstrebte als Botschafter. Selbst ins Spiegel-Universum folgte ich ihm, was nichts mit meinem Arbeitgeber zu tun hat, und ins San Francisco der Achtzigerjahre, wo er seinen Geist mit einem Wal verschmolz.

Frieden mit dem Klingonischen Reich

Seine Leistungen als Diplomat dürften seine militärischen und wissenschaftlichen noch bei Weitem übertreffen. Wenige haben an sein Vorhaben geglaubt, einen Frieden mit dem Klingonischen Reich auszuhandeln. Selbst enge Freunde waren skeptisch, die Vorurteile auf der Erde weit verbreitet: "Ein Klingone sieht etwa so aus wie ein Hybrid aus einem Neuköllner Kampfhundehalter und seinem Hund", schrieb die "Süddeutsche Zeitung" einmal.

Heute gilt der Vertrag von Khitomer von 2293 als ein Wendepunkt der Geschichte. Nur eine Generation später diente bereits ein klingonischer Offizier an Bord eines Sternenflotten-Schiffs.

Zu den schmerzhaftesten Erfahrungen in Spocks Lebens gehörte die Zerstörung seines Heimatplaneten Vulkan, die er mit ansehen musste, nachdem die Zeitlinie durch höhere Kräfte massiv durcheinander gebracht worden war. Die Hoffnung aufgegeben hat er dennoch nicht; scharte die Überlebenden um sich und machte sich an den Wiederaufbau.

Er ertrug stoisch die Impulsivität der Menschen, vor allem die seiner engen Freunde. Er verzieh uns unsere unkontrollierten Gefühlsausbrüche und unlogischen Affekte. Sicher, er konnte sich einige Spitzen nicht verkneifen, wirkte manchmal geradezu zynisch, etwa wenn er feststellte: "Ein rot-blütiger Mensch zu sein, hat offensichtlich Nachteile." Da ging es um eine schwere Krankheit, für die es noch kein Heilmittel gab.

Doch eigentlich war Spock, der grün-blütige Vulkanier, ein großer Menschenfreund. Er betrachtete uns mit amüsierter Neugier und großem Wohlwollen.

Er wird uns fehlen. Ich werde an diesem Wochenende meine alte Sternenflotten-Uniform aus dem Keller holen. Sie ist blau.

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insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
mimas101 28.02.2015
1. Spock
stammt aus einer extrem prüden und eher rückständigen Zeitepoche der USA. Da war es ein Skandal als Kirk (weiß) Uhura (Bantu) ein Küßchen verpaßte (m.W. der erste (öffentliche) in der gesamten US-Geschichte). Und sprechende Computer gab es damals, im Lochkarten-Zeitalter mit tonnenschweren Festplatten und viel Bandsalat in den Schränken, auch noch nicht. Und nicht nur das: Frauen in gehobenen Positionen, dann auch noch schwarz, war ein absoluter Skandal. Die Rolle des Spock war (sogar heute noch) eine Art Spiegelbild aller üblen Angewohnheiten des Homo Sapiens das dem Zuschauer präsentiert wurde. Also war es so eine Art Kultur-Revolution gewesen. Dagegen hatten wir nur die 69er APO - und McClaine, mit einem weiblichen Admiral garniert und einer Russin als Aufpasser geschmückt, als rein kalter Krieger zu bieten. Beide Serien allerdings kamen mit Requisiten aus dem nächsten Haushaltswarengeschäft aus.
wanderer777 28.02.2015
2. Danke
Danke für diesen wunderbaren Nachruf. Es macht diese traurige Nachricht ein wenig erträglicher :-(
towo1960 28.02.2015
3. RIP Spock
Liv long and prosper...gute Reise-und meide die Menschen,wenn Du welche auf Deiner langen Reise treffen solltest.
towo1960 28.02.2015
4. RIP Spock
Liv long and prosper...gute Reise-und meide die Menschen,wenn Du welche auf Deiner langen Reise treffen solltest.
Peter St. Marc 28.02.2015
5. Immerhin
Zitat von mimas101stammt aus einer extrem prüden und eher rückständigen Zeitepoche der USA. Da war es ein Skandal als Kirk (weiß) Uhura (Bantu) ein Küßchen verpaßte (m.W. der erste (öffentliche) in der gesamten US-Geschichte). Und sprechende Computer gab es damals, im Lochkarten-Zeitalter mit tonnenschweren Festplatten und viel Bandsalat in den Schränken, auch noch nicht. Und nicht nur das: Frauen in gehobenen Positionen, dann auch noch schwarz, war ein absoluter Skandal. Die Rolle des Spock war (sogar heute noch) eine Art Spiegelbild aller üblen Angewohnheiten des Homo Sapiens das dem Zuschauer präsentiert wurde. Also war es so eine Art Kultur-Revolution gewesen. Dagegen hatten wir nur die 69er APO - und McClaine, mit einem weiblichen Admiral garniert und einer Russin als Aufpasser geschmückt, als rein kalter Krieger zu bieten. Beide Serien allerdings kamen mit Requisiten aus dem nächsten Haushaltswarengeschäft aus.
HATTEN wir - im Gegensatz zum TV-Programm von heute - etwas zu bieten. Gute Reise, Mr. Spock.
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