"Let's Dance" bei RTL Wenn Sylvie fehlt

Zum Auftakt der neuen "Let's Dance"-Staffel hätte sich RTL schon ein bisschen mehr Mühe geben können, alles ist brav und puschelig wie immer. Nur eines ist neu - der Phantomschmerz!

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Na schön, man hätte es ahnen können, die Enttäuschung sitzt trotzdem tief: Die Lochis tanzen nicht zu dritt.

Statt die youtubebekannten Endteenie-Zwillinge mit einer geteilten Partnerin zu einer lustigen Ringelreihen-Kleingruppe zu formieren, wurden sie kerngespalten und zu zwei öden, konventionellen Tanzpaaren wegschablonisiert. Und auch der Wunsch von Profitänzer Vadim Garbuzov, vielleicht auch mal mit einem gleichgeschlechtlichen Partner wie zum Beispiel Comedian Thomas Hermanns zu quicksteppen, verhallte ungehört.

Heiko Lochmann, Marta Arndt
DPA

Heiko Lochmann, Marta Arndt

In der vergangenen Staffel waren es gerade die Nichtnormpaare, die das leicht bräsig gewordene "Let's Dance" in seinem zehnten Jahr aus dem Konventionskorsett schnitten - mit tanzenden Körpern, die den gewohnheitsgeeichten Zuschauer forderten, weil sie dick waren oder ihnen ein halbes Bein fehlte.

Die elfte Staffel ist leider wieder ausreißerfrei, aber dennoch mit interessanter Spannbreite im Teilnehmerfeld: Von "Bachelorette" Jessica Paszka bis "Höhle der Löwen"-Unternehmerin Judith Williams, vom ältlichen Kinderstar Jimi Blue Ochsenknecht bis zu Ingolf Lück. Die meisten begannen ihr Vorstellungsfilmchen mit der Demutsformel "Sie kennen mich wahrscheinlich aus…", die in sonstigen Formaten gern mit abstrusem Nischenkram aus entlegenen Trashprovinzen vervollständigt wird, aber die meisten der aktuellen Tänzer würde man tatsächlich erkennen, säßen sie zufällig bei der Fußpflege neben einem.

In der Kennenlernshow wurden nun all diese Menschen ihren Profitänzerinnen und Tänzern zugeführt, nachdem sie in Gruppentänzen erste Talentproben abgeliefert hatten (wobei vor allem Thomas Hermanns, Ingolf Lück und Judith Williams, also die Älteren, durch besonderen Enthusiasmus überzeugten). Vorjahressieger Gil Ofarim sagte für die neuen Kandidaten eine Art Empfehlungs-Haiku auf (" Macht euch bereit / genießt die Zeit / es ist Tanzen / Tanzen / Nicht kämpfen"), irgendwer schälte die ranzige Motivationserklärung vom "an die eigenen Grenzen gehen und sie überschreiten" aus dem fettigen Butterbrotpapier, Thomas Hermanns wünschte sich, die Zuschauer mögen ihn auf dem Tanzboden "neu kennenlernen, nicht immer nur das mit den vielen Zähnen" - alles puschelig wie immer.

Judith Williams (r.), Sergiu Luca
DPA

Judith Williams (r.), Sergiu Luca

Die größte Überraschung war der erst nur leicht nesselnde, dann zunehmend stechendere Sylvie-Phantomschmerz: Es war nicht damit zu rechnen, aber in der gesamten Dramaturgie fehlten einem Sylvie Meis und ihre robottrigen Textaufsager tatsächlich - zumal Victoria Swarovski, Daniel Hartwichs neue Moderationskollegin, wenig Argumente dafür lieferte, warum sie so dringend als Frischbesetzung gebucht werden musste.

Die österreichische Sängerin hatte "Let's Dance" 2016 gewonnen, aber als erstes Moderations-Übungsprojekt war die Sendung nun deutlich eine Nummer zu groß für sie. Nicht weniger hölzern als ihre Vorgängerin hangelte und haspelte sie sich an auswendigen Fadheiten entlang und wurde im Lauf der Sendung immer fahriger. Plus, ebenfalls nicht schön: Vom Sylvieschen Singsang entschlickt, lagen die grob zugehauenen Moderationstexte nun leider allzu blank. Sind Ansagen wie "Sie ist Moderatorin, sie ist Charlotte und sie ist würdig für diese Show - Charlotte Würdig!" tatsächlich das Beste, was einem so einfallen kann?

Victoria Swarovski
DPA

Victoria Swarovski

Dann wüsste man eventuell noch gerne, ob es die Choreografierenden selbst mindestens ulkig fanden, gleich nach dem Frauentag Jessica Paszka, Tina Ruland (die tatsächlich "Manta Manta" von 1991 als Promi-Referenz angab) und Schauspielkollegin Julia Dietze in Wegreißschürzen auf zu Gogo-Podesten umfunktionierten Waschmaschinen tanzen zu lassen, aber gut.

Rätselhaftester Teilnehmer ist der Argentinier Chakall, ein Fernsehkoch mit sonderlichem Turban-Kopfputz, der zusammen mit den Lochi-Brüdern Roman und Heiko Lochmann nach der Jurywertung zu den Schlusslichtern des Teilnehmerfeldes zählte. Mal sehen, wie lange ihre zweieinhalb Millionen Online-Abonnenten die beiden mit ihren Anrufen in der Sendung halten werden. Nach eigener, reimfauler Prognose aus ihrem Lied "Durchgehend online" sieht es eher schlecht für die beiden aus. Sie singen es ja selbst: "Ich check' nicht, wie man Fernsehn schauen kann / wenn man auf Youtube alles hat."



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Seite 1
reflexxion 10.03.2018
1. Ich kam mir vor wie im Dschungelcamp
der gleiche langweilige und laut Llambe zu dicke Moderator und ähnlich unbekannte "Promis" von Kategorie C aus abwärts. Muss das sein? Meine Idee für RTL wäre mal eine Sendung mit Politikern, gern auch den neu ausgewürfelten Ministern aus Merkels Kabinett der Verzeiflung. Also: Ich bin ein Minister/Politiker, holt mich hier raus! aber auch Pro7 könnte mit der Klum: Germanys next Super Minister produzieren. Da wäre ich schon mal gespannt ob nicht doch was besseres als der schon leicht senile Seehofer dabei rauskommen würde.
Peter M. Lublewski 10.03.2018
2.
Zitat von reflexxionder gleiche langweilige und laut Llambe zu dicke Moderator und ähnlich unbekannte "Promis" von Kategorie C aus abwärts. Muss das sein? Meine Idee für RTL wäre mal eine Sendung mit Politikern, gern auch den neu ausgewürfelten Ministern aus Merkels Kabinett der Verzeiflung. Also: Ich bin ein Minister/Politiker, holt mich hier raus! aber auch Pro7 könnte mit der Klum: Germanys next Super Minister produzieren. Da wäre ich schon mal gespannt ob nicht doch was besseres als der schon leicht senile Seehofer dabei rauskommen würde.
Offensichtlich haben die nur einen Moderator.
franz.v.trotta 10.03.2018
3.
Vielleicht sollte man, um die Show zu krönen, Horst Lichter verpflichten. Er könnte Sylvie Meis vergessen machen.
niska 10.03.2018
4.
Uns hat es als Freitagabendunterhaltung sehr zugesagt. Gerade Liveshows mit so kleinen Patzern sind es, die das Fernsehen interessant machen. Und Sylvie haben wir nicht vermisst. Die Kristallerbin hat das charmant und gut gemacht. Die Chemie, auch mit dem Pummeluff vom RTL, passt. Alles, wie es seit vielen Jahren sein muss. Julia Dietze mit Massimo, das wird was, über das sich selbst Llambi freuen wird. Ob sooo viel wie bei Ekaterina und Gil? Muss nicht, kann aber. Favoritin bisher ist wohl die Shopping Queen, ist ja auch sympathisch, die Judith. Mit Erich, der zu den Besten gehört, wenn nicht sogar der beste Coach. Ein kluger Schachzug vom RTL ist es Ekaterina (Die wirklich not amused war.) mit Ingolf tanzen zu lassen. Der hat Potential. Das wird sie, nach anfänglicher Enttäuschung einsehen. Sie wollte wohl Thomas, der m. E. die beste Performance der Männer geliefert hat. Die Lochmänner nerven mich nur, egal wo sie auftreten, aber das muss man aushalten. Die bessere Hälfte hat einen Narren an dem bewegungsleghastenischen Turbanhobbit gefressen. Auch das kann ich ab. Wird ja nicht für lange sein.
Steep 10.03.2018
5. Naja im Schnitt mehr Niveau haben die Teilnehmer schon,
als das was uns da im Dschungelcamp als Abfall dargeboten wird. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
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