Letzter "Bloch" mit Dieter Pfaff: Noch einmal ein Riese

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Praxis geschlossen: Die ARD zeigt die letzte Episode der Psycho-Reihe "Bloch" mit dem verstorbenen Dieter Pfaff in der Hauptrolle. Der Film zeigt den Therapeuten im Gefängnis - und lässt noch ein letztes Mal sehen, was für ein hervorragender Schauspieler der große Dicke gewesen ist.

Pfaff als Bloch: Fremde Macken, eigene Macken Fotos
ARD

Es sieht nicht gut aus für Bloch. Die Zelle ist karg, das Essen nicht so, wie er es gewohnt ist, Bloch ist einsam, und er bekommt Angst: Schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit ist er von einer Patientin beschuldigt worden, sie sexuell belästigt zu haben. Natürlich ist nichts dran an den Vorwürfen, aber die Polizei sieht das anders. Doktor Maximilian Bloch, der erfahrene Psychotherapeut, sitzt in Untersuchungshaft - und es könnte sein, dass er seine Praxis für immer schließen muss.

Am Ende kommt es glücklicherweise doch noch anders, aber dennoch ist "Die Lavendelkönigin" der letzte Fall Blochs - denn sein Darsteller Dieter Pfaff ist tot, viel zu früh gestorben an Lungenkrebs. Zum letzten Mal können die Zuschauer an diesem Mittwochabend erleben, was für ein hervorragender Schauspieler dieser Mann gewesen ist.

Ein liebenswürdiger Therapeut

Bloch war Pfaffs beste, tiefste Figur in den vergangenen Jahren: Ein unkonventioneller, starrsinniger, dabei aber zutiefst liebenswürdiger Therapeut, der nicht nur mit den Macken seiner Patienten zu kämpfen hat, sondern auch und vor allem mit den eigenen Beziehungsproblemen. Die Liebe zu seiner Lebenspartnerin Clara (Ulrike Krumbiegel) ist zwar so mächtig wie der massige Körper dieses Mannes, doch ob sie halten wird, ob und wie die beiden miteinander auskommen werden, das war die eigentlich spannende Frage dieser ARD-Reihe - die folgenweise gelösten Psycho-Fälle im Gegensatz dazu oft nur gefühlte Nebenhandlungen.

Die "Lavendelkönigin" allerdings sticht hervor: Stefanie Rudolf (Anna Maria Mühe) ist eine offensichtlich verzweifelte junge Frau, die unter Depressionen und Panikattacken leidet, die ungut stark an ihrem Bruder Lukas (Ludwig Blochberger) hängt, und die - davon ist Bloch bald überzeugt - in ihrer Jugend missbraucht worden ist. In einer Hypnose-Sitzung versucht Bloch, dem Vergangenen auf die Spur zu kommen. Doch die Patientin glaubt, er habe sich an ihr vergriffen.

Was danach über Bloch hereinbricht, ist selbst für diesen Riesen kaum zu ertragen. Verständlicherweise glaubt Stefanies Familie deren Anschuldigungen, verständlicherweise setzen die wohlhabenden Eltern alles daran, dem vermeintlich übergriffigen Therapeuten ein für alle mal das Handwerk zu legen. Während sie einen befreundeten Top-Anwalt (Michael Wittenborn) damit betrauen, Bloch hinter Gitter zu bringen, glaubt dieser noch, sich selbst verteidigen zu können. Dieser sture Glaube an die Vernunft, an das klärende Gespräch bringt Bloch immer tiefer in Schwierigkeiten.

Vernichtungswille hinter bürgerlicher Fassade

Die Auflösung des Falles ist dann zwar wenig überraschend, aber darum geht es in "Die Lavendelkönigin" auch nicht - viel interessanter ist es, dem Ensemble dabei zuzusehen, wie es die komplizierten Familienverhältnisse im Hause Rudolf entfaltet, wie hinter der bürgerlichen Fassade Rachepläne geschmiedet werden und die Vernichtung eines unschuldigen Mannes geplant wird.

Der Film ist sehenswert, vor allem und insbesondere einmal mehr wegen Dieter Pfaff. Die Szenen, die Bloch in der Zelle zeigen, seine wachsende Verzweiflung und Depression, der schleichende Verlust der Hoffnung - all das lässt Pfaff die Zuschauer mitfühlen. Und zum Glück am Ende auch die Erleichterung in seinem Gesicht, als der Fall geklärt und er rehabilitiert ist. Und obwohl "Die Lavendelkönigin" nicht als finale Folge der Reihe geplant war, gibt sie Blochs Schicksal doch noch ein hoffnungsvolles, versöhnliches Ende: Zum Schluss brechen Bloch und seine Liebe Clara in einen gemeinsamen Urlaub auf nach Südfrankreich. Er soll es sich recht gut gehen lassen!


"Bloch: Die Lavendelkönigin": Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD

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insgesamt 19 Beiträge
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1. große klasse in der ard...
spargel_tarzan 24.04.2013
Zitat von sysopPraxis geschlossen: Die ARD zeigt die letzte Episode der Psycho-Reihe "Bloch" mit dem verstorbenen Dieter Pfaff in der Hauptrolle. Der Film zeigt den Therapeuten im Gefängnis - und lässt noch ein letztes Mal sehen, was für ein hervorragender Schauspieler der große Dicke gewesen ist. Letzte "Bloch"-Episode mit Dieter Pfaff in der ARD - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/tv/letzte-bloch-episode-mit-dieter-pfaff-in-der-ard-a-896217.html)
und zeitgleich läuft im ZDF die übertragung des CL-spiels BVB gegen real madrid. ganz großes kino :-((
2.
Cococha 24.04.2013
Zitat von spargel_tarzanund zeitgleich läuft im ZDF die übertragung des CL-spiels BVB gegen real madrid. ganz großes kino :-((
In der Tat schlechtes Timing. Aber wer es wirklich sehen will, kann das ja auch in der Mediathek nachholen und das relativ gefahrlos, schließlich ist die Telekom-Volumenbeschränkung, mit der Deutschland sukzessive wieder ins 20. Jhdt. befördert werden soll, ja noch nicht aktiv. Aber Vorsicht: Nicht in High Quality schauen! Dann werden Sie gleich als Powersauger an den Pranger der Ahnungslosen gestellt. ;)
3. Und dann
Bolligru 24.04.2013
gibt´s ja noch Recorder. Ich werde den Bloch schauen, aber nicht, weil ich ihn als Schauspieler so toll finde (denn er war kaum wandlungsfähig und hat immer nur den gleichen Typ gespielt, was vielleicht auch seiner Körperfülle geschuldet ist) aber weil die Geschichten meistens gut waren.
4. Dieter Pfaff
poweruser12 24.04.2013
war ein ganz großer Schauspieler. Wenn heute der BVB nicht spielen würde, dann wäre das absolutes Pflichtprogramm. Schade.
5.
rechnernetzstecker 24.04.2013
Bloch ist mal wieder Pflichtprogramm, vor allem der letzte! Gut, dass ich einer verschwindend kleinen Minderheit in Deutschland angehöre, die Fußball absolut todlangweilig und den Dauerhype um diese Form von "Opium für's Volk" endnervig findet.
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