Was war der Höhepunkt der Show? An diesem Abend klar das Wichtigste und überhaupt noch irgendwie Relevante war die Frage: Wie steht's um die Träume? Mit der Aktion "66 Träume" wollten Gottschalk und sein Team ganz normalen Menschen ein paar ganz besondere Wünsche erfüllen. Gewonnen haben dann die guten Leute vom Katharinenstift, die schwer erziehbaren Kindern in Berlin ein Zuhause und Bildung geben wollen - dafür haben sie jetzt 50.000 Euro mehr zur Verfügung.
Wie war's sonst? Diese Frage kann nicht ernst gemeint sein. Es war der unspektakuläre Abschied von einem misslungenen Format. Aber wen überrascht das? Sicherlich nicht die Millionen von Zuschauern, die Gottschalk nach der Premiere der Sendung im Januar (4,34 Millionen!) verloren hat. Sicherlich auch nicht Thomas Gottschalk selbst. Man darf annehmen, dass er froh ist, der Todeszone entkommen zu sein. Zum Abschied packte sich der Moderator das Studio mit mehr Publikum als gewöhnlich voll ("Wir haben diesmal alle Zuschauer eingeladen") und flachste über seinen Abgang: "Die Leiche lebt."
Jetzt mal im Ernst: Habe ich was verpasst? Kann man so oder so sehen. Wer Spaß daran empfindet, sich an den letzten Zuckungen eines gescheiterten TV-Experiments zu weiden und am Mittwochvorabend nicht das Erste eingeschaltet hat, darf sich ärgern. Allerdings blieb Gottschalk gewohnt freundlich zu Mensch, Tier und Pflanzenwelt: Kein böses Wort über die ARD, die ihn schnöde bereits einen Tag vor der eigentlichen Dernière aus dem Programm gekippt hat. Kein böses Wort über seine unfähige Produktionsfirma Grundy Light Entertainment. Überhaupt kein böses Wort - schade eigentlich.
Gab's denn wenigstens einen Hingucker? Talkgast war Veruschka Gräfin von Lehndorff, das erste deutsche Supermodel und eine hochinteressante Frau. Der wahre Hingucker war allerdings Thomas Gottschalk selbst, der in unerschütterlicher Nibelungentreue bis zur letzten Minute das auch von ihm selbst zunehmend ungeliebte Format durchzog. Martin Walser hat den Entertainer offenbar mit gutem Grund den "fränkischen Siegfried" genannt.
Einen Weggucker? Wer eingeschaltet hatte, konnte auch dran bleiben. Es tat nicht weh. Es regte nicht auf. Es war irgendwie egal.
Wie geht's jetzt weiter? Naja, die ARD setzt am Vorabend jetzt erst einmal auf "Brisant", "Verbotene Liebe" und versendet weiter ihre "Heiter bis tödlich"-Krimi-Komödchen. Sagen wir mal so: Die Todeszone lebt weiter. In gewohnter Ödnis.
Die ARD, das ist ja schön und gut - aber was macht Gottschalk selbst? "Da wird ja nur eine Sendung zu Grabe getragen. Der Moderator erfreut sich bester Gesundheit und ist bester Laune." Das sagte Gottschalk, als entschieden war, dass die ARD den Stecker zieht. Und direkt vor der Aufzeichnung seiner letzten Sendung verkündete er: "Es ist keine Beerdigung. Ich bin weder verzweifelt, noch bin ich - wie man sehen kann - tot." Ob er die Wahrheit gesagt hat, erfahren Sie an diesem Donnerstag: beim Live-Talk auf SPIEGEL ONLINE.
Seien Sie dabei: Donnerstag, 7. Juni, ab 19.15 Uhr auf SPIEGEL ONLINE
kuz, tdo
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