Themenwoche "Tod und Sterben": Lass uns leben, ARD!

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Die ARD-Themenwoche "Tod und Sterben" ist in vollem Gange: Auf allen Kanälen geht es ums Jenseits, Krankheit, Vergänglichkeit und Trauer. Nichts gegen das Thema, aber in dieser Ballung ist das schwer erträglich. Vor allem morgens, im Nebel, an der Bushaltestelle.

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dapd

ARD-Plakatwerbung: Schlechte Laune an jeder Ecke

Liebe ARD,

es ist ja eigentlich durchaus löblich, dass du dich in deinem Programm diese Woche mit dem Thema Tod und Sterben auseinandersetzt: Es ist gut und richtig, dass wir als Gesellschaft uns mit der Tatsache auseinandersetzen, dass wir alle sterben werden.

Gut, ob es jetzt wirklich sinnvoll ist, dass in jeder einzelnen Talkshow, die du uns diese Woche zumutest, über dieses Thema geredet werden muss, darüber kann man streiten. Es passieren ja durchaus auch andere Dinge im Moment, die für uns Noch-Lebende von Interesse sind. Über die Frage, ob Sendungstitel wie "Letzte Ausfahrt Paradies - gibt es ein Leben nach dem Tod?" ("Anne Will", Dienstag) wirklich die richtige Herangehensweise an das Thema darstellen, kann man ebenfalls diskutieren. Oder über die Frage, ob die Debatte zwischen einem Atheisten und einer Christdemokratin über diese ja doch sehr grundsätzliche Frage wirklich neue Argumente oder gar eine Art Konsens hervorbringen kann.

Immerhin: Du gewinnst in deinem umfassenden Programm dem Thema sogar positive Seiten ab, was mich zwar freut, aber in der konkreten Ausprägung auch etwas erstaunt: Dass zum Beispiel "erst durch den Tod die perfekte Anpassung des Menschen an seine Umwelt gelingen" konnte ("W wie Wissen" zum Thema "Wie geht Sterben?", Mittwoch, BR-Alpha, 17.30 Uhr) ist als These doch eher schlicht. Klar, ohne Tod keine Evolution. Als Gedankengang ähnlich originell und fruchtbar: Gäbe es keinen Tod, wäre die Erde längst übervölkert.

17,98 Euro für die Erkenntnis, dass wir alle sterben

Kein Zweifel: Gesprächsrunden und Filme über Sterbehilfe, private Pflege, Umgang mit unheilbarer Krankheit, Palliativmedizin haben ihren Sinn und ihre Berechtigung. Du strahlst berührende Dokumentationen oder Sterbedramen wie "Blaubeerblau" aus, die es im Programm sonst sicher schwer hätten.

Die Frage dagegen, "welche Aussagen die empirische Wissenschaft darüber treffen kann", ob es ein ewiges Leben gibt ("Vergänglicher Leib - ewige Seele?" Einsfestival, Montag), kann ich hier mal eben schnell beantworten, obwohl ich die Sendung gar nicht gesehen habe: keine. Dazu braucht man keine 45 Minuten. Auch wenn du anderswo allen Ernstes einen Orthopäden ins Studio eingeladen hast, den du als "Nahtod-Experten" bezeichnest ("Eins zu Eins. Der Talk", Bayern 2, Donnerstag, 16.05 Uhr).

An der Grenze zum Jenseits endet das sinnvolle Einsatzgebiet des Journalismus.

Vor allem aber, liebe ARD, und ich meine, da spreche ich für viele: Meine Sterblichkeit ist mir durchaus bewusst. Genauso wie die der Menschen, die ich liebe. Und deshalb kommt jetzt die Sache mit den Gebühren, sorry.

Die Tatsache, dass du mich jeden Morgen an der Bushaltestelle, in ganzseitigen Magazin-Anzeigen, auf Plakatwänden und sonst überall ständig mit den fettgedruckten Worten "SIE WERDEN STERBEN." belästigst, in einer nebligen, verregneten Novemberwoche voller toter Blätter und kahler Bäume, empfinde ich als Unverschämtheit. Das weiß ich schon, und ich habe wirklich keine Lust, dass du meine 17,98 Euro im Monat investierst, um mir mit Dingen, die ich längst weiß, die Laune zu verderben.

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1.
troy_mcclure 21.11.2012
Zitat von sysopDie ARD-Themenwoche "Tod und Sterben" ist in vollem Gange: Auf allen Kanälen geht es ums Jenseits, Krankheit, Vergänglichkeit und Trauer. Nichts gegen das Thema, aber in dieser Ballung ist das schwer erträglich. Vor allem morgens, im Nebel, an der Bushaltestelle. Liebe ARD: Ein Brief zur Themenwoche "Tod und Sterben" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/tv/liebe-ard-ein-brief-zur-themenwoche-tod-und-sterben-a-868469.html)
Endlich einmal kopiert die ARD nicht das Programm der Privaten und wendet sich auch solchen Themen zu. Diese Ballung finde ichaber nicht so "schwer erträglich", man muss ja nicht alles anschauen. Auf jeden Fall ist es das erste Mal seit langem, dass ich meine GEZ-Zahlungen sinnvoll eingesetzt sehe.
2. Der Alte Fritz
wortmannin 21.11.2012
hat mit seiner Frage "Hunde, wollt Ihr ewig leben?" den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Leute sollten sich weniger sorgen machen um ihren Tod, der unausweichlich ist, und die ihnen verbleibende Zeit nutzen, etwas sinnvolles zu tun und ein bisschen zu leben. Wer sein Leben auf die Zeit nach der Berufstätigkeit verlegen will, hat möglicherweise verkehrt gewettet. Die allgemeine Lebenserwartung steigt zwar, statistisch betrachtet, aber wie sagte ein anderer grosser Staatsmann (Benjamin Disraeli) so schön: "Lügen, verdammte Lügen, und Statistik". Was auf den Durchschnitt der Gesamtbevölkerung zutrifft muss noch lange nicht für den einzelnen gelten.
3. Vergänglichkeit
cmann 21.11.2012
Das Thema ist eigentlich zu ernst als es so zu "vermarkten" wie es die ARD tut. Die Talk Gäste mit dem "Sorechblasen-Gehabe" die sich mit "tiefster Betroffenheit äußern" sind leider auch unvermeindbar. Hier wird eine gute Idee mit zu überladenen Beiträgen, die Inhaltlich wegen des Themas immer wieder ähnliche Sequenzen aufweisen, kaputt gemacht. Nach anfänglichem Interesse da bei mir auch die "Einschläge" näher kommen, habe ich von der Fernbedienung Gebrauch gemacht und bin aus dem Thema ausgestiegen. Allzuviel ist bei dieser Themenwahl auch ungesund.
4. 17,98 Euro für die Erkenntnis, wie wir alle sterben
wortgewalt87 21.11.2012
Zitat von troy_mcclureAuf jeden Fall ist es das erste Mal seit langem, dass ich meine GEZ-Zahlungen sinnvoll eingesetzt sehe.
Sehe ich genauso. Dass wir sterben, ist Binse. Darüber, wie wir den Tod gestalten können, gibt es sehenswerte Beiträge. Mir jedenfalls verdirbt RTL2 weit eher die Laune.
5. Endlich
zursachet 21.11.2012
Zitat von sysopDie ARD-Themenwoche "Tod und Sterben" ist in vollem Gange: Auf allen Kanälen geht es ums Jenseits, Krankheit, Vergänglichkeit und Trauer. Nichts gegen das Thema, aber in dieser Ballung ist das schwer erträglich. Vor allem morgens, im Nebel, an der Bushaltestelle. Liebe ARD: Ein Brief zur Themenwoche "Tod und Sterben" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/tv/liebe-ard-ein-brief-zur-themenwoche-tod-und-sterben-a-868469.html)
Danke für diesen Artikel! Endlich sagt es mal jemand. Mir wird diesen November auch in viel zu aufgesetzter Weise gestorben und gelitten bzw darüber diskutiert. Warum nicht mal eine "Sterbewoche" als Aktion im Mai? Auch auf den Spartenkanälen und selbst bei den Privaten kann man derzeit kaum noch dem Drama entkommen. Dafür kommt danach übergangslos die Gefühlsduselei mit entsprechender Ausnutzung durch Spendenmarathons - Weihachten steht schließlich praktisch schon vor der Tür.
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