Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Geplante Serie bei TNT: "Lost" trifft "Twin Peaks"

Von

TNT Serie: Große Namen, kleine Hoffnungen Fotos
Getty Images

Verloren im Weinberg: TNT Serie plant einen Sechsteiler, der in einem mysteriösen Winzerdorf spielt. Ein weiteres ambitioniertes Serienprojekt aus Deutschland - wo Programmmacher leider noch immer nichts mit dem Format anzufangen wissen.

Im deutschen Fernsehen bewegt sich was. Obwohl die wenigen ambitionierten Serienprojekte der letzten Jahre quotentechnisch allesamt gescheitert sind, werden immer neue Produktionen in Auftrag gegeben. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE plant nun auch der Pay-TV-Anbieter TNT Serie einen deutschen Sechsteiler, der aufwendig produziert sein soll und mit einer gewagten Handlung auftrumpft.

"Weinberg" lautet der Titel, und eben in so einem Weinberg im Ahrtal im Südwesten Deutschlands erwacht der Held der Geschichte aus der Bewusstlosigkeit. Er gelangt in ein altertümliches Dorf, deren Bewohner durch ein Geheimnis zusammengeschweißt scheinen. Klingt ein bisschen wie eine Mischung aus "Lost" und "Twin Peaks".

Die Produzenten des geplanten Mystery-Thrillers zeichnen unter anderem für die Sat.1-Serie "Der letzte Bulle" verantwortlich, eine der wenigen erfolgreichen Serien im deutschen Fernsehen. Die Hauptrollen übernehmen Antje Traue ("Men of Steel") und Friedrich Mücke, der zuletzt im neuen Erfurter "Tatort" zu sehen war. Der Krimi zeichnete sich zwar durch eine etwas grobschlächtige Action-Inszenierung aus, brachte der ARD aber immerhin sehr gute Quoten bei den jungen Zuschauern.

"Der große Bellheim, revisited"

"Weinberg" ist eines unter sehr vielen exponierten Serienprojekten, durch die die Sender gerade Imagepunkte machen wollen. Es vergeht ja keine Woche, in der nicht ein Pay-TV-Sender oder eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit extrem renommierten Namen in diesem Bereich auftrumpft: So arbeite Matthias Glasner ("KDD - Kriminaldauerdienst") an einem Pilotfilm für eine neue Krimiserie im ZDF mit dem Arbeitstitel "Die Lebenden und die Toten". Tom Tykwer entwickelt in einer ungewöhnlichen Kooperation der ARD mit dem Pay-TV-Sender Sky die Serie "Berlin Babylon", die in den Zwanzigerjahren spielt. Auch Hans-Christian Schmid ("Lichter") arbeitet an einer Mini-Serie, Titel: "Das Verschwinden".

Fotostrecke

6  Bilder
TNT-Serie "Add A Friend": Wo bleibt die deutsche Edel-Serie?
Und selbst der nach Deutschland expandierende Film- und Serienanbieter Netflix ("House of Cards") sucht derzeit auf Hochtouren nach einem Serienkonzept, das sich hierzulande realisieren lässt.

Tolle Zeiten also für deutsche Serien-Aficionados? Nicht wirklich. Oder zumindest nicht zwingenderweise. Bislang ist fast jedes anspruchsvolle Projekt in diesem Bereich an fehlendem Publikumsinteresse und/oder fehlenden Programmstrategien gescheitert. Zumindest im öffentlich-rechtlichen Bereich. Von Dominik Grafs "Im Angesicht des Verbrechens" über den von Glasner mitentwickelten "Kriminaldauerdienst" bis Friedemann Fromms "Weissensee" - die Verantwortlichen produzieren zwar gelegentlich höchste Serienkunst, wissen dann aber selten, wohin damit.

Wie Hohn klingt es vor diesem Hintergrund, wenn das ZDF jetzt ankündigt, demnächst mit einem Vierteiler an die neuesten Standards der US-Kurzserien anzuschließen, um ein deutsches "Breaking Bad" zu präsentieren. Nichts für ungut, aber die Kurzserie, oder besser gesagt: der Mehrteiler ist ein Relikt aus den frühen Tagen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und wurde irgendwann vor allem deshalb eingestellt, weil es zu kostspielig war. "Breaking Bad" im ZDF? Na, dann wohl doch eher "Der große Bellheim, revisited".

Bei allem angebrachten deutschen Serien-Pessimismus aber darf man hoffen, dass das TNT-Projekt am Ende vielleicht doch noch ein erfolgreiches Ende nimmt. Schließlich hat der Sender mit seiner vorherigen eigenproduzierten Serie "Add a Friend" ein relativ innovatives Format an den Start gebracht und versucht, es mit langem Atem durchzusetzen. In der Comedy, die einen Spezialpreis bei den Grimme-Auszeichnungen bekam und von der ab dem 6. Oktober die dritte und letzte Staffel ausgestrahlt wird, geht es um soziale Netzwerke und ihren Nutzen und Unnutzen. Ein Publikumshit war zwar auch diese Produktion nicht, für die Markenetablierung von TNT hatte sie aber enorme Bedeutung.

So dürfen die Kreativen des neuen TNT-Babys immerhin auf etwas hoffen, was den bei den Öffentlich-Rechtlichen engagierten Kreativen leider verwährt wird: Begeisterung und Rückendeckung vom Auftraggeber.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
calinda.b 03.09.2014
Nein danke. Kann schon keinen Tatort gucken, die kriegen ja nicht mal Beleuchtung und Ton richtig hin. Von den 'Schauspielern' die klingen wie frisch vom Konservatoriums-Sprechtest mal ganz abgesehen. Die ganze Branche ist Null.
2.
viewer2 03.09.2014
Ein Krimi um ein idyllisches Dorf, wo alle Bewohner ein gemeinsames Geheimnis haben? Wahnsinn! DAS nenn ich mal kreativ. Das gabs ja noch nie!! *Ironie aus* Zum Autor: Dass deutsche Qualitätsserien keine Publikumserfolg hatte, ist ja wohl kein Argument. All die so hoch gelobten US-Serien wie "Breaking Bad" oder "Mad Man" sind im US-TV auch keine Massenware. Nur, dass dort 4% Einschaltquote immer noch genug Zuschauer sind, um die Sendung zu refinanzieren.
3.
smersh 04.09.2014
Hmm. Hier heißt es im Artikel: "Nichts für ungut, aber die Kurzserie, oder besser gesagt: der Mehrteiler ist ein Relikt aus den frühen Tagen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens..." Und direkt darunter wird einem dann der Spiegelartikel Trendformat Kurz-Serie (http://www.spiegel.de/kultur/tv/true-detective-fargo-silicon-valley-serien-bei-den-emmys-a-987128.html#ref=plista) empfohlen...
4.
D_v_T 05.09.2014
Ich habe seit acht Jahren keinen Fernseher, den ich durch die zahlreichen Internetstreams aber auch nicht vermisse. Durch lohnenswerte Serien erfährt man schon so, dachte ich zumindest. Von der Serie "Weissensee" habe ich aber das erste Mal diesen Sommer von einer Bahnschaffnerin in Schweden (!) gehört, die Deutsch sprach und meinte, die Serie laufe gerade im schwedischen Fernsehen und sei sehr empfehlenswert. Und in Deutschland kennt die offensichtlich kaum jemand. Das ist doch erschreckend - oder die Quoten werden einfach bei den falschen Haushalten gemessen...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • HBO/ Sky
    Von "Game of Thrones" bis zur obskuren Sitcom, von "House of Cards" bis zum skandinavischen Noir-Krimi - in unserem Serien-Blog beleuchten wir sämtliche Phänomene der internationalen Serienlandschaft.

Quiz


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: