Lufthansa-Doku in der ARD: Kranich unter dem Hakenkreuz

Von Dinah Deckstein

Im "Dritten Reich" leistete die Deutsche Lufthansa Hilfsdienste für Görings Luftwaffe und ließ Zwangsarbeiter für sich schuften - das dokumentiert der Film "Fliegen heißt Siegen" in der ARD. Die heutige Lufthansa will davon wenig wissen - sie sei ja 1955 neu gegründet worden.

Lufthansa-Logo am restaurierten Flughafen Butzweilerhof in Köln: "Luftkreuz im Westen" Zur Großansicht
WDR/Christoph Weber

Lufthansa-Logo am restaurierten Flughafen Butzweilerhof in Köln: "Luftkreuz im Westen"

In der großen weiten Welt des Fliegens steht die Lufthansa mit dem Kranich auf der Heckflosse geradezu als Sinnbild für deutsche Tugenden wie Zuverlässigkeit, Sicherheit und Pünktlichkeit. Der Regisseur Christoph Weber bringt den Namen der Airline mit ganz anderen Begriffen in Verbindung, nämlich mit Zwangsarbeit oder Nazi-Anbiederung.

"Fliegen heißt Siegen - Die verdrängte Geschichte der Deutschen Lufthansa", ist Webers Dokumentarfilm betitelt, für den er in akribischer Detailarbeit umfangreiches Archivmaterial flöhte und namhafte Historiker interviewte. Er beleuchtet eines der düstersten Kapitel der deutschen Luftfahrtgeschichte und zeigt, wie schwer es manchen Konzernmanagern noch immer fällt, zur Rolle ihrer Vorgänger im "Dritten Reich" zu stehen. Der Film, der am Mittwochabend in der ARD läuft, wurde Ende Juli bereits von Arte ausgestrahlt.

Für die heutige Lufthansa hat nach eigenem Bekunden mit ihrer Gründung im Jahr 1955 eine neue Zeitrechnung begonnen. Formaljuristisch ist das nicht zu beanstanden. Allerdings übernahm man Name, Emblem - und auch einen Teil des leitenden Personals des bis 1945 existierenden Vorgängerunternehmens. Originalaufnahmen aus Wochenschauen dokumentieren, welch zentrale Rolle gerade ihre Vorläufergesellschaft von 1933 bis 1945 bei der Vorbereitung von Hitlers Eroberungsfeldzügen spielte - etwa, indem sie Piloten für die Luftwaffe ausbildete.

Das Hauptgeschäft machten die früheren Lufthansa-Oberen jedoch nach Kriegsbeginn mit der Wartung und Reparatur von Kampfflugzeugen. Weber und seine Mitautoren spürten knapp ein halbes Dutzend Zwangsarbeiter auf, die damals in den Lufthansa-Werkstätten schufteten und bis heute nur vereinzelt Entschädigung erhielten.


"Fliegen heißt Siegen - Die verdrängte Geschichte der Deutschen Lufthansa", Mittwoch, 23.15 Uhr, ARD

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insgesamt 38 Beiträge
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1. Nicht zu beanstanden
sappelkopp 03.08.2010
Zitat von sysopIm Dritten Reich leistete die Deutsche Lufthansa Hilfsdienste für Görings Luftwaffe und ließ Zwangsarbeiter für sich schuften - das dokumentiert der Film "Fliegen heißt Siegen" in der ARD. Die heutige Lufthansa will davon wenig wissen - sie sei ja 1955 neu gegründet worden. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,709913,00.html
Formaljuristisch ist das nicht zu beanstanden, schreiben Sie ja selbst. Also, was solls? Wollen Sie denn Vorständen von AG's etwa ernsthaft mit der Moral kommen? Moral kennen die nicht, verstehen Sie nicht, es geht ums Geld!
2. Reden Sie zufällig
keo 03.08.2010
Zitat von sysopIm Dritten Reich leistete die Deutsche Lufthansa Hilfsdienste für Görings Luftwaffe und ließ Zwangsarbeiter für sich schuften - das dokumentiert der Film "Fliegen heißt Siegen" in der ARD. Die heutige Lufthansa will davon wenig wissen - sie sei ja 1955 neu gegründet worden. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,709913,00.html
von der 'Legion Condor', die den Franco-Faschisten zum Sieg verhalf?
3. Alle deutschen Unternehmen unterm Hakenkreuz
franziskus 03.08.2010
Zitat von sysopIm Dritten Reich leistete die Deutsche Lufthansa Hilfsdienste für Görings Luftwaffe und ließ Zwangsarbeiter für sich schuften - das dokumentiert der Film "Fliegen heißt Siegen" in der ARD. Die heutige Lufthansa will davon wenig wissen - sie sei ja 1955 neu gegründet worden. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,709913,00.html
Welches deutsche Unternehmen hat im 2.Weltkrieg nicht direkt oder indirekt am Krieg teilgenommen? Ich vermute, es gibt nicht eines. Im Übrigen hat nicht nur die neu gegründete Lufthansa Experten von ihren Vorgängerunternehmen übernommen. Dies geht auch nicht anders, denn Fachleute wachsen nicht auf Bäumen. Selbst die Amerikaner haben die V2-Vernichtungsraketenbauer übernommen und sich derer Fähigkeiten bedient. Mit den V2-Raketen wurden wahllos Menschen getötet, denn deren Zielgenauigkeit war nicht sehr groß. Dies hat die Siegermächte nicht daran gehindert, sie mit Orden und Ehrenzeichen, wie Wernher von Braun, auszuzeichnen. Es gibt nur diese Moral. Wer den neuen Herren von Nutzen ist, der hat nichts zu befürchten, selbst wenn er ein Kriegsverbrecher war. Darüber sollte man berichten und nicht, dass die Lufthansa Experten übernommen hat. Davor haben diese „Historiker“ Schiss, denn die Amerikaner würden ihnen fürchterlich auf die Finger hauen.
4. Luftag
stauchert 03.08.2010
Laut Wikipedia heißt die heutige Lufthansa erst so seit die Namenrechte gekauft werden, hat also mit der Lufthansa während des Nationalsozialismus noch weniger zu tun als die "Zentrums-Nachfolgepartei" CDU mit dem Ermächtigungsgesetz von 1933. Ist wohl genauso schlecht recherchiert oder gefaked wie der "Pharma-Skandal" um Regividerm. Leider ist die Qualität und Glaubwürdigkeit der ARD-Dokus und Reportagen nur noch als unterirdisch zu bezeichnen.
5. Schaun wir mal auf die Lufthansa-Website…
ThorstenNYC 03.08.2010
So, so, das Unternehmen wurde also erst 1955 gegründet und hat mit dem Vorkriegsunternehmen gleichen Namens nichts zu tun? Warum beginnt die auf der Konzernwebsite stolz präsentierte Unternehmensgeschichte dann in den 20er Jahren? Besonders diese beiden Seiten zu den 30ern und 40ern sind ja wohl »allerbeste« Beispiele eines selektiven Geschichtsbilds: http://konzern.lufthansa.com/de/geschichte/1930er-jahre.html http://konzern.lufthansa.com/de/geschichte/1940er-jahre.html
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