Von Arno Frank
Magdalena Brzeska, 34, hat es geschafft. In einem hochdramatischen RTL-Herzschlagfinale voller Akrobatik, Präzision und Romantik gewinnt sie das Finale von "Let's Dance". Durchgesetzt hat sich die ehemalige rhythmische Sportgymnastin gegen eine gewisse Rebecca Mir, 20, die gleich nebenan bei ProSieben und "Germany's Next Topmodel" schon einmal Zweite geworden ist.
Professioneller Tänzer oder wenigstens Tanzlehrer müsste man sein. Dann könnte man womöglich beurteilen, ob es so richtig "tschacka-tschacka-bumm-bumm" (Juror und Tanzlehrer Roman Frieling) gemacht hat, ob's "super-super-super" (Moderator Daniel Hartwich) oder "toll, toll, toll" (Moderatorin Sylvie van der Vaart) war beim Cha-Cha-Cha. Oder was so ein Cha-Cha-Cha eigentlich ist. Worauf es da im Detail ankommt, und ob das überhaupt alles sein muss. Der Laie, für den "Latein" eine ausgestorbene Sprache ist, sieht oft nur motorisch besonders knifflige Balzbewegungen. Eine zynische und tanzverachtende Haltung, wo doch alle Beteiligten so wahnsinnig viel "Mut, Willen, Glauben und Ehrgeiz" zeigen, dabei aber auch "wahnsinnig viel Spaß" haben.
Da muss man sich beim Zuschauen doch irgendwann unaufgefordert fühlen. Rasch stellt sich dann die bewährte "Traumschiff"-Trance ein, diese schläfrige Teilnahmslosigkeit, die sehr erholsam und nicht mit Langeweile zu verwechseln ist. Das jedenfalls muss es sein, was die Verantwortlichen im Sinn hatten, als sie neulich "Let's Dance" mit dem Bayerischen Fernsehpreis auszeichneten: Die Sendung vereine auch in der 5. Staffel noch "Glamour, Tanzen und Show zu einem Unterhaltungsformat auf höchstem Niveau". Ein besonderes Kompliment an die Moderatoren: "Sylvie van der Vaart und Daniel Hartwich machen das mit liebenswertem Charme und großem Einfühlungsvermögen und präsentieren diese spannende Tanzshow mit viel Herz und natürlicher Fröhlichkeit."
Sagt sie unbeholfen: "Lecko mio! Das war aber spannend!", steigt er voll drauf ein mit: "Leck mich am Arsch! Ich kack mir auf die Füße! Lecko mio!" So viel natürliche Fröhlichkeit muss sein, aber auch nicht mehr. Sonst wird noch "der Hund in der Pfanne verrückt" (S.v.d. Vaart) beziehungsweise der Zuschauer wieder wach. Ein weiterer Tanz, sehr sinnlich und leidenschaftlich. Wer sind diese Leute? Aha, Revue passieren noch einmal alle Kandidaten. Die feurige Volksmusikantin Stefanie Hertel. Die tapfere Gitte Haenning. Die blinde Sängerin Joana Zimmer, die mit ihrer Augenbinde immer etwas von der griechischen Göttin Justita hatte.
Und wieder kommt man ins Träumen, zumal jetzt gerade die Gewinnerin von 2007, ein GZSZ-Sternchen, nach ihrer Finalerfahrung befragt wird: "Es war einfach nur aufregend und spannend, der Knaller, eine Achterbahn der Gefühle, ach, ich könnte mich totreden." Dann wieder ein Tanz, die Jury findet unterschiedliche Worte der Begeisterung. Magdalena Brzeska ist schülerinnenhaft gerührt. Danach spielt sich das Moderatorenduo wieder vermutlich "fetzige Gags" zu, und Sylvie lacht wieder ihr seelenloses Lachen, trockene Lachhülsen eigentlich nur, die ihr in Augenblicken der Verlegenheit aus dem Mund bröseln wie Kartoffelchips. Mit viel Herz und ihrer besten Porno-Synchronstimme fordert sie Rebecca auf: "Kannst du ein bissen Bauchtanzen für uns? Ooooh, jaaa!"
Derweil wird es trotz Gleichstand einfach nicht spannender, im Gegenteil: Unmittelbar vor der Bekanntgabe des finalen Zuschauer-Votings ("0,50 Euro/Anruf. Dt. Festnetz nutzen! Mobil viel höher") wird es seltsamerweise noch ein wenig langweiliger. Dann hat es Magdalena Brzeska, 34, geschafft. Und wir auch.
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