"Maischberger" zu Russland und USA Putin? Gar nicht so schlimm

Bei Sandra Maischberger wurde über die Schreckschrauben der globalen Politik gestritten. Trump war den Gästen diesmal egal - bei Putin ging es hoch her.

Sandra Maischberger mit Gästen
WDR/ Melanie Grande

Sandra Maischberger mit Gästen

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Die großen Schreckschrauben der globalen Politik waren Thema des Maischberger-Talks am späten Mittwochabend. "Trump oder Putin: Vor wem müssen wir mehr Angst haben?" lautete die Frage, die die Gäste zu diskutieren hatten.

Trump sei ein "erratisches, schwer kalkulierbares Ungetüm", erklärte Udo Lielischkies, ARD-Studioleiter in Moskau, seine Kollegin, die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl widersprach: Der US-Präsident zeige doch eine große Stringenz darin, die bisherigen Grundfesten der internationalen Wirtschaftsordnung - Globalisierung und Freihandel - infrage zu stellen. Wie dem auch sei: Die Deutschen, so verriet Sandra Maischberger zu Beginn der Sendung, machen sich zu 82 Prozent Sorgen wegen Donald Trump, aber nur zu 53 Prozent wegen Wladimir Putin.

Folgerichtig debattierte die Runde fast ausschließlich über die Figur des russischen Präsidenten, der am Sonntag mit über drei Vierteln der Wählerstimmen im Amt bestätigt wurde. Das mag auch daran liegen, dass es nach über einem Jahr Amtszeit kaum noch ernstzunehmende Trump-Versteher gibt, die man in eine Talkshow setzen könnte. An Putin-Verstehern mangelt es in Deutschland weniger - dass Deutschland und Europa die russische Regierung arrogant und ungerecht behandelten, darüber werden sich erstaunlicherweise lagerübergreifend nicht wenige Linke und Rechte einig.

"Die halbe Wahrheit"

Bei Maischberger saßen die Linken-Politikern Sahra Wagenknecht und die ehemalige ARD-Russlandkorrespondentin Gabriele Krone-Schmalz in der Runde, um - ja was eigentlich? Die Politik des russischen Präsidenten zu rechtfertigen? Nicht wirklich. Putin-Versteher argumentieren - anders als Erdogan-Versteher etwa - weniger mit Wohltaten des Präsidenten als mit der Doppelmoral, mit der der Westen angebliche Missetaten der russischen Regierung geißelt. Putin stünde für "vieles, was wir nicht gutheißen können", erklärte Wagenknecht, ohne ins Detail darüber zu gehen, was sie nicht gutheißt. Aber immerhin sei er doch "einschätzbar" und habe, anders als Trump, "noch keinem Land einen atomaren Erstschlag angedroht". Es sei nur "die halbe Wahrheit", dass Putin die EU zerstören wolle, vielmehr bilde auch die EU ein "Bollwerk gegen Russland" und trage so zur Eskalation der Situation bei, erklärte Krone-Schmalz.

Dass die russische Regierung im Ausland "Verräter" ausschalten lässt, wie mutmaßlich zuletzt im Fall des ehemaligen Agenten Sergej Skripal geschehen, ist für Putin-Versteher keineswegs ausgeschlossen, aber eben doch bloß eine bis auf Weiteres unbewiesene Behauptung des Westens. "Wir wissen, dass das Gift aus Russland kommt", beschwor der ehemalige britische Geheimdienstler Anthony Glees.

"Wissen wir nicht!", hielt Krone-Schmalz dagegen und führte an, die Briten hätten die Organisation für das Verbot chemischer Waffen einschalten müssen, was sie erst mit Verspätung getan hätten, um stattdessen vorschnell Beschuldigungen gegen Putin auszusprechen.

Auch Wagenknecht mochte auf die Beteuerungen des britischen Außenministers, das Nervengift stamme aus russischer Militärproduktion, nicht viel geben, schließlich hätte es im Falle Saddam Hussein seinerzeit auch geheißen, der irakische Diktator verfüge "zu 100 Prozent über Massenvernichtungswaffen" - und am Ende sei das eine Fehlinformation gewesen. "Warum sollte Putin kurz vor der Wahl einen solchen Mord in Auftrag geben?", fragte die Linken-Fraktionsvorsitzende in die Runde. "Putin braucht die Auseinandersetzung mit dem Westen, das macht ihn so populär", antwortete ARD-Mann Udo Lielischkies und verwies darauf, dass Putins Wahlkampfleiterin sich bei den Briten bedankt hatte für den Mordvorwurf.

Verkehrte Welt: Nicht die Linken-Politikerin Wagenknecht sprach von "Kleptokraten und Oligarchen, die das Land auspressen", es blieb dem CDU-Europapolitiker Elmar Brok vorbehalten, das System Putin zu geißeln. "Man sollte Diktaturen nicht aufpäppeln", erklärte Brok. "Wer Krieg macht, muss mitgeteilt bekommen, dass Krieg für ihn auf die Dauer teuer ist." Man würde seiner Partei wünschen, dass sie im Falle des kriegführenden türkischen Staatschefs Erdogan eine ähnlich klare Haltung vertritt. Was wiederum kein Grund ist, zum Putin-Versteher zu werden.

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cogito-ergo-sum 22.03.2018
1. Unerträglich...
...diese Frau Krone Schmalz, die den Medien Einseitigkeit vorwirft und zugleich total einseitig ist. Ihre Arroganz, mit der sie den Eindruck vermittelt, dass nur sie die Wahrheit kennt, ist nur schwer zu ertragen. Die Dame hat als öffentlich-rechtliche "Journalistin" alle Vorzüge des freien Mediensystems genossen und macht Propaganda für ein System, das erwiesenermaßen keine Meinungsfreiheit kennt und in dem unliebsame Journalisten umgebracht oder eingesperrt werden. Warum wird solchen Leuten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein Forum geboten?
mwroer 22.03.2018
2.
Habe ich was verpasst? "Wie dem auch sei: Die Deutschen, so verriet Sandra Maischberger zu Beginn der Sendung, machen sich zu 82 Prozent Sorgen wegen Donald Trump, aber nur zu 53 Prozent Prozent wegen Wladimir Putin. Folgerichtig debattierte die Runde fast ausschließlich über die Figur des russischen Präsidenten, der am Sonntag mit über drei Vierteln der Wählerstimmen im Amt bestätigt wurde. " Also es wird über das diskutiert worüber sich die Deutschen weniger Sorgen machen als über das was den Deutschen mehr Sorgen macht? Warum dann nicht gleich die Umfrage 'Wer beunruhigt Sie mehr: Putin oder Turnbull?' Dann erfährt man gleich ein bisschen über Australien, ist doch nett, man hört eh so wenig von dort.
helmipeters 22.03.2018
3. Angst vor Russland ?
53 % machen sich sorgen wegen Putin. Die einzigen die mir für unsere Zukunft Angst machen sind die Chinesen. Wer auf deren Parteitag genau zugehört hat erkennt, das China die Weltherrschaft anstrebt. Wieso kriegen unsere ach so schlauen Journalisten dies nicht mit. Die wahren Gefahren für Europa sitzen nicht im weissen Haus oder Kreml sondern in Peking.
Ralf1234 22.03.2018
4. Es war schon immer so
in der Geschichte, ja sogar in der Evolution: der Stärkere nimmt sich was er möchte, sei es auf friedliche Art durch Verhandlungen, durch Muskelkraft oder durch militärische Stärke. Die Schlussfolgerung kann nur lauten: Sei selber so stark wie es nur geht!
joG 22.03.2018
5. Das ist eine Wirkung....
...der von Putin aktivierten Gerasimov Doktrin. Der Asymetrische Krieg, den Russland seit den 1990ern gegen freiheitliche Demokratien hart führt, zielt eben auch auf Meinungsmanipulationen und beschränkt sich nicht auf die Unterstützung von Diktatoren oder militärische Aggression zur Gebietsnahme. Da wir das lange Zeit nicht groß beachteten bzw aktiv ignorierten, haben sich die Meinungsmikroben, die Putins Leute sähten, epidemisch vermehrt und sind nun gefährlich geworden.
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