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Maischberger-Talk zur AfD: "Sie quatschen hier alle an die Wand"

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Maischberger-Talk zu AfD: Die Dame von der Tabupartei Fotos
WDR/Max Kohr

Führt die AfD Deutschland nach rechts? Darüber wollte Sandra Maischberger diskutieren, sie gab sich auch sichtlich Mühe. Doch gegen eine aalglatte Frauke Petry kam sie in dieser Sternstunde der wortreichen Sprachlosigkeit kaum an. Die Sendung im Check.

Zur Sendung: Über den Umgang mit der rechtspopulistischen AfD sind in den vergangenen Tagen heftige Diskussionen entbrannt: Namhafte Politiker weigern sich, an TV-Duellen mit AfD-Vertretern teilzunehmen. Gleichzeitig steigen die Umfragewerte der Partei. Sandra Maischberger nahm das zum Anlass für ihre aktuelle Sendung. Das Motto: "Tabupartei AfD - Deutschland auf dem Weg nach rechts?"


Meiden oder die Auseinandersetzung suchen? Durch das TV-Debakel im Vorfeld der Rheinland-Pfalz-Wahl hat das Problem des öffentlichen Umgangs mit der AfD zusätzliche Brisanz gewonnen. Und es gibt ja sogar die These, die neue Partei sei durch Talkshows erst groß geworden. Nach dem Auftritt Frauke Petrys bei Sandra Maischberger drängt sich allerdings noch eine ganz andere Frage auf: Ob es tatsächlich einen Sinn hat, mit den Rechtspopulisten zu sprechen.

Die Besetzung: Eigentlich war die vielversprechend - zumindest der Papierform nach. Direkt neben der AfD-Vorsitzenden saß SPD-Vize Ralf Stegner, ein gestandener Linker, ebenso wie der Publizist und SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist Jakob Augstein, ferner der verlegerisch tätige Schweizer AfD-Sympathisant Roger Köppel, neuerdings auch SVP-Politiker, sowie irgendwo zwischen allen Stühlen der Merkel-Kritiker und AfD-Aussteiger Hans-Olaf Henkel. Der hatte Schlimmes zu berichten von seinen Erfahrungen mit einem "Monster", das er unwissentlich mit erschaffen habe. Laut Petry hat der ehemalige Parteivize allerdings "überhaupt keine Ahnung."

Das Thema: Ist Deutschland auf dem Weg nach rechts? Das wollte Maischberger eigentlich wissen. Zumindest seitens der Demoskopie gab es in diesem Punkt Entwarnung. Reinhard Schlinkert, Chef des Umfrageinstituts Infratest dimap, mochte der Ein-Themen-Partei mit vornehmlich männlicher, von Ängsten geplagter Anhängerschaft nach derzeitigem Stand keine große Zukunft voraussagen.

Henkel verortete die Republik dank Merkel ohnehin eher auf dem Weg nach links, während Augstein, tendenziell ähnlich, die AfD auch als Produkt der CDU-Modernisierung sah. Rasch biss sich die Diskussion dann an der Frage fest, wie rechts die AfD ist. Nach Ansicht von Petry und Köppel ist sie das natürlich überhaupt nicht, weil ja schließlich irgendwer die Probleme beim Namen nennen müsse - notfalls auch mit rassismusverdächtigen Zeitungscovern.

Positionen: Für Henkel ist die AfD heute "eine NPD im Schafspelz", Stegner plädierte für Überwachung durch den Verfassungsschutz. Augstein sprach von einer "Lügenpartei": Sie versuche, die Demokratie mit den Mitteln der Demokratie zu untergraben und mit der lächelnden Talkshow-Petry eine Doppelstrategie zu verfolgen. Dafür bekam er von Köppel vorgehalten: "Leute wie Sie stärken den Rechtsextremismus." Ansonsten gefiel sich der gleichfalls lächelnde, talkshowerprobte Schweizer sichtlich in der Rolle des um der Petry Heil Besorgten, der den Deutschen endlich mal erklärt, was es mit der AfD und der SVP und überhaupt mit Rechts tatsächlich auf sich hat.

Der Verlauf: Zurückhaltend konnte man das Ganze als Zusammenprall zweier Welten empfinden, als ebenso absurde wie letztlich deprimierende Sternstunde der wortreichen Sprachlosigkeit. Deutlicher gesagt: Das war gar nichts außer einem 75-minütigen Versuch einer wenigstens halbwegs erkenntnisträchtigen Auseinandersetzung, die einfach nicht zustande kommen wollte.

Die Hauptursache hierfür hatte einen Namen und ein Gesicht. An dem aal- und stahlglatten Dauerlächeln der Frauke Petry prallten sämtliche Fragen und Vorhaltungen schlichtweg ab - ob sie nun Mordaufrufe aus AfD-Reihen gegen Regierungspolitiker oder "Steckbriefe" betrafen, Forderungen, an der Grenze auf Flüchtlinge zu schießen, Höcke-Äußerungen im Nazi-Jargon oder Hinweise auf die Unterwanderung ihrer Partei durch Rechtsextremisten. Jedes Mal wich sie aus, tat ab, nannte etwas allenfalls "inakzeptabel" oder verwies darauf, dass andere auch nicht besser oder "mediale Verwirrungen" im Spiel seien. Sie legte aber Wert auf die Feststellung, dass Höcke kein Rassist sei.

Auch eine inhaltliche Auseinandersetzung über rechtliche oder wirtschaftliche Aspekte der Flüchtlingspolitik erwies sich als unmöglich. Jeder Versuch eines Dialogs erstickte sogleich unter einem Petry'schen Propaganda-Schwall, sodass Augstein nur genervt konstatieren konnte: "Sie quatschen hier alle an die Wand."

Die Bilanz: Selten stieß eine derartige Veranstaltung immer wieder auf solch eine geradezu surreale Weise an die Grenzen des kommunikationstechnisch Machbaren. Das lässt sich aber - das sei betont - keineswegs der Moderatorin anlasten. Maischberger gab sich wirklich alle Mühe, Reste von Gesprächsstruktur aufrechtzuerhalten, nachzusetzen, zu insistieren, die richtigen Fragen zu stellen und auf Antworten zu beharren. Nur nützte das alles nichts. Am Ende blieb ihr bloß das Fazit: "Auf grundsätzliche Regeln des Miteinander-Redens haben wir uns nicht einigen können."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 653 Beiträge
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1. Werthaltig war lediglich Augsteins Einwurf:
gjnk7172 28.01.2016
„Die sollen sich selbst entlarven. Auch die, die die Demokratie zerstören wollen, müssen rein in die Arena. Die AfD ist nicht durch Talkshows groß geworden, sondern durch einen Rechtsruck in der Gesellschaft.“
2. grausam
rainer60 28.01.2016
die Sendung hat gezeigt das man mit frau Petry und Herrn henkel nicht diskutieren kann. die eine ist immun gegen alles der andere versucht nur seine Gesinnung hinter geschwafel zu verstecken.
3. es fällt schwer, Stegner und Augstein ernst zu
emsjka 28.01.2016
nehmen. Der Erste rät der eigenen Partei davon ab, überhaupt einen Kanzlerkandidaten aufzustellen, der Letztgenannte wegen seiner "Kasperle-Auftritte" im TV
4.
Olaf 28.01.2016
Die AfD besiegt man nicht mit Pöbeleien und Sprücheklopferei, sondern dadurch das man die Flüchtlingskrise löst. Mehr ist nicht nötig. Die Politik meint zwar das ginge nicht, aber ein Teil der Bürger sieht das eben anders und da liegt das Problem.
5. Inhaltliche Auseinandersetzung?
kritischer-spiegelleser 28.01.2016
Daran war man wohl nicht interessiert. Obwohl es die Besetzung möglich gemacht hätte. Man sah an Stegner, dass die sachlichen Argumente fehlten. Deshalb konnte er nur penetrant für die Überwachung durch den Verfassungsschutz plädieren. Ein Zeichen der Schwäche und der Konzeptlosigkeit. Er spricht dauernd vom Rechtsstaat und unterstützt die Kanzlerin bei Gesetzesverstößen. Frau Petry hat für mich souverän und seriös agiert, Frau Maischberger hat bei ihrer Moderation die Steuerung verloren.
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