Quotenbonus für Maischberger Öffentlich-menschliche Bezahlung

Kohle für Quote: Die ARD-Moderatorin Sandra Maischberger wurde vom WDR für ihre Talksendung "Menschen bei Maischberger" jahrelang abhängig von den Zuschauerzahlen honoriert. Und damit besonders motiviert, es extra kräftig menscheln zu lassen?

Moderatorin Sandra Maischberger: Besser motiviert?
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Moderatorin Sandra Maischberger: Besser motiviert?


Berlin - Es herrschen offenbar recht private Sitten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: Die ARD-Talkerin Sandra Maischberger, 46, ist über lange Zeit vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) für ihren Talk "Menschen bei Maischberger" erfolgsorientiert honoriert worden.

"Es gab im ursprünglichen Vertrag mit Sandra Maischberger aus dem Jahr 2003 eine vom Marktanteil abhängige Höhe des Moderationshonorars", bestätigte ein WDR-Sprecher am Donnerstag Berichte des "Kölner Stadt-Anzeigers" und des Blogs "ruhrbarone.de". "Im Bereich der Unterhaltung ist dies nicht unüblich. Neben vorwiegend relevanten Qualitätskriterien ist die Akzeptanz beim Publikum auch ein Leistungsnachweis für die gezahlten Honorare."

Schon lange ist bekannt und wird kontrovers debattiert, dass sich öffentlich-rechtliche Sender zunehmend nach der Zuschauergunst richten. Die Quote ist für sie, ganz unabhängig vom staatlichen Grundversorgungsauftrag der Sender, zum Kriterium für die Entwicklung, Fortsetzung oder Einstellung von Formaten geworden. Dass selbst die Bezahlung der seriösen Moderatorin Maischberger von der Zahl der Zuschauer abhängig gemacht wird, ist eine Fortentwicklung dieser vermeintlich modernen Art, Fernsehen zu gestalten.

Eine unmenschliche Aufgabe

Im "Gesetz über den Westdeutschen Rundfunk Köln" ist zwar viel über den Auftrag zur Information, Bildung und Unterhaltung der Zuschauer zu lesen, die Art und Weise der Maischberger-Honorierung lässt sich damit allerdings kaum erklären. Sollte es sich dabei gar um eine "Strategie zur Stärkung der Zuschauerbindung und -beteiligung" handeln, wie sie in §4a zur "Erfüllung des Programmauftrags" eingefordert wird?

Sandra Maischberger könnte demnach mit der Aussicht auf einen Bonus dazu motiviert worden sein, es extra kräftig menscheln zu lassen, damit möglichst viele Menschen vor dem TV-Gerät mitmenscheln. Gleichzeitig hätte Maischberger aber darauf achten müssen, es stets öffentlich-rechtlich menscheln zu lassen, damit man auch etwas lernt dabei. Eine geradezu unmenschliche Aufgabe, hoffentlich entschädigte der Bonus für die Strapazen.

Die Vereinbarung sei ab Januar 2013 allerdings gestrichen worden, heißt es jetzt. WDR-Unterhaltungschef Siegmund Grewenig hatte bei einer Redakteursversammlung zu Wochenbeginn Maischbergers Honorierung auf Nachfrage einer Redakteurin bestätigt. Die Regelung habe aber nur für Maischberger persönlich gegolten.

Maischbergers Produktionsfirma Vincent TV, deren Geschäftsführerin sie ist, wurde pauschal bezahlt. Für 72 Folgen von "Menschen bei Maischberger" sind den Berichten zufolge in den Jahren 2012 und 2013 insgesamt brutto 4,5 Millionen Euro geflossen. Maischberger moderiert ihren ARD-Talk unter Federführung des WDR seit September 2003.

dpa/kuz



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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
!!!Fovea!!! 14.03.2013
1.
Zitat von sysopDPAKohle für Quote: Die ARD-Moderatorin Sandra Maischberger wurde vom WDR für ihre Talksendung "Menschen bei Maischberger" jahrelang abhängig von den Zuschauerzahlen honoriert. Und damit besonders motiviert, es extra kräftig menscheln zu lassen? http://www.spiegel.de/kultur/tv/maischberger-vom-wdr-abhaengig-von-einschaltquote-honoriert-a-888874.html
Da wundert es doch keinen, dass der WDR als größter Anbieter von 3. Prgrammen im ÖR an der Neuregelung des Zwangsbeitrages, ich meine Demokratieabgabe im Beitragsservice der GEZ, nicht mehr an der alten Regelung festhalten will. Noch einen Grund dieses GEZ Ungetüm zu boykottieren und eine Verfassungsklage einzureichen.
Leser161 14.03.2013
2.
Für Fernsehen das nur auf die Quote schaut haben wir doch die Privaten. Wozu zahl ich jetzt nochmal genau dieses Rundfunkdings, wenn die öffentlich-rechtlichen das auch machen?
gestandeneFrau 14.03.2013
3. ...
Zitat von sysopDPAKohle für Quote: Die ARD-Moderatorin Sandra Maischberger wurde vom WDR für ihre Talksendung "Menschen bei Maischberger" jahrelang abhängig von den Zuschauerzahlen honoriert. Und damit besonders motiviert, es extra kräftig menscheln zu lassen? http://www.spiegel.de/kultur/tv/maischberger-vom-wdr-abhaengig-von-einschaltquote-honoriert-a-888874.html
Dann hätte sie meiner Meinung nach für diesen Müll gar nichts bekommen dürfen.
jkoller 14.03.2013
4. Beeindruckend
Ich finde es beeindruckend, wie schlecht einige Moderatoren wie Maischberger oder Will ihren Job machen. Jeder beliebige Mensch den man aus einer Fußgängerzone fischt, würde es besser machen. Man könnte auch einen Blumentopf hinstellen, die Ansage der Einspiel-Filme fällt dann halt weg. Haben die sich das jemals selbst angeschaut, wenn alle durcheinander reden und man als Fernsehschauer wirklich nichts mehr versteht? Und das minutenlang, ohne dass die Moderatorin eingreift. Klar im Studio hat man noch die Chance einzelne Stimmen rauszuhören. Zuhause kommt nur noch Lärm an. Warum gucken die sich nicht selbst mal die Sendung an? Soviel Unfähigkeit ist wirklich Wahnsinn. Und dafür muss! man bezahlen.
dievo 14.03.2013
5. Jauch auch?
Das erklärt, warum Frau Maischbergers Sendung immer so boulevardesk daherkommt. Vielleicht wird Herr Jauch ja ebenfalls so bezahlt, wenn man sich das effekthascherische Getue seiner Sendung anschaut, wie letztens mit der Einladung von Herrn Maschmeyer wieder zu beobachten war.
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