"Maischberger" zur Schwarz-Rot Keine Lustveranstaltung

Eigentlich sollte es bei Maischberger um die GroKo gehen - doch am Ende diskutierten die Gäste auch Wagenknechts linke Sammlungsbewegung.

Talk bei Sandra Maischberger
WDR/ Max Kohr

Talk bei Sandra Maischberger

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Dass jeder Gast sein Thema mitbringt, dass die Moderatorin sie auch alle abklappert: Ist das die Zukunft der politischen Talkshow in dieser Legislaturperiode? Laut Ankündigung sollte es bei Maischberger am späten Mittwochabend um den "GroKo-Poker: Letzte Chance für Merkel & Co.?" gehen. Doch wenn man so divers einlädt, wie der aktuelle Bundestag nun mal derzeit ist, lassen sich die Gäste kaum mehr unter einen Hut bringen. Was soll ein Alexander Gauland zur Diskussion um die GroKo auch Substantielles beitragen? Der AfD-Senior wirkte fast überrascht, als Sandra Maischberger ihn nach seiner Meinung zur Alternative "GroKo versus Neuwahlen" befragte. Und lieferte halt einfach das gute alte AfD-Mantra: "Wir sind in der Tat der Stachel im Fleisch der CDU/CSU" erklärte Gauland. "Wenn wir nicht die Flüchtlingspolitik kritisieren würden, würde Herr Herrmann nicht so hart verhandeln."

Womöglich hat er da sogar recht. Die Fragen, die sich an den Koalitionsverhandlungspoker um den Familiennachzug von Flüchtlingen knüpfen, sind von geradezu demokratiephilosophischer Dimension. Die Union hatte am Mittwoch die weitere Aussetzung durchgekämpft, die SPD einen "Korridor" von 1000 Flüchtlingen pro Jahr abgetrotzt.

Machen CDU/CSU das, weil sie die "Sorgen der Menschen ernst nehmen", wie Joachim Herrmann von der CSU erkläre? Oder lassen sie sich von der AfD vor sich her treiben? Sind die Sorgen der AfD womöglich gar die "Sorgen der Menschen"? Aber warum ist die AfD dann eine "schlimme Partei" mit der der bayrische Innenminister "nichts zu tun haben will"? Und wenn die SPD der Meinung ist, dass man Rechtspopulisten nicht bekämpfen kann, "indem man ihre Parolen übernimmt", wie der stellvertretende Parteivorsitzende Ralf Stegner bei Maischberger betonte - warum wollen die Sozialdemokraten dann in einer Koalition an der Umsetzung dieser Parolen mitwirken? Weil sie so immerhin 1000 Flüchtlingen zum Familiennachzug verhelfen - statt den ungefähr 70.000, die nach der ausgesetzten Regelung einen Anspruch darauf hätten, wie "taz"-Journalistin Bettina Gaus vorrechnete?

SPD: "Keine Lustveranstaltung"

Moderatorin Sandra Maischberger interessierte mehr, ob die GroKo denn überhaupt funktionieren könne, wenn man schon die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen so unterschiedlich interpretiert - sowohl die SPD als auch die Union hatten die Einigung beim Familiennachzug als ihren Erfolg verkauft. Die Frage blieb unbeantwortet, stattdessen gab sich Stegner so ostentativ schlecht gelaunt, wie es die Parteiräson angesichts des anstehenden Mitgliedervotums über die GroKo verlangt: Die Koalitionsverhandlungen seien eben "keine Lustveranstaltung", aber es "bleibt uns ja nichts anderes übrig, wenn man Verantwortung für das Land übernehmen will", so der SPD-Mann.

Auch Sahra Wagenknecht durfte ihr Mantra vorführen. Demzufolge ist es "das Erbe der letzten großen Koalition, dass die AfD im Bundestag sitzt", weil die nämlich eine Politik gemacht habe, die "die wachsende soziale Spaltung verwaltet". SPD und Union hätten sich angeglichen, "die Leute können sich kaum mehr unter Alternativen entscheiden", so die Linken-Fraktionsvorsitzende, "dann wählen sie aus Wut auch mal Herrn Gauland".

Nochmal zum Mitschreiben: Die Menschen wählen gar nicht Rechtspopulisten oder Rassisten, weil sie so denken, sondern weil sie enttäuscht sind von den großen Parteien, die kaum mehr unterscheidbar sind und eine unsoziale Politik machen? Sie müssten also eigentlich die Linkspartei wählen, die eine soziale Politik verspricht?

Das machen sie aber nicht, sondern wählen "aus Wut" die AfD, woran aber natürlich wieder CDU und SPD schuld sind? Das ist so kompliziert, dass man da als ganz normaler Linker gedanklich kaum hinterherkommt. Vielleicht erhofft sich deshalb Wagenknecht von einer linken Sammlungsbewegung die Rettung. Die wäre nämlich weniger kompliziert, sondern "etwas Breiteres". "Ich möchte eine Regierung, die dieses Land sozial wieder einigt", erklärte sie, das sei aber "nur erreichbar, wenn sich die SPD neu aufstellt, oder wenn etwas neues Breiteres entsteht."

Andererseits: Auch Wagenknecht Sammlungsbewegung verdankt sich einer komplizierten Arithmetik, wie sie am Beispiel des Schulz-Effekts erläuterte: Als Martin Schulz SPD-Kanzlerkandidat wurde und "nach links blinkte", wuchs die SPD zwischenzeitlich um 10 Prozent in der Wählergunst, "aber diese 10 Prozent sind eben nicht zu uns gekommen."

Und dann war da noch Christoph Schwennicke, dem es beliebte, die AfD aus der Perspektive des Hobby-Destillateurs zu betrachten: Es sei "noch nicht ganz geklärt, ob da Apfelwein oder Essig rauskommt", so der Cicero-Chefredakteur in Richtung Alexander Gauland. "Ich dachte, Sie sind ein gebildeter Mensch", wie es denn sein könne, dass er Björn Höcke verteidige. Gauland - der sich auch bei Maischberger wieder zu Höcke bekannte - gefiel das sichtlich.



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