Ranking-Shows von HR, WDR und RBB Drei weitere Sender haben manipuliert

In drei Fällen hat der HR Rankings nachträglich verändert. Der RBB hat zwei Mal eingegriffen, der WDR gar zehn Mal. Nach ZDF und NDR geben damit nun bereits Sender Nummer drei, vier und fünf Manipulationen bei Online-Votings zu.

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dpa

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Köln/Berlin/Frankfurt am Main - Der Hessische Rundfunk hat erklärt, dass in den Jahren 2011 bis 2014 in drei Ranking-Shows des Senders das Abstimmungsergebnis nach dem Online-Voting verändert wurde. Den Redakteuren seien einerseits Unauffälligkeiten bei der Stimmabgabe im Internet aufgefallen, die sie "korrigiert" hätten. In einem Fall wurde das Resultat aus dramaturgischen Gründen geändert: Bei einer Abstimmung zu "Die beliebtesten Klassiker des Kinderfernsehens" waren zwei Trickfilme auf benachbarte Plätze gewählt worden - der HR verschob einen der beiden auf einen anderen Platz.

"Die redaktionellen Eingriffe ins Voting im hr-Fernsehen hätten dem Publikum transparent gemacht werden müssen", sagte HR-Intendant Helmut Reitze. Eine Manipulation auf der Basis von repräsentativen Umfragen, wie sie beim ZDF geschehen ist, schließt der HR hingegen aus, seine Ranking-Shows basierten ausschließlich auf Online-Votings. Der Sender kündigte die Ausarbeitung eines Transparenzleitfadens für diese Art der Abstimmung an.

Auch der Westdeutsche Rundfunk hat bei einer internen Prüfung seiner Ranking-Sendungen der Jahre 2008 bis 2014 redaktionelle Eingriffe festgestellt. Bei zehn von 111 Ranking-Sendungen hätten Mitarbeiter Abstimmungsergebnisse nicht so wiedergegeben, wie es die Abstimmungen ergeben hatten, "weil das Online-Voting entweder verzerrt war oder nicht zu klaren Ergebnissen führte", wie der WDR in einer Stellungnahme erklärt. Über das eigenmächtige Verändern der Ergebnisse hatte der Sender seine Zuschauer seinerzeit aber nicht informiert.

Im Einzelnen gesteht der Sender ein, dass er eingriff, wenn:

  • es in kurzer Zeit online zu massiven Häufungen für einen Kandidaten auf der Abstimmungsliste kam
  • es bei den Letztplatzierten einer Abstimmung zu Stimmengleichheit kam
  • die Beteiligung beim Online-Abstimmungsverfahren zu gering war. In diesem Fall beauftragte die Redaktion ein externes Institut mit der Umfrage, deren Ergebnisse dann Grundlage der Sendung wurden.

Auch beim WDR basierten sämtliche betroffene Sendungen - die "Hitlisten des Westens" und "21 Dinge, die man in NRW erlebt haben sollte" ursprünglich nicht auf repräsentativen Umfragen, sondern ausschließlich auf Online-Klick-Abstimmungen. Bei manchen war die Beteiligung offenbar so gering, dass die Redaktion sich genötigt sah, selbst ein Ergebnis zu kreieren. Davon betroffen waren die "Die beliebtesten Talsperren in Nordrhein-Westfalen", "Die beliebtesten Spektakel in Nordrhein-Westfalen" sowie "Die unheimlichsten Orte in Nordrhein-Westfalen".

Und auch der RBB in Berlin räumt jetzt ein, in zwei Ranking-Sendungen Ergebnisse geändert zu haben: "2013 stimmte bei den beiden 45-minütigen Sendungen '21 Dinge, die man in Berlin erlebt haben muss' und '21 Dinge, die man in Brandenburg erlebt haben muss' die ausgestrahlte Reihenfolge nicht mit dem Abstimmungsergebnis überein", sagte Heiner Heller, Programmbereichsleiter "Neue Zeiten" im RBB. Grund für die Manipulation sei gewesen, dass die Redaktion eine andere Reihenfolge für dramaturgisch wirkungsvoller gehalten habe.

Der WDR zieht aus seinen Recherchen die Konsequenz, zukünftig auf Online-Votings in Ranking-Shows zu verzichten. Auch der RBB will sein Abstimmungsverfahren überprüfen - wie zuvor bereits ZDF und NDR. Nach dem Bekanntwerden der Manipulationen war beim ZDF der Unterhaltungschef des Senders, Oliver Fuchs, zurückgetreten.

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
holla,diewaldfee 12.08.2014
1. Prioritäten!
Wenn sich die Sender bei anderen Formen der Berichterstattung so gewissenhaft aufspielen würden, wie bei der Bewertung von "Hessens schönste Dachgiebel", wäre den um sachliche Informationen bemühten Medienkonsumenten um einiges mehr geholfen. Wen interessiert denn dieser Kram? Das sind doch nur billig finanzierte Lückenfüller. Unterhaltung. Was juckts mich oder irgendwen, ob der offizielle Platz 1 der "Beliebtesten Kuhbesamungsmethoden Deutschlands" in Wahrheit nur auf Platz 10 gelandet ist? Dagegen wäre eine kritischere Berichterstattung über ein vielfaches Regierungsversagen im katastrophalen Ausmaß ca. 80 Mio. mal dringlicher.
volhein 12.08.2014
2. Staatsfunk
Die allzu enge Verquickung von Staatsfunk und Politik stellt Höhe Art und Weise des Gebührenmodells restlos in Frage. Bildungsauftrag im ÖRF, bitte noch mal?
hansulrich47 12.08.2014
3. Das wär nicht so schlimm,
wenn sich diese ÖR-Typen nicht immer so erhaben und kilometerweit überlegen gegenüber den privaten Konkurrenten geben würden. Bei denen wird Manipulation ja als Selbstverständlichkeit vorgegeben. Die müssen Geld verdienen, deshalb müssen die sowas machen, lautet die Begründung. Der ÖR muss ja nur seinen Kontrollören gefallen, den staatstragenden 'gesellschaftlich relevanten Gruppen'. Da sitzen dann Politiker, Kirchenverteter und bewundern die Leistung des ÖR-Funks! Der Bildungsauftrag wird dann durch die Übertragung einer Messe und von Volksmusik erledigt. Alle nicken, bekommen Sitzungsgeld und verschwinden zeitig.
GoBenn 12.08.2014
4.
Dieses "Listen-TV" ist eh eine Pest. Billig produzierte Programmfüller, wo Dokus, Reportagen und Analysen angebracht wären.
Kaffee Wien 12.08.2014
5. Ich bin sicher: Schlimmere Manipulationen werden ans Licht kommen!
Warten wir noch ein paar Wochen. Dann kommen, da bin ich sicher, die eigentlichen Manipulationen ans Licht, z.B. bei politischen Erhebungen. Ich habe übrigens immer schon vermutet, dass das Jahresgehalt von Tom Buhrow aus Geldern der Zwangsabgabe nicht 400000 Euro (Vierhunderttausend) ausmacht, sondern eigentlich "nur" 40000 Euro (Vierzigtausend) - was auch schon enorm wäre. Zunächst dachte ich an einen Übertragungsfehler, genauso wie bei seiner jetzt schon aus Zwangsgebühren zurückgelegten Pension von drei Millionen Euro. Jetzt aber glaube ich eher an Manipulation. Das Üble (oder Gute) ist, dass sich die zwangssubventionierten Sender in einer Zeit vorführen, in der ihre Existenzberechtigung und Verfassungskonformität auf dem Prüfstand steht. Und das Pendel schlägt nicht zur positiven Seite aus.
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