RTL-Show von Mario Barth Krustige Unterhosen

Mario Barth präsentiert "Die Wahrheit über Mann und Frau". Dabei lässt er Kinder vermeintlich putzig Geschlechterklischees aufsagen - und macht ein neues Gifthumorfass auf.

Mario Barth
Getty Images

Mario Barth

Von


Dass Mario Barth sich schon seit 17 Jahren in derselben klärschlammgefüllten Männer-furzen-Frauen-sind-hysterisch-Witzbadewanne suhlt und darüber humormäßig nun schon so schrumpelig geworden ist wie der unappetitlichste Peniswitz - es ist stumpf, es ist dumpf, man sollte nie aufhören, sich darüber aufzuregen, aber es wird sich vermutlich nicht mehr ändern.

Dass er in seiner neuen RTL-Show "Die Wahrheit über Mann und Frau" nun auch noch Kinder vor seine eiernde Binärkutsche spannt, macht nun ein ganz neues Gifthumorfass auf. Eeeer ist es ja nicht, der mal wieder erzählt, Männer seien technisch eben versierter, und alle Frauen würden lieber den "Bachelor" schauen als ein Fußballspiel: Die lieben Kleinen sind es ja, die auf vermeintlich harmlose Fragen über Mann und Frau diese Gähnversicherungen einer alten Ordnung herausplappern. Und Kinder sind ja bekanntlich so herrlich ehrlich!

Als lieber Genderzementier-Onkel befragt Barth also Sechs- bis Zehnjährige zum Stand des Geschlechterkampfs, über die er zu Beginn erst einmal die Süßigkeitentonne ausleert: Willste 'n Bonbon? Willste-Willste? Und dann wird schon in den ersten Einspielern klar, dass das hier keine dingsdahaft-harmlose Dutzi-Sendung wird, weil natürlich auch Kinder reaktionären Schrott aufsagen können, wenn man sie mit reaktionärem Schrott gefüttert hat.

"Frauen sind eher die Schlampen"

"Wer ist schlampiger, Männer oder Frauen?", fragt Barth. "Männer sind schlampiger", antwortet treuherzig ein kleiner Junge, "aber Frauen sind eher die Schlampen." Darüber können Barth und seine prominenten Studiogäste dann auch herzlich lachen. Und natürlich auch über das Kind, das auf die Frage, ob es Junge oder Mädchen sei, ganz unbefangen und offen antwortet: "Ich bin ein Junge, aber ein Mädchentyp, ich mag auch Arielle, die Meerjungfrau und Barbie" - selbstverständlich müssen da sofort Lucilectrics Zeilen "Mir geht's so gut, weil ich 'n Mädchen bin" eingespielt werden, es ist ja auch einfach zum Piepen!

An dieser Stelle könnte man schon getrost abschalten, würde dann freilich - und glücklicherweise - das eigentliche Spiel verpassen. In zwei Teams, natürlich getrennt nach Geschlechtern, müssen Ingo Appelt, Steffen Henssler und Frank Buschmann sowie Sophia Thomalla, Angela Finger-Erben und Janine Kunze erraten, was die Mehrheit der Kinder auf die Fragen wohl antworten wird. Und reproduzieren dabei dann doch wie günstige Aufsagepuppen mit beschränktem Repertoire nur ihre eigenen vergorenen Klischees.

Die Mamas sagen immer, iss dein Gemüse, sagt Appelt, Papas können immer alles erklären, sagt Kunze. Frauen drängen die Männer zur Heirat, Männer zünden gern Fürze an, sagen die Erwachsenen. Bei den Männern ist das Gehirn größer, aber dafür lernen Frauen fleißiger, sagen die Kinder.

Körperliche und geistige Unappetitlichkeiten

Wer jammert mehr, wenn er oder sie krank ist, Männer oder Frauen, will Barth dann wissen. "Frauen beschweren sich über jeden kleinen Blödsinn beim Mann, das kenn' ich", sagt ein Grundschüler, und langsam lässt sich der Verdacht nicht mehr verdrängen, dass Barth bei dieser Kinderbefragung vielleicht auch einfach nur die übernächste Generation seines Publikums rekrutiert, reiner Selbsterhaltungstrieb, der ganze Zinnober. Es wäre ja tatsächlich interessant, an dieser Stelle einmal bei dem Jungen nachzufragen: Warum denkst du das? Wer sagt das? Ist das wirklich so?

Aber daran besteht natürlich in einer Sendung kein Interesse, in der Ingo Appelt erklärt, Frauen hätten zu Hause eben eher im Haushalt das Sagen, würden bestimmen, was gekocht wird und wer den Müll rausbringt - die Männer würden sich dagegen eher draußen in der Arbeitswelt behaupten.

Fast ist man erleichtert, als dann im Studio ausführlich darüber gesprochen wird, wer wann wo schon einmal in einen Swimmingpool gepinkelt hat und wer seine Unterhose durchaus auch mal mehrere Tage lang durchträgt. Es ist eine rein körperliche Unappetitlichkeit, mit der man leichter umgehen kann, als mit der geistigen. Am Ende schließt man an diesem Abend all die Kinder ins aus Dringlichkeitsgründen dann doch wieder einmal aufgesagte Nachtgebet ein, die auf Mario Barths Geschlechter-Separationsfragen völlig selbstverständlich antworten, Papa und Mama seien gleich schlau, und unmöglich entscheiden können, wer von beiden lustiger und wer strenger sei - sie werden in ihrem Leben noch viel Kraft brauchen.



insgesamt 127 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Cascara LF 25.10.2018
1. Nee, wat ham wer gelacht...
Der Mann ist so lustig wie eine Sommergrippe. Die Bedienung sämtlicher Klischees Mann/Frau, Frau/Mann auf plattester und niveaulosester Art ist mehr als peinlich. Dass sich damit Geld verdienen lässt zeigt nur, wie intellektuell bescheiden es in Deutschland zugeht.
undog 25.10.2018
2. "...sie werden in ihrem Leben noch viel Kraft brauchen."
Ja, das war schon immer so - und neuerdings zusätzlich zur Abwehr von Leuten, die sie umformen wollen.
sam46 25.10.2018
3. Rate mal ......
wen die hard core Fans dieses intellektuellen Unterhaltungsgiganten in Bundes - und Landtage wählen? Der kann auch die Bühne mit den Worten betreten " Sie kennen mich ".
jujo 25.10.2018
4. ...
Barth und ähnliche sind Spiegel unserer Gesllschaft. Was beschweren wir uns über ihn. Wird die Gesellschaft, als ganzes im Umgang miteinander, ebenfalls immer unabpetitlicher. Nur so ist sein "Erfolg" (?) zu erklären.
Tomix 25.10.2018
5. Na
das hört sich ja ganz ordentlich nach Afd-Weltsicht an, was da auf Rtl läuft.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.