"Tatort"-Kommissar Flemming Martin Lüttge ist tot

Bekannt wurde er Anfang der Neunzigerjahre als nachdenklicher "Tatort"-Kommissar Flemming. Jetzt ist Martin Lüttge im Alter von 73 Jahren gestorben.

Martin Lüttge als Kommissar Flemming im "Tatort" (mit Kollegin Roswitha Schreiner)
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Martin Lüttge als Kommissar Flemming im "Tatort" (mit Kollegin Roswitha Schreiner)


Er trat ein schweres Erbe an. Als Martin Lüttge 1992 als Kommissar Bernd Flemming an den Start ging, sollte er die Lücke, die durch das Ausscheiden von Götz George in der Rolle des Horst Schimanski gerissen worden war, füllen. Der WDR suchte nun einen Nachfolger für den Großraum Ruhrpott.

Lüttge versuchte erst gar nicht, dem sympathischen Wüterich George nachzueifern: Statt im proletarischen Urschlamm von Duisburg ermittelt sein Flemming im bürgerlichen Düsseldorf, statt bei One-Night-Stands Entspannung zu suchen, zog er sich nach der Arbeit auf seinen vor der Stadt gelegenen Bauernhof zurück.

Lüttges Fernsehkommissar Flemming war eher der nachdenkliche Typ. Und wenn es mit dem Nachdenken mal nicht recht weiterging, dann legte er auf seinem Bauernhof einen Schwitzgang in der nachträglich eingebauten Sauna ein. Statt auf den Bizeps setzte er aufs Hirn.

Großer Auftritt als Faust

Dabei verfügte der in Hamburg geborene Schauspieler durchaus über eine beachtliche physische Präsenz. Ende der Fünfzigerjahre ging er nach England, arbeitete dort in der Rinderwirtschaft - und spielte nebenbei schon Theater. Zurück in Deutschland besucht er unter anderem die Neue Münchner Schauspielschule.

Als Theaterdarsteller wusste Lüttge immer wieder die Bühne auszufüllen, etwa als Faust in der Inszenierung von Claus Peymann am Staatstheater Stuttgart 1977. Zuvor war er an den Münchner Kammerspielen und am Düsseldorfer Schauspielhaus aktiv. 1978 gründete der Beinahe-Landwirt mit Kollegen ein Theater auf einem Bauernhof in Mehring bei Burghausen, der als Theaterhof Priessenthal bekannt wurde.

Lüttge war in großen Fernsehproduktionen wie "Der Lord von Barmbeck" (1973), "Die Wannseekonferenz" (1984) oder "Im Schatten der Macht" (2003) zu sehen. Seine Rolle als "Tatort"-Kommissar Flemming spielte er nur eine relativ begrenzte Zeit, insgesamt brachte er es auf 15 Einsätze.

Trotzdem hat sein Düsseldorfer Fernsehrevier auch für das aktuelle "Tatort"-Deutschland eine gewisse Bedeutung: Als Flemming-Sidekick hatte hier Klaus J. Behrend in der Rolle des Max Ballauf erste Einsätze, jener Ermittler, der bis heute im Kölner "Tatort" aktiv ist. Gerade wurde das 20-jährige Bestehen dieses TV-Reviers gefeiert.

Lüttge indes war die letzten aktiven Jahre in einem anderen deutschen Fernsehevergreen zu sehen: Bis ins Jahr 2013 hatte er eine feste Rolle in der Serie "Forsthaus Falkenau". Wie sein Agent mitteilte, verstarb Martin Lüttge bereits am vergangenen Mittwoch in Schleswig-Holstein. Er wurde 73 Jahre alt.

cbu/dpa



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