Trump-Talk bei "Illner" "Kriegserklärung an den Planeten"

Der US-Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen verlieh Maybrit Illners Talkshow eine besondere Aktualität. Ihre Gäste positionierten sich klar und dachten über neue Wege für Europa und die Welt nach.

"Illner"-Talkrunde
ZDF/Svea Pietschmann

"Illner"-Talkrunde


In einer Hinsicht zumindest erweist sich der amtierende US-Präsident als verlässlich: Immer wieder schafft er es, den Rest der Welt mit Problemen zu beliefern und somit auch dafür zu sorgen, dass den einschlägigen Talkshows der Gesprächsstoff nicht ausgeht. "Trump verändert die Welt - Stresstest für Europa?", fragte Maybrit Illner in einer weiteren Variation des unschönen Dauerthemas. Aber als sei alles Bisherige noch nicht genug, platzte dann auch noch die News vom angekündigten Ausstieg aus dem Klimaschutzabkommen in die abendliche Nachrichten- und Diskussionslage, was der Sendung eine besondere Aktualität verlieh.

"Unglaublich bitter" fand das auch sogleich die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und sprach von einem "Abschied von globaler Verantwortung und nachhaltigem Denken". Die Linke-Vorsitzende Katja Kipping, mit der sie sich später ein paar kleine Wahlkampfscharmützel gönnte, so als sei es unbedingt notwendig, die Politik der CDU-geführten Regierung nach links abzugrenzen, setzte rhetorisch noch eins drauf: "Eine Kriegserklärung an den Planeten."

Via Einspieler vom Ende der Geduld bei Angela Merkel und Sigmar Gabriel mit Anspielung auf den "Paten in Sizilien" war man dann aber rasch beim noch viel Grundsätzlicheren. Nämlich dem Schicksal Europas und seinem mutmaßlich künftigen Verbleib in eigener Hand, bei der in ihrer bisherigen Form nicht mehr existierenden Wertegemeinschaft. Trump habe am 9/11-Mahnmal "die Chance vertan", befand von der Leyen - und vor allem bei einem ganz speziellen Wert, dem Geld. Darauf läuft es bei diesem Geschäftsmann, der unglückseligerweise beschloss, Politiker zu werden, ja letztlich immer hinaus.

Anders gesagt: Abermals ging es um Trumps Zahlungsforderungen im Hinblick auf die Verteidigungskosten - jene in astronomischer Höhe an die Adresse der Deutschen ebenso wie das generelle Pochen auf Steigerung der Militäretats auf die bekannten zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts. Während Übersee-Republikaner und Trump-Freund Ralph Freund, wie immer in sehr netter Form, als Stimme seines Herrn fungierte, rückte die Politikprofessorin Nicole Deitelhoff einiges zurecht: Keineswegs handele es sich hier um eine feste Marke, sondern lediglich um eine "Bemühungsverpflichtung" der Nato-Mitglieder.

"Er liefert nicht bisher"

Die Verteidigungsministerin nutzte die Gelegenheit, noch einmal darzulegen, was es mit der von ihr neuerdings gern zitierten "europäischen Farbe" auf sich hat, die eben nicht nur aus notwendigen Investitionen in die militärischen Fähigkeiten bestehe, sondern darüber hinaus aus Diplomatie und präventiver Entwicklungspolitik. Die Politologin konnte da nur beipflichten, genau wie Elmar Theveßen, stellvertretender ZDF-Chefredakteur. Der erhoffte sich außerdem Konzepte für das kriselnde Europa von der Kanzlerin und dem neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Deitelhoff forderte, gerade Deutschland müsse sich auf seine eigentlichen Stärke, die multilaterale Diplomatie, besinnen und auch wieder Vorreiter beim Klimaschutz werden, was es, wie Kipping beklagte, inzwischen nicht mehr ist. Auf keinen Fall, so die Linke, dürfe Europa die "gescheiterte Position des Weltpolizisten übernehmen". Der ZDF-Journalist sinnierte, da Stabilität künftig nicht mehr allein mit Waffen zu gewährleisten sei, werde die Supermacht der Zukunft nicht "die mit dem größten Hammer" sein, sondern jene, die es verstehe, andere Länder anschlussfähig für Globalisierung und Weltmarkt zu machen.

Ganz Trump-like beteuerte Freund derweil, er könne einen Schulterschluss der Europäer nur begrüßen. Ziemlich schweigsam wurde er allerdings, als das ganze Sortiment der innenpolitischen Probleme aufs Tapet kam, die Trumps angeblich so großartigen außenpolitischen Erfolge bei seiner Nahost-Tour inklusive des höchst dubiosen Waffendeals mit Saudi-Arabien als pure Ablenkungsmanöver erscheinen lassen. Theveßen befand angesichts all der Implikationen im Zusammenhang mit der Russland-Connection, der US-Präsident habe mittlerweile "einen Flächenbrand um sich herum." Möge auch ein Impeachment eher unwahrscheinlich sein, so werde es doch irgendwann "eine kritische Masse der Vorwürfe" geben, und das bei näher rückenden Kongresswahlen. Auch Nixon kam ja seiner Amtsenthebung durch Rücktritt zuvor.

Von der Leyen gelangte bezüglich der einstweiligen Bilanz des lauten Mannes im Weißen Haus zu einem ebenso klaren wie lapidaren Urteil: "Er liefert nicht bisher."

insgesamt 32 Beiträge
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Reinhold Schramm 02.06.2017
1. Es geht um die Zukunft unserer Kinder!
Es geht um die Zukunft und Existenz unserer Kinder. Um die reale Möglichkeit und Gefahr der sozialen, ökonomischen und ökologischen Vernichtung unserer Lebensgrundlagen, auch ohne Nuklearkrieg. Schaffen wir das auch noch?
paulpuma 02.06.2017
2.
Hätte man nicht wenigstens jemanden einladen können, der bestreitet, dass der Klimawandel mschengemacht ist? Oder jemanden, der den US-Republikanern nahesteht?
reifenexperte 02.06.2017
3. Was macht Deutschland denn beim Klimaschutz?
Täuschen, tricksen und betrügen. Das ist doch das Markenzeichen aller Bundesregierungen zu dem Thema. Beispiel: Styroporverpackung von Gebäuden: bringt kaum Energieeinsparung, sondern ist ein Taschenfüllprogramm für die Hauseigentümer. Autos: wer glaubt im Ernst, dass die immer größer und schwerer werdenden Fahrzeuge weniger Energie verbrauchen? Da kann keiner sagen, Trump wäre in der Hinsicht schlechter, nur ehrlicher.
w.a.mozart 02.06.2017
4. Augsburger Puppenkiste für Erwachsene
Eine Kaffeekränzchen trifft sich zum Austausch von Binsenweisheiten über ein hypothetisches Abkommen einer selbstinszenierten prima Klima Clique. Grund: Die Alimentation von GEZ Günstlingen mit den Zwangsabgaben des Pöbels muß aufrechterhalten werden. Ziel der Sendung: Ablenkung der Aufmerksamkeit (des Pöbels) in eine Scheinwelt. Qualität der Durchführung: Durchsichtig
kruderich 02.06.2017
5. Boykott amerikanischer Produkte! Jetzt!
Es müssen jetzt einfach Sanktionen restlichen 195 (?) Staaten grgen die USA folgen! Wir sanktionieren Rußland für dir Besetzung der Krim, Nordkorea für sein atomares Säbelrasseln usw, usf..! All diese sind als Symbol wichtig und richtig! Und nun müssen einfach selektive Sanktionen gegen Trumps USA folgen. Wenn Apple, Google und Microsoft (als Beispiel) ihre Hardware in Europa und dem Rest der Welt nicht mehr verkaufen dürfen, dann würde das zu riesigen Jobproblemen in den USA führen und die Entscheidung dieses kranken Präsidenten als Schuß nach hinten losgehen! Frau Kipping hat einfach Recht: Die USA haben dem Rest der Welt den Krieg erklärt und töten mit dieser Entscheidung weltweit Menschen und sowas gehört sanktioniert!
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