"Maybrit Illner" zu Trump Was er kann - und was nicht

Pünktlich zum Auftritt des US-Präsidenten in Davos wollte Maybrit Illner wissen: Kann der "unterschätzte Egoist" Donald Trump Erfolg haben? Ihre Gäste schwankten zwischen Angriff und Verteidigung.

Moderatorin Illner (3. v.l.) mit ihren Gästen
ZDF/Harry Schnitger

Moderatorin Illner (3. v.l.) mit ihren Gästen

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Am Freitag wird die Rede des US-Präsidenten in Davos erwartet. Und niemand weiß, was dabei von ihm zu erwarten ist - bis auf das Unerwartete. Maybrit Illner erwartete von ihren Gästen eine Antwort auf die Frage, ob der "unterschätzte Egoist" denn möglicherweise Erfolg haben könnte. Wirtschaftlich, innenpolitisch, außenpolitisch.

"Ich weiß nicht, wer von Ihnen hier die nationale Sicherheitsstrategie gelesen hat", sagt Georg Pazderski und späht habichtäugig in die Runde. Der stellvertretende Bundessprecher der AfD und Offizier der Bundeswehr a.D. hat zum Wirtschaftlichen wenig zu sagen, offenbar aber die nationale Sicherheitsstrategie studiert. Er will über Sicherheit sprechen, über Nationales.

Dreimal fragt Illner ihn zur Position seiner Partei zum Freihandel, dreimal weicht Pazderski aus und würde lieber über die Bundeswehr reden - bis ihm endlich Wolfgang Ischinger beispringt, dem es zu bunt wird. Deutschland sei abhängig von einem Freihandel mit klaren Regeln, erklärt der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz.

Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, übt sich in Dialektik. Einerseits werde die Trump'sche Steuerreform mit ihren massiven Erleichterungen für in den USA produzierende Unternehmen "sicher ihren Erfolg haben". Andererseits werde sie den Staat schwächen und das Land weiter spalten, denn "die kleinen oder mittleren Unternehmen kommen nicht vor". Zusätzlich zu seiner "Partnerfähigkeit" müsse Europa auch seine "Konfliktfähigkeit" entwickeln. Was das genau heißen soll, verrät Röttgen nicht.

Peter Rough, konservativer Politikberater, setzt zu einer Ode auf Bauunternehmer Trump an, den er so ungefähr dreiviertelversehentlich als "Bauarbeiter" bezeichnet, was dann überraschend gut zu seiner Argumentation passt. Der Präsident verfüge nämlich über einen "Draht zum Durchschnittsamerikaner" und habe ein gutes Gespür "für lokale Zusammenhänge". Die Wirtschaft boome, der Mann mache alles anders - und damit richtig.

Sandra Navidi, Wirtschaftsberaterin und zugeschaltet aus dem verschneiten Davos, pustet derlei Propaganda mit wenigen Sätzen vom Tisch. Donald Trump habe sich in ein gemachtes Nest gesetzt, profitiere von der globalen Erholung und reite "diese Welle gnadenlos", indem er den Erfolg als seinen eigenen verkaufe. Er sei "der Inbegriff des Globalisten". Seine "Komplizenschaft" mit den Eliten bestehe darin, dass er publikumswirksam auf sie schimpfe - und sie zugleich gewähren lasse. (Einen Blog mit allen wichtigen Ereignissen des Weltwirtschaftsforums in Davos finden Sie hier.)

Pazderski bemerkt, dass frühere Präsidenten ähnlich gehandelt, dies nur "der breiten Masse besser verkauft" hätten: "Obama war einfach ein sympathischer Typ. Trump ist das nicht." Der Moderator Jörg Thadeusz, angekündigt als "Amerika-Fan" und eingeladen als Gegengift zur AfD, mag selbst diesen schlichten und wahren Satz nicht stehen lassen. Irgendwelche Taktiken oder gar Strategien vermag Thadeusz nicht zu erkennen: "Es geschieht irgendwas, und er reagiert mit einem Affekt."

Es gehe Trump immer darum, "das Niedrige anzusprechen, das Ressentiment anzusprechen", worin Thadeusz nicht zu Unrecht eine Parallele zur AfD sieht - die ebenfalls "den Wendeverlierern, die sie wählen", beliebigen Bullshit erzähle. Trump sei nicht viel mehr als "ein großer reicher Junge" und so weiter und so fort.

Offenbar hat Thadeusz nicht das nationale Sicherheitspapier gelesen. Er argumentiert nicht politisch, sondern moralisch, und seine rechtschaffene Empörung erleichtert es Pazderski, ebenfalls rechtschaffen empört zu tun. Es würde, klagt der AfD-Mann, "kein objektives Bild über Trump gezeichnet", der Mann würde "ständig niedergemacht" und, obschon Milliardär, "zum Depp gemacht".

Nächstes Thema: Außenpolitik

Leicht macht es ihm auch Illner, die aus dem Vorstoß eines einzelnen Abgeordneten ohne Not einen Beschluss der kompletten AfD-Fraktion macht. Nein, erklärt Pazderski höflich, seine Partei fordere keineswegs, die deutsche Botschaft in Israel nach Jerusalem zu verlegen. Womit die Debatte zur Freude Ischingers, der ganz gewiss alle möglichen nationalen Sicherheitspapiere gelesen hat, bei der Außenpolitik angelangt ist: "Ich finde, wir diskutieren hier in einer falschen Konstellation. Wir sind nicht seine Wähler. Wir sind Europäer."

Rough, nach der Intervention von Navidi recht kleinlaut, versucht Europa als "Traum" zu diskreditieren, was ihm diesmal Röttgen nicht durchgehen lässt. Wirklich neu und eine Herausforderung sei der "amerikanische Nationalismus", so Röttgen, ein Bruch mit transatlantischen Traditionen.

Ischinger legt noch eine Schippe drauf: Trump sei ein "klingelnder Wecker", und dieser Wecker klingele immer lauter. Wer aber jetzt "eine wunderbare Gelegenheit kommen" sehe, "die Nabelschnur zu Amerika endgültig zu kappen", der habe nichts verstanden. Einen Handelskrieg mit den USA werde es aber "sicher" nicht geben, dazu sei die Europäische Union - sofern sie mit einer Stimme spricht - zu stark und wichtig auch in Washington. Im Übrigen sei Trump nicht allein für die "miserable sicherheitspolitische Lage der Welt" verantwortlich.

Ischinger und Röttgen fordern ein verantwortungsvolleres Europa, das "seine sicherheitspolitischen Hausaufgaben" macht - nichts anderes fordert Trump. Thadeusz bewertet auch dessen Außenpolitik als affektgesteuert. Und Georg Pazderski sagt, was er sich zu sagen fest vorgenommen hat, einfach wortgleich noch mal: "Ich weiß nicht, wer von Ihnen hier die nationale Sicherheitsstrategie gelesen hat!"



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desertking 26.01.2018
1. Ich weiß nicht...
Wer die AfD zu sowas einlädt. Einmal mehr würde deutlich, dass diese sog. Partei keine Ideen hat und sich als ein Haufen Besserwisser profiliert, die zwar jeden anpöbeln, aber selbst null Ideen hat. Herrn Pazdingski sei übrigens gesagt: Ähnlich wie die AfD wird Trump nicht als Depp hingestellt - er ist für all sein Tun selbst verantwortlich und kein Opfer, sondern Täter. Auch das hat er mit der AfD gemeinsam.
joG 26.01.2018
2. Das liest sich...
....als wollte jeder sein eigenes Projekt einem provinziell denkendem Publikum verkaufen ohne Rücksicht auf dessen Wohl.
Belanglos 26.01.2018
3. Immer wieder der selbe Müll :)
Der Kommentar von desertking ist genau so lächerlich wie das oft angebliche vorführen von AFD Mitgliedern. Natürlich sind Leute wie Höcke sehr weit rechts jedoch trifft das längst nicht auf alle zu. Man muss doch mal selbst sehen das eine große Menge der AFD Mitglieder ehemals CDU SPD etc. Mitglieder sind/waren. Außerdem was ist recht und was ist links? Einfach nur pauschale Behauptungen...
a.vollmer 26.01.2018
4. Es ist eine Frage des Anstandes
Die Art von Donald J. Trump aufzutreten und zu regieren mangelt es an Anstand und Würde. Verhaltensweisen, die sich entwickelt haben, weil sie das gedeihliche Zusammenleben von Menschen ermöglichen. Auch der Grund warum der Menschen aus immer größer werdenden Einheiten schließlich Staaten gebildet haben, diese über Steuern finanziert haben und die Stärke von Gemeinschaft, die Synergie der zentralisierten Problemlösung in immer größeren Einheiten genutzt hat, diese historische Erfahrung negiert er wie viele libertäre Anarchisten. In einer schein-modernistisch Ablehnung traditioneller Werte, wie Gastfreundschaft, gegenseitige Nothilfe oder Solidarität mit dem Schwächeren, gefährdet damit sogar den Weltfrieden. Beim naiven und tumben Versuch die Welt nach seiner Art zu verbessern, gefährdet er die Errungenschaften der Aufklärung, fällt zurück auf die Prinzipien des Ständestaates und seine Autokratie ist mehr Monarchie als man seit der Köpfung europäischer Könige gesehen hat. Aber schon wegen des fehlenden Anstandes sollte er in der internationalen Politik zum Paria geworden sein und strikte Ablehnung erfahren.
zeisig 26.01.2018
5. Schon aus Gründen der Parität. . . .
Zitat von desertkingWer die AfD zu sowas einlädt. Einmal mehr würde deutlich, dass diese sog. Partei keine Ideen hat und sich als ein Haufen Besserwisser profiliert, die zwar jeden anpöbeln, aber selbst null Ideen hat. Herrn Pazdingski sei übrigens gesagt: Ähnlich wie die AfD wird Trump nicht als Depp hingestellt - er ist für all sein Tun selbst verantwortlich und kein Opfer, sondern Täter. Auch das hat er mit der AfD gemeinsam.
Allein schon wegen der Parität gehört selbstverständlich ein AfD Mitglied von Zeit zu Zeit in so eine Talkrunde eingeladen. Nächstes mal sitzt wieder ein Grüner oder eine Grüne am Tisch, über die ich mich dann wieder ärgern kann. Das gleicht sich aus.
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