"Maybrit Illner" zu Gewalt an Schulen Kinder fördern, irgendwie

Wie können Lehrer ihre Schüler besser vor aggressiven und pöbelnden Mitschülern schützen? Das wollte Maybrit Illner von ihren Gästen wissen. Viele erhellende Antworten erhielt sie nicht.

Maybrit Illner (Mitte) mit Gästen
ZDF/Svea Pietschmann

Maybrit Illner (Mitte) mit Gästen

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Yigit Muk hat sich früher dreimal am Tag geprügelt. Er wollte sich behaupten, respektiert werden, sein Gegenüber ins Koma schlagen. Früher - das war vor Muks 16. Geburtstag. Er war da schon einige Jahre "Gangmember", und seine Lehrer auf der Hauptschule trauten ihm nicht viel zu. Doch nach dem Tod eines Freundes besann sich der Teenager, änderte sein Leben, verprügelte nicht mehr jeden, der ihn schief anschaute. Muk besuchte eine Privatschule und machte sein Abitur mit 1,0.

Am Donnerstag war er bei Maybrit Illner zu Gast, die mit ihren Gästen über Armut, Gewalt und Ausgrenzung an Schulen diskutierte und wissen wollte, wie Lehrer besser mit aggressiven Schülern umgehen können.

In der Talkshow wurde ein düsteres Bild vom Alltag an deutschen Schulen gezeichnet: Sie seien zu Orten des Hasses geworden, Mobbing sei an der Tagesordnung, es herrsche Alarmstimmung. Zwar hat die Zahl der Körperverletzungen an Schulen laut aktueller Erhebungen in den Bundesländern Bayern, Nordrhein-Westfalen und Berlin zugenommen, und Medien haben in den vergangenen Monaten regelmäßig über Gewalt unter Schülern berichtet, allerdings liegen dazu keine bundesweiten Statistiken vor.

Lehrer sollten "förderliche Sanktionen" verhängen

Die pensionierte Lehrerin Ingrid Freimuth sagt, Probleme habe es schon immer an Schulen gegeben. Allerdings hätten Lehrer heute kaum noch Möglichkeiten, um aufmüpfige Schüler zu bestrafen. Sie müssten ihnen Sanktionen auferlegen dürfen, keine demütigenden, sondern förderliche Sanktionen. Hier müsse die Politik den Lehrern mehr Macht geben.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat klare Vorstellungen davon, wie die Politik gegensteuern könnte: Indem Kinder besser und früher gefördert werden. Dafür müssten aber Erzieher besser bezahlt und Kitaplätze erweitert werden. Und sie macht Werbung für Ganztagsschulen mit Hausaufgabenbetreuung: "Wenn Eltern ihre Kinder nicht ausreichend unterstützen können, müssen wir das ausgleichen."

Sozialarbeiter und Psychologe Ahmad Mansour denkt ähnlich. Kinder muslimischer Familien seien zum Beispiel patriarchalische Strukturen gewöhnt und würden zu Hause nicht vermittelt bekommen, wie wichtig etwa Freiheit, Demokratie und Respekt vor Religionen sei. "Die Schule kann nicht alles richten, aber zumindest die Werte der Gesellschaft weitergeben", sagt Mansour.

Um etwa zu verhindern, dass Schüler Klassenkameraden jüdischen Glaubens beleidigen und bedrohen, seien Besuche in KZ-Gedenkstätten wichtig. In den Schulen müsse zudem über den Nahostkonflikt und über Verschwörungstheorien geredet werden. Hier stehe auch die Bundeszentrale für politische Bildung in der Pflicht, die besser aufklären müsse.

Zuwanderung begrenzen

Für den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der offenbar als polternder Gegenpol zu der sanften Franziska Giffey eingeladen worden war, scheint eines zumindest klar zu sein: Es kämen immer mehr Kinder mit "weniger Erziehung" an die Schulen - so seine Antwort auf die Frage, warum alles so schlimm geworden sei. Man müsse die Zuwanderung besser steuern und begrenzen und überhaupt dürfe "die Integrationsfähigkeit" nicht überfordert werden.

Menschen müssten in Arbeit gebracht werden, und Lehrer dürften sich nicht alles gefallen lassen. "Sie müssen die Schüler in Schranken weisen." Wie, verriet Herrmann allerdings nicht, und Illner fragte bei ihm auch nicht nach.

Die Runde diskutierte auch noch darüber, wie sinnvoll es sei, Schüler mit Migrationshintergrund oder schlechten Deutschkenntnissen besser zu verteilen, um sogenannte Brennpunktschulen zu vermeiden. Doch Franziska Giffey nahm den anderen Gästen gleich den Wind aus den Segeln: Es gebe zu viele Kinder mit Migrationshintergrund, wo sollten die denn alle hin? Außerdem: "Die Kinder sind genau die richtigen, sie müssen nur gut gefördert werden."

Der Bund werde noch "in diesem Jahr in die Jugendsozialarbeitsförderung in ganz Deutschland einsteigen", kündigte sie an. Leider machte sie keine Aussagen dazu, wie viele Sozialpädagogen gebraucht werden oder wie genau die Förderung aussehen sollte.

Am Ende blieb die Talkrunde recht oberflächlich, viele neue Erkenntnisse gab es nicht. Aber mit Yigit Muk zumindest einen Hoffnungsschimmer.

Der Junge türkischer Herkunft, der in Neukölln aufwuchs und schon mit elf Jahren Mitglied einer aggressiven Gang wurde. Seine Mutter habe sich gewünscht, dass eines ihrer Kinder Abitur macht, "aber ich kannte niemanden, der Abitur hat. Ich hatte keine Vorbilder", sagt er. Geschafft hat er es trotzdem.



insgesamt 49 Beiträge
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Kurt-C. Hose 06.04.2018
1. Tja
Unsere Familie hat die Konsequenzen daraus gezogen und den Nachwuchs auf eine katholische Schule geschickt. Da gibt es diese Probleme nicht.
stefan.p1 06.04.2018
2. Immer positiv
"der Junge hat es trotzdemm geschafft!" Wo sind die Beispiele für die tausenden deutscher Kinder , die von den Migrationskindern und Jugendlichen massiv mit körperlicher Gewalt unter Druck gesetztb werden. Warum wird das Thema der agressiven Migranten-Kinder erst ernsthaft diskutiert , wenn - oh Wunder- unter den Zuwanderen ganz offensichtlich Antisemiten sind?
uhrentoaster 06.04.2018
3.
"Wie können Lehrer ihre Schüler besser vor aggressiven und pöbelnden Mitschülern schützen?" Lehrer müssen den Chaoten Grenzen aufzeigen dürfen. Diesen Typen fehlen Respekt und Empathie. Notfalls müssen diese Typen aus der Schule geworfen werden. Gleichzeitig sollten auch deren Eltern bestraft werden.
Actionscript 06.04.2018
4. Problem: die soziale Struktur; eine Lösung: spielerische Aufarbeitung
Das Hauptproblem scheint Migration zu sein und die Tatsache, dass Schüler verschiedenere Kulturen aufeinander treffen. Die Diskussion war zum Teil "Hart gegen Fair". Soll man hart durchgreifen oder mit Sozialarbeit die Probleme bekämpfen. Was sind die Probleme? Yiit Muk hat es richtig gesagt. Die Probleme sind die unterschiedlichen sozialen Strukturen. Religion kaschiert diese Probleme nur an der Oberfläche bzw ist Ausdruck sozialer Spannungen ähnlich wie in den Ländern, zwischen denen die Spannungen existieren. Ein Beispiel ist der Israel/Palästina Konflikt, der sich jetzt in der Schule abspielt. Hilft hartes Durchgreifen? Vermutlich ist das nur eine Lösung in wirklichen Extremfällen. Doch was kann helfen? Eine Lösung, zu der ich auch zustimme, ist die soziale Vermischung der Schüler und Begrenzung der Anzahl der Migranten pro Klasse. Diejenigen, die das vermutlich nicht mögen, sind Eltern deutscher Kinder aus sozial starken Familien. Doch darauf sollte man keine Rücksicht nehmen. Das soziale Problem hat es nämlich auch schon in den 60ziger und 70ziger Jahren gegeben, obwohl es damals noch nicht so stark zum Ausdruck kam. Ich habe das selber erfahren. Die anderen Lösungen, die vorgeschlagen wurden, waren über die sozialen und politischen Konflikte in den Schulen mit den Schülern zu diskutieren, KZs zu besuchen. Da stimme ich zum Teil zu und würde hinzufügen, Dokumentarfilme aus der Nazi Zeit zu zeigen, wie extremes "Mobbing" aussieht. Doch ein Lösungsvorschlag, den ich habe, ist Aufarbeitung der Konflikte im Spiel oder durch Schul/ bzw Klassentheater. Ein jüdischer Schüler spielt einen Moslem und ein moslemischer Schüler spielt einen Schüler jüdischen Glaubens. ZB kann das gefilmt werden und wird später diskutiert. Ähnlich können Gender Probleme bzw Probleme zwischen sozial unterschiedlichen Schichten dargestellt werden. Skripte werden geschrieben, und dies kann von Lehrern oder von Schülern gemacht werden. Solche Theaterstücke und Filme werden in der Schule auch den Eltern gezeigt. Ein weiterer Lösungsvorschlag ist die Gesamtschule und Zerstörung rigider Klassenstrukturen, sodass nicht immer dieselben Schüler in einer Klasse sind. Doch fand ich es gut, dass Frau Illner, die ich für sehr kompetent halte, dieses Problem aufgegriffen hat, obwohl die 4 Gäste leider stellvertretend für die Politik waren und kaum konkrete Lösungsvorschläge hatten. Doch sehr konkrete Vorschläge weg von allgemeinen Vorschlägen, mit denen keiner was anfangen kann, sind hier notwendig.
womo88 06.04.2018
5. Das war eine grausame Sendung!
Ich habe diese Sendung gesehen und fand sie absolut daneben und wenig erkenntnisreich. Da war Frau Franziska Giffey, die als Politikerin sympathische Theorien vom grünen Tisch verbreitete, aber keine Ahnung von Praxis hat. Da war die ehemalige Lehrerin Ingrid Freimuth, die derzeit durch alle Talkshows durchgereicht wird und erzählt was von Sanktionen, m. E. sehr konservativ und daneben. Ich war 30 Jahre lang Lehrer, davon 8 Jahre lang an einer beruflichen Schule mit einem Ausländeranteil über 20 %. Es geht auch ohne Sanktionen. Nach Sanktionen schreien die, die mit Pädagogik und Persönlichkeit scheitern. Da war der Sozialarbeiter und Psychologe Ahmad Mansour, bei dessen Auftritten ich mich immer wieder frage: Hat der wirklich studiert? Ist der wirklich Sozialarbeiter und Psychologe? - Was Gescheites beigetragen hat er ja wieder nicht, aber er taucht immer mal wieder in Talkshows auf. Und zuletzt der "gute" bayerische Innenminister Zimmermann, ein ausgewiesener Pädagoge und Versteher von Kindern und Jugendlichen. Nicht zu vergessen die Einspielung eines kurzen Interviews mit dem Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbands, der großmütig als Vorsitzender des Dt. Lehrerverbands genannt wurde. Unterlassen wurde die Information, dass es 2 Verbände gibt, eben diesen sehr konservativen Dt. Philologenverband und die 4 Mal größere GEW. Wollte von der GEW keiner was sagen, oder passte die GEW-Meinung nicht in die Sendung? Diese Sendung konnte man sich sparen!
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