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MDR-Sendung "Make Love": "Über Sex spricht man nicht. Ich schon."

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Plüschvagina, Klitoris-Pluderhöschen und die rätselhaften Vorgänge "dort unten": Der MDR erklärt in der Doku-Reihe "Make Love", wie man besseren Sex haben kann. Erstaunlicherweise umschifft der Sender souverän alle Peinlichkeiten.

"Make love": Natürlich und unverkrampft Fotos
MDR

Irgendwann wird die Mösette ausgepackt: Eine klappbare Schmuse-Vagina aus Plüsch, an der die Sexologin demonstriert, wie man ein Geschlechtsorgan anfassen kann. Dann zeigt das Paar auf der Beratungscouch, auf welche Weise es bisher untenrum hantierte. Eine Szene, die reichlich Peinlichkeitspotential bietet - doch in der MDR-Doku "Make Love" kommt sie so natürlich und unverkrampft rüber, dass man nur staunen kann.

"Liebe machen kann man lernen" lautet der Untertitel der fünfteiligen Reihe, die der MDR zusammen mit dem SWR produziert hat und die an diesem Sonntag um 22.20 Uhr startet. Ein geglückter Versuch des Mitteldeutschen Rundfunks, sein vermufftes Schunkelsender-Image zu verbessern. Dabei wartet die Serie der Berliner Produktionsfirma Gebrueder Beetz weder mit besonders überraschenden, bislang nicht gehörten Geschlechtsverkehrsfakten auf noch mit überaus innovativen Erzähltechniken. Vielmehr ist es der Ton, die Haltung der gezeigten Menschen, die "Make Love" außergewöhnlich machen - weil alle sich so ungewohnt normal verhalten.

Vor allem Sexologin Ann-Marlene Henning, die als Expertin durch die Doku führt, lässt viele Berufsmoderatoren im Vergleich wie gestelzte Textaufsager wirken. Als coole Schmunzelfrau streichelt sie beim Paarberatungsbesuch in Böblingen eben noch die Katze und spricht im nächsten Atemzug schon über die Klitoris. "Über Sex spricht man nicht. Ich schon", sagt die 49-Jährige und tut das weder zu sachlich-mechanisch noch zu pseudo-unverkrampft. Sie schaut auch schon mal bei ein paar Bauarbeitern vorbei, um sie ganz direkt zu fragen: "Habt ihr guten Sex?" - eine hübsche Umkehrung des Genderklischees vom dominant-direkten Nachpfeifemacho, denn die solcherart Befragten werden zuerst mal kurz verlegen wie Backfische vor der ersten Tanzstunde. Dann antworten sie erstaunlich offen, denn Henning führt sie nicht vor.

Sex höchstens einmal im Quartal

Kein distanziert-anatomischer Schwurbel, keine schwitzig-kumpelige Flapsigkeit nerven dabei, wenn sie mit den Protagonisten Jessica und Olli über deren Bettprobleme spricht: Das Böblinger Paar führt zwar eine glückliche Beziehung, doch Sex haben die beiden höchstens einmal im Quartal. Auch Jessica und Olli sind ungewohnt normal und natürlich, keine dieser zeigefrohen Sexroutineure aus der Privatsender-Swingerclub-Reportage, sondern einfach nur aufrichtig verunsichert über die Vorgänge "dort unten".

Damit sind sie natürlich nicht alleine. "Make Love" zitiert aus einer aktuellen Studie, wonach 49 Prozent der befragten Deutschen mit ihrem Sexleben unzufrieden sind. 65 Prozent der Männer, 54 Prozent der Frauen haben ein Problem, weil ihr Partner keine oder weniger Lust auf Sex hat, und die Hälfte der Befragten redet mit ihm nicht darüber. Oder bestenfalls so verklausuliert wie Jessica, die es stört, dass Olli sie bei der Sexanbahnung stets ohne großes Vertun zu unvermittelt an Brustwarzen und Klitoris anfasst. Oder, wie sie es ausdrückt: "Die Art der Berührung ist sehr zielorientiert."

Dass Paare es gerne vermeiden, voreinander horizontale Manöverkritik abzuhalten, sei völlig menschlich, sagt Henning - schließlich sei eine funktionierende Beziehung ein "Versorgungssystem", das man nicht verärgern oder stören möchte. Sie ermuntert trotzdem dazu, voreinander auch Fehler zu zeigen und Störungen zuzugeben. Und, weil reden wenig hilft, wenn man nicht weiß worüber, auch dazu, genauer hinzuschauen. Während Jungen in der Pubertät unbefangen Penisse verglichen und um die Wette onanierten, würden Mädchen nur sehr selten dazu animiert, den eigenen Körper bewusst anzuschauen, sagt Henning.

Mittels Mösette, anatomischen Illustrationen, einer kleinen Fotoparade verschiedener Vaginas und Penisse und kurzen Filmsequenzen, die ein Paar beim Sex zeigt, erklärt sie Jessica, Olli und den Zuschauern, wie körperliche Lust funktioniert. Zeigt Klitoris-Beinchen und "Pluderhöschen", wie sie die äußeren Schamlippen nennt. Und freut sich mit "HaHAA!" über die ehrliche Überraschung auf den Gesichtern ihres Beratungspaares. Das Angenehme dabei: Sie ist keine abgezockte, allwissende Sexologin in der Tradition Erika Bergers. "Vieles wusste ich auch nicht und habe es erst mit Mitte vierzig entdeckt", sagt sie, und dann, HaHAA!: "Jetzt zeige ich euch mal eine echte weibliche Prostata!"

Begleitend zur Fernsehserie gibt es ein Webspecial mit weiterführenden Informationen: Das komplette Angebot von make-love.de wird allerdings aus Gründen des Jugendschutzes täglich nur von 22 bis sechs Uhr freigeschaltet.


"Make Love - Liebe kann man lernen", 3. November, 22.20 Uhr, MDR und im Livestream auf mdr.de sowie 6. November, 22 Uhr, SWR

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insgesamt 157 Beiträge
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1. Immer dieser Jugendschutz
vollzeitpoltiker 03.11.2013
Das Beratungsangebot und die Folgen kann man nur ab 22 Uhr sehen was soll denn sowas immer ??? Jeder Jugendliche kann sich auf unendlich vielen Pornoseiten sonst was an sehen Dokumentarische Inhalte werden aber für ALLE immer bis 22 Uhr gesperrt weil dann natürlich alle kleinen Kindern ihr Internet ausschalten diese Logik erschließt sich mir nicht
2.
Alias_aka_InCognito 03.11.2013
Zitat von sysopMDRPlüschvagina, Klitoris-Pluderhöschen und die rätselhaften Vorgänge "dort unten": Der MDR erklärt in der Doku-Reihe "Make Love", wie man besseren Sex haben kann. Erstaunlicherweise umschifft der Sender souverän alle Peinlichkeiten. http://www.spiegel.de/kultur/tv/mdr-sendung-make-love-ueber-sex-ueberrascht-positiv-a-931354.html
Also halten wir mal fest: Es ist Auftrag der Grundversorgung, gewöhnliche Pornographie in mit dem nicht erst seit den Privatsendern sehr strapazierten Begriff "Doku" zu deklarieren und der Bevölkerung vorzusetzen. Für diese linksprogressiven ungeistigen Ergüsse will ich keine GEZ bezahlen, werde aber dazu gezwungen, sonst stehe die GEZ-Eintreiber auf der Matte. Leben wir in einem freien Staat oder werden wir gezwungen für unsere eigene geistige Konditionierung zu bezahlen und den Linksprogressiven ihre Spielwiese zu finanzieren!? Wo bleibt die pseudochristliche CDU bei dieser Frage!?
3. Okay, die Peinlichkeit kommt dann auf der Website
perspective 03.11.2013
"Begleitend zur Fernsehserie gibt es ein Webspecial mit weiterführenden Informationen: Das komplette Angebot von make.love.de wird allerdings aus Gründen des Jugendschutzes täglich nur von 22 bis sechs Uhr freigeschaltet." Ernsthaft? Ich würd' ja sagen, hallo Smartphone unter der Bettdecke oder Download-Script, das um 22:01 gestartet wird ... wenn's nicht so peinlich -- und eine ziemlich üble Entwicklung -- wäre ...
4. Peinlichkeiten
Inuk 03.11.2013
Zitat von sysopMDRPlüschvagina, Klitoris-Pluderhöschen und die rätselhaften Vorgänge "dort unten": Der MDR erklärt in der Doku-Reihe "Make Love", wie man besseren Sex haben kann. Erstaunlicherweise umschifft der Sender souverän alle Peinlichkeiten. http://www.spiegel.de/kultur/tv/mdr-sendung-make-love-ueber-sex-ueberrascht-positiv-a-931354.html
Peinlich sind Werbespots einer gewissen Art der Privaten, welche nach Mitternacht ausgestrahlt werden.
5. ne danke
Hamstedt 03.11.2013
Pornos krieg ich gratis im Internet, dafür zahl ich keine GEZ.
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