MDR-Skandal Bundesweite Razzia wegen Schmiergeld-Affäre

Ermittlungen wegen Betrug, Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit: Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat in der Schmiergeld-Affäre um den früheren MDR-Unterhaltungschef Foht bundesweit 24 Wohnungen und Geschäftsräume durchsuchen lassen.

EX-MDR-Unterhaltungschef Foth: Umstrittene "Produktionsvorschüsse"
DPA

EX-MDR-Unterhaltungschef Foth: Umstrittene "Produktionsvorschüsse"


Hamburg/Leipzig - In der Affäre um den entlassenen MDR-Unterhaltungschef Udo Foht hat die Staatsanwaltschaft Leipzig am Donnerstag eine bundesweite Durchsuchungsaktion gestartet. "Wir ermitteln gegen sechs Beschuldigte wegen Betrugs, Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit", sagte Ricardo Schulz von der Staatsanwaltschaft Leipzig der Nachrichtenagentur dpa. Er bestätigte damit einen Bericht der Tageszeitung "Die Welt".

Es seien 24 Objekte in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Bayern durchsucht worden, darunter die Wohnungen und Geschäftsräume von Foht sowie fünf anderen Beschuldigten. Namen und Einzelheiten zu den Betroffenen wollte die Staatsanwaltschaft nicht bekanntgeben. Insgesamt acht dubiose Vorgänge aus den Jahren 2007 bis 2011 stünden unter Straftatverdacht und hätten sie zu den Durchsuchungen veranlasst, teilten die Ermittler mit.

Foht soll mehrfach von TV-Produktionsfirmen Zuschüsse oder Darlehen für MDR-Produktionen eingefordert haben. MDR-Intendant Udo Reiter hatte betont, solche Vorfinanzierung seien ein grober Verstoß gegen Dienstanweisungen. Foht war zunächst suspendiert und dann entlassen worden. Außerdem soll sich der Ex-Unterhaltungschef größere Geldbeträge geliehen haben. Das Geld sei teilweise gar nicht, mit großer Verzögerung oder von anderen Personen zurückgezahlt worden, hatte Reiter berichtet.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Foht konkret wegen Bestechlichkeit in vier Fällen. Die vom Unterhaltungschef verlangten "Produktionsvorschüsse" oder Darlehen an dritte Firmen sollen in Wahrheit Schmiergelder gewesen sein. Die bisherigen Ermittlungen begründen laut Staatsanwaltschaft den Verdacht, dass Foht bei Produktionsfirmen die Hand aufgehalten hat und dass diese zahlten, damit "sie auch in Zukunft durch den maßgeblichen Einfluss des Beschuldigten Foht vom MDR mit Aufträgen bedacht werden würden". Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft Foht Betrug und Untreue vor.

Der scheidende MDR-Intendant Reiter hat bereits eingeräumt, ein Produzent habe ihn im September 2009 darauf hingewiesen, dass Foht ihm 10.000 Euro schulde. Er habe diesen Vorgang aber an die Fernsehdirektion zur Klärung weitergeleitet und im Oktober die Mitteilung erhalten, dass die Sache erledigt sei. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass der MDR eine "umfassende Unterstützung und Kooperation bei der Aufklärung aller in Betracht kommenden Sachverhalte" zugesagt habe.

sha/dpa

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