Nach nur zwei Folgen Aus für Erfurter "Tatort"-Team 

Debakel für den MDR: Mit seinem jungen Erfurter "Tatort"-Team wollte der Sender den Neustart wagen und fuhr üble Kritiken ein. Nach nur zwei Folgen sind jetzt zwei Hauptdarsteller ausgestiegen - das Aus für das gesamte Konzept.

ARD

"Die unglaubwürdigsten Kommissare der ganzen Krimireihe", "zynische Zielgruppenranschmeiße", "symptomatisch dafür, was falsch läuft im deutschen Fernsehfilmfördersystem": Selten hat ein Ermittlerteam der "Tatort"-Reihe so viel Kritik einstecken müssen wie die jungen Kommissare aus Erfurt. Nun haben zwei der drei Hauptdarsteller die Konsequenzen gezogen: Friedrich Mücke und Alina Levshin sind nach nur zwei Folgen aus der Reihe ausgestiegen. Wie der MDR am Mittwochmorgen bekannt gab, wird der Sender damit das Konzept des Ermittlertrios aufgeben und eine geplante dritte Folge nicht mehr drehen. "Wir bedauern das sehr, auch wenn wir die Entscheidung der Schauspieler natürlich respektieren", erklärte der MDR.

Der Erfurter "Tatort" hatte am 3. November 2013 in der ARD Premiere. Kurz vor Weihnachten 2014 lief die zweite Folge "Der Maulwurf".

Für den MDR bedeutet das Aus eine doppelte Blamage. Mit dem Ausstieg der ambitionierten Jung-Stars Levshin und Mücke ist nicht nur das Image des "Tatort" als größter Schauspielerplattform im deutschen TV ramponiert. Auch das Verfahren, mit dem der MDR das Konzept für sein neues Ermittlerteam fand, ist damit diskreditiert.

Anstatt seine eigenen Redakteure mit der Entwicklung zu betrauen, startete der Sender eine Ausschreibung für Produzenten. Dass aus angeblich rund hundert Einreichungen schließlich das Konzept des TV-Veteranen Thomas Bohn (unter anderem verantwortlich für den Hamburger "Tatort" mit Robert Atzorn) ausgewählt wurde, sorgte für reichlich Hohn in der Fernsehbranche. So könne die dringend nötige Erneuerung nun wirklich nicht gelingen, unkten die Kritiker.

Sie sollten recht behalten. Zwar fuhren die zwei Folgen des Erfurter Trios befriedigende Quoten ein, doch die jungen Ermittler Henry Funck (Friedrich Mücke), Maik Schaffert (Benjamin Kramme) und Johanna Grewel (Alina Levshin) fielen bei der TV-Kritik gnadenlos durch. Auf die Suche nach möglichen Nachfolgern macht sich der MDR übrigens nicht. Mit dem "Tatort" aus Weimar werde die Krimireihe aber "in Thüringen präsent bleiben", schrieb der MDR in einer Pressemitteilung: "Die Schauspieler Nora Tschirner und Christian Ulmen ermittelten auch 2015 in Weimar und Umgebung." Tschirner und Ulmen hatten am Neujahrstag ihren zweiten Fall gelöst - und viel Kritik wegen des mangelhaften Tons erfahren.

hpi/dpa

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
rwasser 07.01.2015
1. Keine Experimente
wo kämen wir da hin? Ich möchte Haferkamp und Trimmel zurück.
henkla3 07.01.2015
2. Endlich
.. sind die drei Kommissare abgelöst. Leider spielten sie die Rollen nur, alle drei waren nicht authentisch. Möge es dem Saarbrücker Witzkommissar auch so ergehen.
dbrown 07.01.2015
3. Und? Ist das ein Wunder???
Die reinste Tatort-Inflation! Er ist nichts mehr wert. Wenn das so weitergeht, hat bald jede etwas größere Stadt ihr Tatort-Team. Und bei der Qualifikation mancher deutschen sogenannten Schauspieler kann man sich die Hälfte aller Standorte eh mal sparen. Schade um das viele Geld, das für diesen Brei vergeudet wird.
hbblum 07.01.2015
4. Blamage?
Okay, da mag nicht alles optimal gelaufen sein, aber wer experimentiert macht halt auch mal Fehler. Ich bin schon der Meinung das sich der Tatort immer wieder neu erfindet und in der Summe nach wie vor Stilbilden für Fernsehkrimis ist.
andibaer 07.01.2015
5. Masse statt Klasse
Statt inflationär neue Teams aus dem Boden zu stampfen - irgendwann sind alle Konstellationen ausprobiert - sollte man sich auf einige Teams beschränken und diesen dann auch qualifizierte Drehbücher mitgeben. Das wertet die einzelnen Teams ebenso auf wie die Fälle. Mir hat beispielsweise der Erfurter Fall nicht schlechter gefallen als die letzten Fälle vom Bodensee oder aus Ludwigshafen. 2 neue Tatorte pro Monat plus je einen Polizeiruf sollten im Jahr auf jeden Fall ausreichen und würden auch dem etwas anderen Konzept des Polizeirufs eine Chance geben.
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