Mehr "heute"-Nachrichten ZDF bleibt bei Reform des Vormittagprogramms

"Keine Absage an die Kooperation mit der ARD": So verteidigt ZDF-Intendant Schächter den Beschluss seines Senders, aus den gemeinsamen Vormittagsnachrichten auszusteigen. Weniger entscheidungsfreudig zeigt man sich beim Zweiten in Sachen "Wetten, dass..?"


Mainz - Das ZDF bleibt bei seiner Entscheidung, vormittags künftig durchgehend eigene "heute"-Nachrichten senden zu wollen. Bislang haben ARD und ZDF im Wochenwechsel die Nachrichten um 9 und um 12 Uhr produziert und sie gemeinsam in ihren Programmen gesendet. Mit diesem System will das ZDF nun brechen. "Das ist keine Absage an die Kooperation, sondern eine Zusage an die Möglichkeit, unsere Nachrichten stärker zu profilieren", sagte ZDF-Intendant Markus Schächter am Freitag nach einer Fernsehratssitzung in Mainz.

Die ARD-Vorsitzende Monika Piel bedauerte die ZDF-Entscheidung und sagte in einer Mitteilung: Es gebe die klare Tendenz, "dass die ARD - zunächst befristet - dann künftig am Vormittag auch in den ZDF-Sendewochen auf eigene Nachrichten setzen wird. Sollte beim ZDF aber ein Umdenken stattfinden, wären wir natürlich jederzeit bereit, die Kooperation mit dem ZDF wieder aufzunehmen."

In der digitalen Welt spielten Online-Nachrichten eine zunehmend wichtigere Rolle, sagte ZDF-Fernsehrat Ruprecht Polenz. Es sei bislang nicht möglich gewesen, die ZDF-Online-Nachrichten auch an solchen Wochen umfassend zu versorgen, bei denen das Morgenmagazin in ARD-Hand lag. Um das zusätzliche Angebot zu finanzieren, sollen unter anderem die "heute"-Ausgaben um 12.00 Uhr und um 17.00 Uhr fünf Minuten kürzer werden, sagte Schächter.

Der Senderchef nahm das ZDF dafür in Schutz, die Nachfolge-Frage für die Moderation von "Wetten, dass..?" bislang offen gelassen zu haben. Es sei gut gewesen, diese Frage aus dem Umfeld der großen Diskussion um den Abschied von Thomas Gottschalk am vergangenen Samstag herauszunehmen, sagte er. "Wer immer in dieser Sonne steht, wird dann damit Probleme haben." Der Name eines Nachfolgers werde zu einem "richtigen Zeitpunkt" verkündet. "Wir haben da einen Fahrplan", sagte Schächter. Die Personalie werde ganz sicher bis zum Frühjahr geklärt sein.

Die Gebührenperiode wird das ZDF den Planungen zufolge 2012 mit einem insgesamt ausgeglichenen Haushalt abschließen, kündigte Schächter an. Der Sender könne sogar noch eine Rücklage von 80 bis 100 Millionen Euro bilden. Diese sei besonders wichtig, da von 2013 an ein neues System für die Rundfunkgebühren greift, bei dem pro Haushalt abgerechnet wird. "Das ZDF hat sich darauf vorzubereiten, mit der derzeitigen Gebührenhöhe noch mindestens zwei weitere Jahre auszukommen."

hpi/dpa/dapd



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